Vor Sachsen-Anhalt-Wahl: Kabarettist Schroeder wütet gegen „Jammer-Ossis“ – und trifft einen wunden Punkt

„Klappe halten, Jammer-Ossis“: Kabarettist Schroeder rechnet vor Sachsen-Anhalt-Wahl mit dem Osten ab

Stand: 28.08.2026, 13:31 Uhr

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Kabarettist Florian Schroeder rechnet in einem Instagram-Video mit Teilen der ostdeutschen Bevölkerung ab – und nennt den Osten ein „lebendes Stockholm-Syndrom“.

Magdeburg – Lang ist es nicht mehr hin bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die AfD hofft in dem Bundesland auf eine Alleinregierung. Aktuellen Umfragen zufolge liegt die in Sachsen-Anhalt rechtsextrem eingestufte Partei bei um die 40 Prozent. Nun meldet sich Kabarettist Florian Schroeder mit einem provokanten Instagram-Video zu Wort: „Klappe halten, Jammer-Ossis“.

Kabarettist Florian Schroeder (Archivfoto) meldet sich mit einem provokanten Instagram-Video zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt zu Wort.

Kabarettist Florian Schroeder (Archivfoto) meldet sich mit einem provokanten Instagram-Video zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt zu Wort. © Joerg Carstensen / Imago

In dem knapp dreiminütigen Clip, den der 46-Jährige unter dem Titel „Warum Jammer-Ossis nerven“ veröffentlichte, wirft er Teilen der ostdeutschen Bevölkerung grundlegende Widersprüchlichkeit im Verhältnis zu Staat und Demokratie vor. Dabei betont Schroeder ausdrücklich, er meine nicht alle Menschen in Ostdeutschland.

Schroeder über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: „Ihr wollt genau diese Bevormundung“

Im Mittelpunkt seiner Kritik steht ein vermeintliches Paradox: „Das Paradox ist, ihr werft dem Staat genau die Bevormundung vor, die ihr schon aus DDR-Zeiten kennt. Der Witz ist aber, ihr wollt genau diese Bevormundung. Ihr wollt gegängelt und getreten werden. Der Osten war schon immer das lebende Stockholm-Syndrom“, sagt Schroeder direkt in die Kamera.

Er beschreibt einen Widerspruch, in dem der Staat einerseits alles vorschreiben solle, andererseits nicht bevormunden dürfe: „Er soll sagen, was zu denken ist, aber doch sollen alle alles sagen dürfen. Er soll den ÖPNV bis in den letzten Winkel schicken, aber wenn er das tut, dann empört ihr euch über eine Zwangsbebussung. Ihr müsstet euch bitte einmal entscheiden, welche Diktatur ihr jetzt genau wollt.“

Putin „beklatschen“? Dann mit allen Konsequenzen – „Vielleicht kriegt ihr die ja bald“

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin thematisiert Schroeder in seiner Brandrede. Es sei zwar legitim, Putin zu „beklatschen“ – doch dann brauche es Konsequenz: „Dann werft euch ihm doch einfach bedingungslos an den Hals. Das wäre endlich die richtige Wiedervereinigung, nämlich die mit Russland.“ Putin wolle zurück ins Jahr 1990, genau wie AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt, so Schroeder. Mit Blick auf die Landtagswahl ergänzte er: „Vielleicht kriegt ihr die ja bald.“

Kritikern, die ihm als Westdeutschem das Recht absprechen, über Ostdeutsche zu urteilen, entgegnet Schroeder: „Wer jetzt sagt: ‚Aber du bist ja Wessi, du darfst das gar nicht über Ossis reden‘, der ist auch gemeint. Wenn nur Opferlämmer andere Opferlämmer darin bestärken dürfen, Opferlämmer zu sein, dann ist das doch genau die bevormundende Woke-Attitüde, die ihr zu Recht immer so gehasst habt.“ In der Kommentarspalte erhält Schroeder überwiegend Zustimmung, darunter Reaktionen wie „Du sprichst mir aus der Seele. Grüße aus Sachsen.“ Einzelne Nutzer kritisieren jedoch, sein Ton vertiefe Gräben, anstatt Menschen zu erreichen.

Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl: AfD-Mitgliederzahl wächst stetig

Die AfD genießt in Sachsen-Anhalt große Unterstützung. Laut Verfassungsschutz wächst die Mitgliederzahl der AfD hier seit 2023 jährlich um 30 bis 40 Prozent. Ende 2025 hatte die Partei nach eigenen Angaben in dem Bundesland rund 3500 Mitglieder – ein Anstieg um fast tausend innerhalb eines Jahres.

Mit der Landtagswahl 2016 zog die AfD erstmals in den Magdeburger Landtag ein. Seit den Kommunalwahlen 2019 ist die Partei in allen Kreistagen sowie in der überwiegenden Zahl der Stadt- und Gemeinderäte des Bundeslands in Fraktionsstärke vertreten. Bei der Landtagswahl 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent und blieb damit stärkste Oppositionsfraktion im Parlament. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde sie in Sachsen-Anhalt mit 37,1 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft und holte auch alle acht Direktmandate. (Quelle: AFP/Instagram) (sischr)