Kimi Antonelli selbstkritisch: Bin in Baku gefahren "wie eine Oma"

(Motorsport-Total.com) - Kimi Antonelli hat den Großen Preis von Aserbaidschan 2026 auf Platz fünf beendet - und war mit seiner eigenen Leistung trotzdem alles andere als zufrieden. Der WM-Spitzenreiter bezeichnet Baku als sein mit Abstand schlechtestes Wochenende des Jahres und erklärt, warum er im Rennen bewusst auf Risiko verzichtete.

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Kimi Antonelli kam in Baku nicht über Platz 5 hinaus Zoom

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Nach seinem Unfall im Qualifying war Antonelli von Startplatz 16 ins Rennen gegangen. Einen einfachen Durchmarsch wie zuvor in Monza gab es diesmal nicht. Stattdessen musste der Mercedes-Pilot geduldig bleiben, Fehler der Konkurrenz nutzen und sein beschädigtes Auto ins Ziel bringen. Teamkollege George Russell gewann das Rennen.

"Heute bin ich ein bisschen wie meine Oma gefahren", sagt Antonelli nach dem Rennen. Gemeint war damit vor allem seine vorsichtige Herangehensweise. "Es war einfach Schadensbegrenzungsmodus. Ich bin kein Risiko eingegangen."

Antonelli fehlt das Vertrauen

Antonelli erklärt, dass sich seine Herangehensweise bereits früh im Rennen verändert habe. Anders als in Monza oder bei vorherigen Rennen habe er nicht die nötige Pace gehabt. Gleichzeitig sei das Überholen in Baku schwieriger gewesen als erwartet, weil viele Fahrzeuge auf den langen Geraden mit aktivem Energiemanagement unterwegs waren.

"Wenn ich die Pace gehabt hätte, wäre es anders gewesen", erklärt Antonelli. "Wenn ich die gleiche Pace wie in Monza oder bei den vorherigen Rennen gehabt hätte, wäre es einfach Vollgas gewesen."

Stattdessen stellte er sich darauf ein, geduldig zu bleiben. Vor einem Überholmanöver wollte er sich sicher sein, dass die Aktion auch wirklich funktionieren konnte. Als er sah, wie viele andere Fahrer Fehler machten, nahm er zusätzlich Tempo heraus und profitierte anschließend von deren Problemen.

Genau diese Vorgehensweise lobt Mercedes-Sprecher Bradley Lord. Antonelli habe das Rennen angenommen, das vor ihm lag, statt den Ausgang des Monza-Rennens zu kopieren. Besonders wichtig sei gewesen, dass er trotz der schwierigen Ausgangslage keine weiteren Fehler machte.

Von P16 auf P5 - trotz Unterbodenschaden

Antonelli hatte bereits am Start eine schwierige Ausgangslage. Nach dem Unfall im Qualifying musste er von weit hinten durch das Feld. Beim Safety-Car-Neustart nach der Unterbrechung für Alexander Albons Crash wurde es erneut kritisch.

Antonelli erkannte früh, dass ein Franco Colapinto vor ihm in Schwierigkeiten geraten war, und nahm sofort Tempo heraus. Dadurch entging er einem größeren Unfall. Gleichzeitig wurde sein Mercedes trotzdem beschädigt. Auf der linken Seite des Unterbodens fehlte nach dem Kontakt mit Haas-Pilot Oliver Bearman ein großer Teil.

"Ich hatte danach einen großen Schaden am Unterboden. Meine gesamte linke Seite war weg", erklärt Antonelli. Das Auto sei anschließend sehr schwierig zu fahren gewesen. Trotzdem versuchte er noch, Platz vier zu erreichen.

Auch Sky-Experte Timo Glock hebt Antonellis Reaktion auf die Situation hervor. Der Italiener habe früh in den Rückspiegel geschaut und offenbar erkannt, dass hinter ihm ein Unfall drohte. Dadurch habe er sich bewusst weit rechts gehalten und konnte dem größeren Chaos entgehen.

Lord bezeichnet genau diese Situation als wichtigen Teil von Antonellis Rennen. Der Mercedes-Pilot habe den Unfall kommen sehen und rechtzeitig reagiert. Zwar nahm sein Auto dennoch Schaden, doch Antonelli konnte weiterfahren und mehrere Positionen gewinnen.

"Nicht der übliche Kimi"

Antonelli selbst will seinen fünften Platz deshalb nicht kleinreden. "Heute ist einer dieser Tage, an denen man mit Platz fünf zufrieden sein muss", sagt er. Gleichzeitig macht er sehr deutlich, dass er mit seiner eigenen Leistung nicht zufrieden war.

"Dieses Wochenende war mit Abstand mein schlechtestes des Jahres, was die Performance betrifft", so Antonelli. Er sei nicht wirklich präsent gewesen und habe nicht so gefahren wie gewohnt.

Ein Grund dafür war der fehlende Trainingsbetrieb. Antonelli konnte im ersten Training nur drei Runden absolvieren und verpasste anschließend einen großen Teil des zweiten Trainings. Erst im dritten Training fand er langsam seinen Rhythmus. Im Qualifying folgte dann der Fehler, der ihn früh aus Q1 warf.

"Ich hatte einfach nicht das Vertrauen, das ich an den vorherigen Wochenenden hatte", meint Antonelli. Im Rennen sei er deshalb über weite Strecken nur bei rund 80 Prozent gefahren. Er räumt sogar ein, dass er mental nicht in der Lage gewesen sei, dauerhaft 100 Prozent zu attackieren.

Mercedes lobt die Schadensbegrenzung

Bei Mercedes fällt die Bewertung deshalb etwas anders aus. Bradley Lord bezeichnet Antonellis Rennen als sehr kontrolliert und reif. Nach dem Fehler im Qualifying sei Platz fünf am oberen Ende dessen gelegen, was das Team erwarten konnte.

"Er hat einfach gemacht, was er bis Platz fünf machen konnte", so Lord. Antonelli habe nicht nur Schadensbegrenzung betrieben, sondern gleichzeitig eine hohe Reife gezeigt.

Auch der Abstand zu Russell sei nicht ausschließlich als Schwäche Antonellis zu verstehen. Lord verweist darauf, dass Russell ein außergewöhnlich starkes Wochenende erwischt habe. Antonelli habe dagegen durch den fehlenden Trainingsrhythmus wichtige Referenzen verloren.

Für Antonelli bleibt damit trotz Platz fünf ein persönliches Fragezeichen über dem Baku-Wochenende. Der WM-Leader konnte seine Position mit einem kontrollierten Rennen absichern, war mit seiner eigenen Performance aber deutlich unzufrieden.

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"Ich bin überhaupt nicht glücklich damit, wie ich dieses Wochenende gefahren bin", sagt er. "Ich hätte einen viel besseren Job machen können und müssen." Seine Hoffnung richtet sich deshalb bereits auf das kommende Rennen: "Es wird in Sepang viel besser sein."