Ludwigsauer Bürgermeister Kuhn nimmt erstmals Schulden auf

Stand: 04.08.2026, 08:00 Uhr

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Patrick Kuhn, der Bürgermeister von Ludwigsau, beim Sommerinterview 2026 mit der Hersfelder Zeitung an der Giegenberghütte oberhalb von Friedlos.

Patrick Kuhn, der Bürgermeister von Ludwigsau, beim Sommerinterview 2026 mit der Hersfelder Zeitung an der Giegenberghütte oberhalb von Friedlos. © Kai A. Struthoff

Die Gemeinde Ludwigsau hat für die Sanierung der Ortsdurchfahrt Beenhausen erstmals in ihrer Geschichte einen Kredit aufgenommen. Bürgermeister Patrick Kuhn kündigt an, dass weitere Investitionen in Infrastruktur folgen müssen.

Ludwigsau – Als Ort für das Sommerinterview mit der Hersfelder Zeitung hat Ludwigsaus Bürgermeister Patrick Kuhn die Giegenberghütte oberhalb von Friedlos vorgeschlagen. Dort sprach Bürgermeister Kuhn mit Kai A. Struthoff.

Herr Kuhn, von hier oben liegen einem alle Probleme Ludwigsaus gleichsam zu Füßen: das Gewerbegebiet mit dem vielen Verkehr, die überlastete B27, die laute Bahntrasse, das Umspannwerk. Finden Sie, dass sich Ihre Heimatgemeinde in den vergangenen Jahren zum Besseren verändert hat?

Von hier oben sieht man dort unten auch mein Elternhaus: Zwischen Bahntrasse und Bundesstraße bin ich aufgewachsen. Ich kenne daher viele Probleme der Gemeinde hautnah aus eigener Erfahrung. Natürlich hat sich die Gemeinde verändert, aber das Interesse an Ludwigsau als Wohnort ist ungebrochen. Wir haben kaum Leerstand, frei werdende Immobilien werden schnell verkauft. Deshalb meine ich, dass sich Ludwigsau, trotz der Überlastung in puncto Infrastruktur, insgesamt positiv entwickelt hat. Trotzdem versuchen wir, auf die weitere Entwicklung Einfluss zu nehmen, und beteiligen uns an allen Foren etwa zur Bahntrassenplanung oder zu den Stromleitungen. Jetzt gilt es, die nächsten Jahrzehnte zu gestalten.

Seit der Kommunalwahl gibt es in Ludwigsau mit gleich zwei neuen Parteien im Parlament wieder eine echte Opposition. Wie erleben Sie diese veränderten Machtverhältnisse in der täglichen Zusammenarbeit?

Es sind mit CDU und Pro Ludwigsau nicht nur zwei neue Fraktionen, sondern auch sehr viele neue, teilweise auch junge Gemeindevertreter dabei. Wir unterstützen sie bei der Einarbeitung in die verschiedenen Themen und Großprojekte. Aus heutiger Sicht gestaltet sich die Zusammenarbeit sehr konstruktiv und sachorientiert.

Mit Elisabeth Apel als neuer Vorsitzenden der Gemeindevertretung hat Ludwigsau nicht nur eine Profipolitikerin, sondern auch eine Frau mit klaren Vorstellungen in dieser wichtigen Position. Sie war mit handfester Kritik an der bisherigen Gemeindepolitik in den Wahlkampf gezogen. Macht sie Ihnen jetzt das Leben schwer?

Nein, auch die Zusammenarbeit mit Frau Apel empfinde ich als sehr konstruktiv. Das gilt auch für den neuen Gemeindevorstand. Ohnehin entscheide ich als Bürgermeister ja nicht allein, sondern wir sind als Gemeindevorstand auf die Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung angewiesen. Und bisher verläuft das sehr positiv.

Als politischer Beobachter hatte man bis zur Kommunalwahl zuweilen das Gefühl, dass nichts vorangeht in Ludwigsau, obwohl das doch mit einer Ein-Parteienregierung ganz einfach sein sollte. Was hat geklemmt?

Es sind auch in der Vergangenheit Beschlüsse zu großen Projekten gefasst worden, aber es dauert eben in unserem Land eine Weile, bis sie umgesetzt werden können. Das gilt zum Beispiel für die Sanierung der Besengrundhalle, die fast abgeschlossen ist. Auch die Ortsdurchfahrt Beenhausen ist ein großes Bauvorhaben, das jetzt läuft …

Aber einen einfachen Radweg, wie den zwischen Tann und Gerterode, zu bauen, kann doch nicht jahrelang dauern …

Ja, es hat lange gedauert, aber wir sind jetzt auf einem guten Weg, das Projekt abzuschließen. Dazu waren aber mehrere Vor-Ort-Termine mit den beteiligten Behörden nötig, denn die Radwegeführung hat sich teilweise geändert. Aber auch dort geht es jetzt voran.

