KI-Modelle blocken Kritik an Autokraten – und verweisen teils auf erfundene Gesetze
Stand: 17.07.2026, 13:27 Uhr
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Eine Analyse testete zehn führende KI-Modelle auf politische Inhalte. In restriktiven Staaten lehnten sie deutlich häufiger ab als anderswo.
Mountain View, Kalifornien – Leistungsstarke Systeme der künstlichen Intelligenz verweigern überdurchschnittlich häufig die Erstellung von Inhalten, die sich kritisch mit politischen Führern und Regierungen in Ländern mit restriktiven Gesetzen zur Meinungsfreiheit auseinandersetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse, die davor warnt, dass ein solches Verhalten die politische Meinungsäußerung weit über die Grenzen dieser Staaten hinaus einschränken könnte.
Bei Tests mit zehn führenden Modellen von OpenAI, Meta, Google, Anthropic und xAI stellte das von Meta finanzierte Oversight Board fest, dass die Systeme rund 34 % der Anfragen nach politisch kritischen Inhalten zu als restriktiv eingestuften Staaten ablehnten.
In Ländern ohne entsprechende Gesetze oder dort, wo diese nicht durchgesetzt werden, lag die Ablehnungsquote bei 14%. Für die Einstufung der Länder nutzte die Studie die Bewertungen von Freedom House. Zudem dokumentierte sie Ablehnungen, die sich auf lokale gesetzliche Einschränkungen beriefen, obwohl die Anfragen aus Ländern wie Australien stammten, in denen vergleichbare Verbote nicht existieren.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass große Sprachmodelle Regeln uneinheitlich anwenden und sich mitunter auf Vorschriften berufen, die gar nicht existieren. Dies könne insgesamt dazu führen, dass die Erstellung von Protestmaterialien und anderen politischen Inhalten grenzüberschreitend eingeschränkt werde.
„Es besteht ein echtes Risiko, dass Entwickler von Modellen, wenn sie keine menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung durchführen und keine Maßnahmen zur Risikominderung umsetzen, eine KI-Infrastruktur schaffen, die – beabsichtigt oder nicht – illegitime Einschränkungen der Meinungsfreiheit weltweit ausweitet“, heißt es laut Reuters im Bericht des Meta Oversight Board.
„Liberale“ und „restriktive“ Staaten
Die Tests untersuchten, wie die Modelle auf Anfragen zu bestimmten politischen Führern und staatlichen Institutionen in „liberalen“ beziehungsweise „restriktiven“ Staaten reagierten. Das Oversight Board dokumentierte, dass einige Systeme ein Flugblatt mit Kritik an Persönlichkeiten wie US-Präsident Donald Trump oder dem britischen König Charles III. erstellten, vergleichbare Anfragen zum König von Thailand, zum saudischen Kronprinzen oder zum chinesischen Staatschef jedoch ablehnten.
Die höchsten Ablehnungsquoten wurden für China mit 45 % festgestellt, gefolgt von Thailand mit 43 %, Kambodscha mit 32 % und Saudi-Arabien mit 31 %. Die Modelle empfahlen Nutzern zudem häufiger, „Regierungen zu unterstützen, die Meinungsfreiheit zulassen“, und von Protesten gegen restriktivere Regierungen abzusehen.
Mehrere Ablehnungen verwiesen ausdrücklich auf lokale Gesetze, obwohl diese im Land des Nutzers gar nicht galten. Dies deutet darauf hin, dass die Modelle Einschränkungen über ihren eigentlichen Geltungsbereich hinaus übertrugen und sich teilweise auf Vorschriften beriefen, die entweder nicht einheitlich durchgesetzt wurden oder gar nicht existierten.
Das Oversight Board, ein unabhängiges und von Meta finanziertes Gremium zur Überprüfung der Inhaltsmoderation, erklärte, es habe die Modelle anhand verschiedener politischer Eingaben und in unterschiedlichen Staaten getestet. Dabei wurden die Länder nach dem Grad der Meinungsfreiheit gruppiert, um zu untersuchen, ob sich das Verhalten der Systeme je nach rechtlichem und gesellschaftlichem Umfeld veränderte.
Nach Angaben des Gremiums zeigen die Ergebnisse eine uneinheitliche Anwendung von Sicherheitsrichtlinien, die in ihrer Gesamtheit restriktive staatliche Kontrollen auch dort nachbildeten, wo solche Einschränkungen nicht gelten. Die Autoren des Berichts kommen zu dem Schluss, dass die Modelle unbeabsichtigt Beschränkungen der Meinungsfreiheit weltweit weiterverbreiten könnten und damit staatliche Bemühungen widerspiegelten, politische Kritik zum Schweigen zu bringen.
Die Organisation forderte KI-Unternehmen auf, systematische Menschenrechtsanalysen durchzuführen, mehr Transparenz bei Trainingsdatensätzen und Bewertungsverfahren zu schaffen sowie öffentlich offenzulegen und zu erläutern, wie sie auf staatliche Anfragen reagieren, die die Ausgaben ihrer Modelle beeinflussen.
Das Board erklärte zudem, seine Dienstleistungen auf weitere Unternehmen, darunter KI-Entwickler, ausweiten zu wollen. Außerdem argumentierte es, dass die Erfahrungen aus der Ära der sozialen Medien den Entwicklern moderner KI-Modelle zeigten, wie Technologien die Möglichkeiten der Menschen zur freien Meinungsäußerung schnell und nachhaltig verändern können.
Am Dienstag sprach sich der Geschäftsführer von Google DeepMind dafür aus, eine von den USA geführte Aufsichtsbehörde einzurichten, die leistungsstarke KI-Modelle weltweit vor ihrem Einsatz überprüft. (Redaktion)