Kolumne „Guide de la survie pour la France“: Bonjour, Fettnäpfchen – wenn Vokabel-Pannen gar nicht das Problem sind

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Kolumne „Guide de la survie pour la France“ Bonjour, Fettnäpfchen – wenn Vokabel-Pannen gar nicht das Problem sind

Paris/Saarbrücken · Regelmäßig blicken wir auf französische Eigenheiten und sinnieren darüber, wie man in Frankreich am elegantesten überlebt. Heute: Sprachbarrieren und das eigentliche Problem, mit dem Touristen in Frankreich auffallen.

04.08.2026 , 08:00 Uhr

Wer als Tourist in Frankreich unterwegs ist, stolpert beim Besichtigungsmarathon nicht nur über Sprachbarrieren, sondern manchmal auch über sich selbst.

Foto: AFP/GERARD JULIEN

Die Kassiererin schaut fragend zurück, der Kellner stutzt… Dabei hatte man den französischen Satz aus der App oder dem Französischbuch doch so schön auswendig gelernt. Malheurs bei der Fahrt nach drüben passieren. Nicht ohne Grund gilt Französisch deutschen Zungen als nicht gerade die einfachste Fremdsprache. Meist lassen sich Sprachblockaden schnell beheben – mit Händen und Füßen, mit Apps, manchmal übersetzen Umstehende. Selbst wenn die Wörter in der anderen Sprache partout nicht wollen – Saarländer und Mosellaner sind das Miteinander gewohnt und wissen sich zu helfen.

Von Bonjour bis Subjonctif

Aber wenn‘s nicht an der Sprache liegt und nach der gemeinsam gefundenen Vokabel nicht alle Beteiligten erleichtert strahlen? Oft heißt es, kulturelle Unterschiede können für spürbare Missverständnisse sorgen – bei Begrüßung oder im Job. Das heißt umgekehrt auch: Wenn man freundlich mit „Bonjour“ grüßt und keine Verhandlungen abwickeln muss, ist schon viel gewonnen.

Charmant oder peinlich? Der Grat kann schmal sein. Oder eine achtspurige Autobahn im Pariser Berufsverkehr – rien ne va plus. Während sich Französisch-Fanatiker schon für einen falschen Subjonctif gegenüber den französischen Schwiegereltern schämen, scheint es anderen kaum in den Sinn zu kommen, ob sie beim Besichtigungsmarathon durch Frankreichs Kulturgüter negativ auffallen.

Sauftourismus finden viele peinlich

Ein stilistischer Selbstläufer scheint Urlaub im Ausland nicht zu sein. Laut einer Yougov-Umfrage schämten sich, zumindest 2017, dem Jahr der Umfrage, 81 Prozent von 1029 Befragten für deutsche Landsleute, die im Ausland peinlich sind. Gegen Sauftourismus sprachen sich 82 Prozent aus. Klar, man würde als Tourist nicht volltrunken durch Notre-Dame de Paris lärmen. Und doch gibt’s in der Praxis Ausrutscher.

Wie der lärmende Videocall, jüngst miterlebt in der Kathedrale von Reims, wenn auf den Bänken neben dran mehrere Männer und Frauen andächtig beten. Oder der saalerschütternde Zwischenruf, der einmal durch das Carreau-Theater ging – weil der dargebotene Monolog „so laaaaaang“ gewesen sei. Ein Fremdschäm-Moment. Auch weil der gelangweilte Theatergast auf den freundlichen Vorschlag von der Bühne, bei Nichtgefallen doch einer anderen Beschäftigung nachzugehen, noch protestierte: „Ach nein, ich habe doch dafür bezahlt.“ Immerhin auf Französisch. Aber ist es besser, sich zu langweilen und zu motzen, als das Feld zu räumen? Und ist’s ein persönliches Aushängeschild, montagmorgens im Pendler-TGV nach Paris mit jedem Crémant noch lauter zu gackern, während ringsum Kostüm-Frauen und Polohemden-Männer hinter ihren Laptops die Ohrstöpsel immer weiter in ihre Ohren drehen?

Begehrt Paris gegen Touristen auf?

Sprachbarrieren lassen sich überwinden. Durch Interesse, ein bisschen Cleverness und Höflichkeit. Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass Franzosen und Französinnen zu höflich sind, oder zu abgeklärt, um „Tourist go home“-T-Shirts zu tragen, wie so mancher unter Massentourismus leidende Einwohner in Barcelona und Venedig. Wobei: Angesichts ihrer mal erklärten, mal unterstellten Englisch-Abstinenz stünde wohl „Dehors, les touristes!“ an den Wänden von Montmartre. Direkt und komprimiert, wie in Paris üblich. Pessimisten würden unken, dass bei sinkenden Französischlernern in Deutschland und sinkenden Deutschlernern in Frankreich ein solches Aufbegehren irgendwann sowieso unverstanden verpufft. Für beide Seiten kein erstrebenswerter Zustand.

Sprachkenntnisse hin oder her: Es soll ja auch erbaulich sein, das Werk der Kathedralbaumeister andächtig zu genießen, vermeintlich Langweiliges auszuhalten und sich nicht gleich morgens im Schnellzug, sondern in Ruhe im eigenen Wohnzimmer mit Crémant zu beschwipsen. Nachbarn am besten einladen. Vielleicht sind’s ja Franzosen und man kann zusammen peinlich sein. Oder höflich. Oder am besten beides und dann gemeinsam drüber lachen. Prost, et à votre santé.