In den vergangenen Monaten wurde in Ludwigsau hauptsächlich über den Abzweig in Mecklar von der B27 ins Gewerbegebiet diskutiert: Ampel oder Kreisel. Wie ist der Stand der Dinge?

Die Ampel bleibt weiterhin angeordnet. Das wurde beim zweiten Info-Abend zu dem Projekt im Juni mitgeteilt. Jetzt soll geprüft werden, ob man die Ampel erst mal auslässt oder zu Stoßzeiten anschaltet. Auch die Möglichkeit eines Grünpfeils wird geprüft, die Abstimmung dazu läuft.

Befriedigt Sie das?

Unsere Einflussmöglichkeiten sind begrenzt, denn wir sind nur Standortgemeinde, es handelt sich um eine Bundesstraße. Ich kann nur die Wünsche und Beschwerden, die von den Bürgern an mich herangetragen werden, an Hessenmobil weitergeben. Ich würde mir natürlich an manchen Stellen und auch bei der Kommunikation ein anderes Vorgehen wünschen, aber Pauschalkritik an Hessenmobil möchte ich nicht üben. In Beenhausen läuft die Zusammenarbeit zum Beispiel ausgezeichnet.

Ludwigsau hat in der vergangenen Legislaturperiode erstmals den „Sündenfall“ vollzogen und Schulden gemacht, um die Ortsdurchfahrt Beenhausen zu sanieren. Dabei war man doch immer so stolz auf die Schuldenfreiheit. Geht das jetzt so weiter mit Krediten?

Wir müssen in unsere Infrastruktur – Straßen, Wasser, Abwasser und Gebäude – investieren. Das können wir nicht aus dem laufenden Haushalt finanzieren. Wir haben in diesem Jahr im Ergebnishaushalt ein Defizit von 300.000 Euro. Das ist noch zu verkraften. Aber ein Investitionskredit ist etwas anderes als ein Kassenkredit, um laufende Kosten zu begleichen. Wir müssen aufpassen, dass wir unseren Haushalt selbst stemmen können. Ich habe den Eindruck, dass auch die neuen Fraktionen im Gemeindeparlament das so sehen.

Ein weiterer dicker Brocken dürfte der Bau des neuen Feuerwehrhauses für die gemeinsame Löschgruppe im Fuldatal sein. Wie geht es dort jetzt weiter?

Wir sind schon relativ weit, aber wann wir mit dem Bau wirklich starten können, kann ich noch nicht sagen. Doch es gibt inzwischen konkrete Planungen, die auch bereits den gemeindlichen Gremien vorgestellt wurden. Die Abstimmung dazu läuft. Klar ist, dass das neue Feuerwehrhaus im Umkreis des Unternehmensparks entstehen soll, den genauen Standort möchte ich noch nicht nennen. Wichtig ist, dass von dem neuen Standort die Hilfsfristen eingehalten werden. Bis zum Ende meiner aktuellen Amtszeit möchte ich, dass der Bau mindestens weit fortgeschritten ist.

Der Sanierungsstau ist auch sonst ganz erheblich: Welche Projekte stehen nach der Sommerpause bei Ihnen ganz oben auf der Liste?

Das sind weniger Großprojekte, sondern viele kleinere Vorhaben. Dazu gehört der Bau einer Pumpleitung für Abwasser zur Kläranlage in Bebra. Aber auch sonst müssen wir in viele Leitungen investieren. In einer großen Flächengemeinde haben wir weite Strecken und eine dezentrale Infrastruktur, Rohleitungen, Hochbehälter, und Tiefbrunnen, die unterhalten werden müssen. Klar ist für mich: In dem Moment, in dem in der Gemeinde irgendwo eine Straße aufgerissen wird, gehen wir sofort auch an die unterirdische Infrastruktur, um hier nicht doppelt arbeiten zu müssen.

All das kostet viel Geld …

… genau. Deshalb hat sich Ludwigsau an dem Aktionstag „Kommunen am Limit“ beteiligt, denn uns geht es nicht anders als anderen Gemeinden im Land. Auch bei der Feuerwehr müssen wir – völlig zu Recht – in die Technik wie neue Fahrzeuge investieren. Das ist notwendig, aber sehr teuer und wird vom Land nur unzureichend unterstützt.

Die Kommunen sind am Limit, auch in Ludwigsau ist viel zu tun. Können Sie da eigentlich unbeschwert den Sommer genießen und finden Sie Zeit für eine Urlaubsreise?

Im Sommer habe ich keinen Urlaub geplant, der wird wohl erst im Herbst anstehen. Aber ich habe in Haus und Garten einiges zu tun, wofür ich die etwas ruhigere Zeit der politischen Sommerpause nutze.

Patrick Kuhn (36) ist in Ludwigsau aufgewachsen und lebt in Friedlos. Er ist seit zwei Jahren Bürgermeister und war zuvor Vorsitzender der Gemeindevertretung. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister war er Lehrer für die Fächer Mathematik und Religion an der Blumensteinschule in Obersuhl.