"Tor der Tränen": Italien kündigt Alleingang beim Schutz von Schiffen an

Krise am "Tor der Tränen"

Meloni-Regierung will Kriegsschiffe entsenden


17.09.2026 - 23:21 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Huthis haben die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab. Italien will sicherstellen, dass Schiffe auch weiterhin passieren können.

Italien hat einen Alleingang beim Schutz von italienischen Handelsschiffen in der Meerenge Bab al-Mandab angekündigt. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto teilte mit, dass seine Regierung nicht auf eine gemeinsame Entscheidung der EU warten wolle. "Wir verfügen über die Fähigkeiten, die Durchfahrt zu schützen."

Er warnte vor einer Blockade am "Tor der Tränen" durch die Huthi-Rebellen. Wenn der Schifffahrtsweg nicht befahren werden kann, habe das erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass bürokratische Entscheidungsverzögerungen eine ohnehin schon komplexe Situation verschärfen", sagte Crosetto.

Crosetto fügte hinzu, dass jede Entscheidung über die Entsendung von Schiffen nach Bab el-Mandab gemeinsam mit der Regierung und dem Parlament getroffen werde, und erklärte: "Wenn wir sie entsenden, dann zum Schutz von Handelsschiffen", wobei die Wiederherstellung des Schiffsverkehrs oberste Priorität habe. Er habe noch nicht entschieden, wie viele italienische Kriegsschiffe eingesetzt werden sollen.

Das "Tor der Tränen" ist neben der Straße von Hormus eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten. Es trennt die Arabische Halbinsel vom Horn von Afrika und verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. An seiner engsten Stelle liegen zwischen der jemenitischen Küste und Dschibuti nur rund 27 Kilometer – Schiffe müssen also dicht an einem Ufer vorbei, das die Huthis kontrollieren. Die Huthi hatten dort in den vergangenen Jahren mehrfach Schiffe angegriffen und teils versenkt oder diese gekapert.

Huthis haben praktisch uneingeschränkten Zugriff auf Meerenge

Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hatte in einer Blitzoffensive in der vergangenen Woche die gesamte Westküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und strategisch gelegene Inseln erobert. Sie hat damit praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die Meerenge – das dürfte als erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr gewertet werden. Die USA und die EU versuchten mit Militäreinsätzen bereits, Handelsschiffe besser vor Angriffen der Miliz zu schützen.

Zwar ist die Zahl der Schiffe, die durch die Meerenge fahren, seit Angriffen der Huthis vor einigen Jahren geringer geworden. Die Meerenge hat aber durch die iranische Blockade der Straße von Hormus wieder an Bedeutung gewonnen. Saudi-Arabien leitet mehr als 70 Prozent seiner Ölexporte über eine Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer um. Damit ist der Bab al-Mandab zur Lebensader geworden. Insgesamt passierten im Juni 7,4 Millionen Barrel Öl täglich die Meerenge und damit rund sieben Prozent der weltweiten Produktion.