Kleines Naturtalent Kröverin malt mit Sohn – und stellt Werke weltweit aus
Kröv · Ein Kleiner malt im großen Stil: Der dreijährige Lionel Latowski aus Kröv hat schon sehr früh die Kunst für sich entdeckt. Seine Bilder haben es schon bis nach Paris und Kanada geschafft.
09.10.2026 , 07:55 Uhr
Stolz auf ihre Werke: Patrycja Latowski und ihr Sohn Lionel.
Foto: TV/Ursula Bartz
Der Dinosaurier muss mitfrühstücken. Lionel tunkt das Plastiktier ins Frühstücksei – matschen muss einfach sein! Doch neben all dem, was Dreijährige üblicherweise mit allen Sinnen ausprobieren, gibt es ein Feld, auf dem er besonders kreativ werden kann: die Malerei.
Dreijähriger Lionel: Bilder von ihm und seiner Mutter reisen um die Welt
Zu verdanken ist das seiner Mutter Patrycja Latowski. Im Hauptberuf ist die 36-Jährige Sozialpädagogin und arbeitet in der mobilen Jugendpflege der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Die Kunst gehörte nicht zuletzt in der pädagogischen Arbeit schon immer zu ihrem Leben, erzählt sie. Doch seit der Geburt ihres Sohnes habe sich das Blatt noch einmal gewendet.
Denn von diesem Zeitpunkt an sei ihr klar geworden, wie schnell die Zeit vergehe, wie vergänglich sie sei. Und so wagte sie auch mit ihrer Kunst den nächsten Schritt, begann, ihrer Leidenschaft eine größere Plattform zu geben.
Und siehe da, Lionel tat es ihr gleich. Videos zeigen, wie er schon in Windeln an einer kleinen Leinwand steht, da kann er gerade einmal laufen. Mutig drückt er die Farbtuben auf der Oberfläche aus, verteilt sie mit Pinsel, Rolle oder Sieb.
Zu Gast bei Ausstellungen in Paris, Berlin und auf Palma
Wenn Sie nun denken, „das kann ja jedes Kind“: Kuratoren schätzen die abstrakten Malereien von Latowski und Lionel inzwischen so hoch ein, dass sie in verschiedenen internationalen Ausstellungen zu sehen sind. Anfang September wurden zwei Werke bei der „Swissartexpo“ in Zürich präsentiert: „Enough to be Here“ und „Held Breath“.
Im Oktober geht es weiter mit Ausstellungen einzelner Stücke in der Casa del Arte in Palma, der Nicoleta Gallery in Berlin und dem „Paris Carrousel Louvre“, erzählt sie. Weitere Bilder von ihnen werden in der Thomson Gallery in Zug (Schweiz) und in einer Galerie im kanadischen Québec ausgestellt. Ja, inzwischen sei sie so selbstbewusst, sich eine Künstlerin nennen zu können, sagt sie. Dazu habe ihr lange der Mut gefehlt. Doch in eben diesem Zutrauen habe Lionel sie bestärkt.
Enge Verbindung: Mutter und Sohn von der Mosel malen gemeinsam
Der Blondschopf sei von Anfang an so stolz gewesen auf seine Bilder, das habe sie fasziniert. „Wir Erwachsene haben oft vergessen, wie stolz man auf sich sein kann.“ Zu groß sei oft die Befürchtung, arrogant zu wirken. Die Leinwände nehme ihr Sohn gerne mit in sein Zimmer, positioniere sie immer wieder hin und her, bis es ihm gefällt.
Schon mit einem Jahr habe es Lionel immer dorthin gezogen, wo sie am Malen gewesen sei. Seine Ambition: Nicht zusehen, mitmachen! Gemeinsam vor einer Leinwand zu stehen, Farben auszuprobieren, Spuren zu hinterlassen und zu beobachten, wie daraus etwas Neues entstehe, sei nach und nach zu etwas geworden, das sie beiden verbinde, sagt Latowski.
Die meisten Bilder würden sie gemeinsam malen. „Lionel hat keine Grenzen“, erzählt sie. Er verteile die Farbe mutig und wähle Kombinationen, die ihr oft nicht passend erscheinen würden. Und am Ende funktioniere es doch. Seine Botschaft: „Das wird schon!“
Sozialpädagogin arbeitet für die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach
Die Werke präsentieren sie unter dem Namen „plila.art“. Er verbinde ihre Namen: Das „P“ steht für Patrycja, das „Li“ für Lionel und „La“ für Latowski. Im Vordergrund sollen aber ihre Bilder stehen, nicht ihre gemeinsame Geschichte, diese solle im Hintergrund bleiben, sagt Latowski.
Gebürtig stammt sie aus Polen, kam aber bereits während ihres Studiums vor ungefähr 13 Jahren an die Mosel. Zunächst arbeitete sie für das Haus der Jugend in Wittlich, seit 2018 dann bei der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Die Kunst helfe Menschen, sich auszudrücken, das habe sie sowohl bei der Arbeit zum Beispiel mit suchtkranken Menschen als auch mit Kindern und Jugendlichen erlebt. Nach und nach sei sie dann auch selbst zur Malerei gekommen.
„Kinder haben die verschiedensten Talente – und wir haben die Aufgabe, sie zu fördern“
In Kröv haben sie und ihr Mann ein ehemaliges Winzerhaus gekauft, das sie renovieren. Auch in Ürzig besitzen sie inzwischen ein altes Häuschen, das sie als Atelier nutzen. Noch pendeln sie zwischen dem Raum Köln, wo ihr Mann arbeitet, und der Mosel. Doch auf lange Sicht würden sie gerne hier leben, erzählt sie.
Ob aus Lionel einmal ein großer Künstler wird? Wer weiß. Drängen will sie ihn auf keinen Fall dazu, sagt sie, sondern ihm nur alle Möglichkeiten eröffnen. „Kinder haben die verschiedensten Talente – und wir haben die Aufgabe, sie zu fördern.“