Kulturmanagerin muss 20 Prozent einsparen – und kocht auch mal für Autoren

Stand: 10.08.2026, 05:30 Uhr

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Die Kulturbeauftragte Stephanie Bley mit Veranstaltungsplakaten, die die Vielfalt der Veranstaltungen in der Gemeinde wiederspiegeln. Vorne auf ihrem Schreibtisch die Ankündigung der 1. Bönener Musicalnacht, die bereits ausverkauft ist.

Die Kulturbeauftragte Stephanie Bley mit Plakaten, die die Vielfalt der Veranstaltungen in der Gemeinde widerspiegeln. Vorne auf ihrem Schreibtisch die Ankündigung der 1. Bönener Musical Nacht, die bereits ausverkauft ist. © Kira Presch

Stephanie Bley muss in diesem Jahr 20 Prozent ihres Kulturbudgets streichen. Sie übernimmt deshalb bei Lesungen selbst das Catering und verzichtet auf teure Beleuchtungstechnik.

Bönen – Quirlig ist sie, immer voller Ideen und Pläne für die nächste Veranstaltung, die nächste Saison. Und sie kann Menschen begeistern. Als Stephanie Bley im Dezember 2023 ihren Job als Kulturmanagerin der Gemeinde antrat, betonte sie, wie wichtig Menschen und Ehrenamt sind, um ein buntes kulturelles Angebot auf die Beine zu stellen. „Nicht die eingekauften teuren Projekte machen das Kulturprogramm einer Stadt aus, sondern die Mischung mit Veranstaltungen, an denen die Bürger auch mitwirken“, betonte sie damals.

Marina Mitterer, Regina Papenfuss und Katja Schlemm von der Gemeindebücherei, VHS-Mitarbeiterin Esther Hahm und Stephanie Bley vom Bönener Kulturbüro beim Harry-Potter-Day.

Gemeinsam kann man mehr erreichen: Stephanie Bley, VHS-Mitarbeiterin Esther Hahm sowie Katja Schlemm, Regina Papenfuss und Marina Mitterer von der Gemeindebücherei (von rechts) kooperieren nicht nur bei der beliebten Harry-Potter-Nacht, sondern auch bei Veranstaltungen im Lesegarten. © Pinger, Sabine

Und das tut sie: Menschen für Projekte ins Boot holen, auch mal neue Wege gehen. Und immer wieder Kooperationen mit VHS, Bücherei, Gruppen und Vereinen anstoßen, damit „was los ist“ in der Gemeinde. Denn in Zeiten leerer Haushaltskassen muss sie in diesem Jahr noch einmal 20 Prozent ihres nicht gerade üppigen Budgets einsparen.

Aus einem vergleichsweise kleinen Budget möglichst viel rausholen – mit diesem „Auftrag“ sind Sie in Bönen angetreten. Wie machen Sie das konkret?

Ich versuche, Kosten einzusparen, wo es möglich ist. Für das Café Klassik, das in der Alten Mühle in kleinem Rahmen stattfindet, machen wir die Beleuchtung selbst. Bei Veranstaltungen in der großen Aula wäre das aber nicht möglich. Bei Lesungen – zum Beispiel in der Reihe „Mord am Hellweg“ – habe ich das Catering für die Autoren auch mal selbst übernommen und gekocht. Das ist gut angekommen. Für die Autoren war es eine schöne Abwechslung, und es entlastet das Budget.

Was belastet denn das Kulturbudget spürbar?

Ein Neujahrskonzert mit einem teuren Sinfonieorchester geht richtig ins Geld. Aber wir müssen gar kein teures Orchester buchen. Wir haben eine tolle Musikschule in der Gemeinde, die bei der Gelegenheit ihr Potenzial zeigen kann. Da ist eine junge Pianistin, die im Wettbewerb „Jugend musiziert“ unter die ersten drei gekommen ist, die mit ihrem Auftritt für Gänsehaut gesorgt hat. Das ist doch toll. Und wer ein Sinfonieorchester oder eine Oper im großen Haus erleben will, der ist schnell in den größeren Städten wie Unna, Hamm, Dortmund oder Münster. Die Leute geben einerseits richtig viel Geld für Stars in den großen Konzerthallen aus. Vor Ort muss man es hinkriegen, Veranstaltungen mit einer großen Bandbreite zu machen, die nicht zu viel Eintritt kosten, und trotzdem möglichst viele Menschen ansprechen und berühren.

Was sind das für Veranstaltungen?

Am 10. Oktober findet beispielsweise die erste Bönener Musical Night mit dem Ensemble „4Musicals-Entertainment“ um den Bönener Bühnenprofi Florian Theiler in der Aula statt. Die Veranstaltung war in kürzester Zeit ausverkauft. Das werden wir 2027 sicher wiederholen. Auch die Veranstaltungsreihe Café Klassik in der Alten Mühle wird sehr gut angenommen. Und das, obwohl wir auch mal andere Angebote mit ins Programm genommen haben, als sonst üblich, wie ein Jazz-Quartett. Das lief überraschend gut. Man muss auch mal über den Tellerrand schauen und etwas Neues wagen.

Auch Gastspiele im Bereich Kabarett und Comedy können den finanziellen Rahmen sprengen. Gibt es den Fluch der Berühmtheit?

Auf jeden Fall! Mit den Zucchini Sistaz ist es schon schwer. Die haben bei ihrem Auftritt in Bönen eingeschlagen wie eine Bombe. Inzwischen ist die schräge Damen-Combo sehr erfolgreich und entsprechend teuer. Aber 2027 werden sie noch mal in der Gemeinde gastieren. Ein Comedian, der noch nicht so bekannt ist, tritt auch in der Bönener Aula mit 400 Plätzen und zu bezahlbaren Eintrittspreisen auf. Wenn er durch Fernsehauftritte bekannt ist und große Stadien füllt, dann können wir ihn uns leider in der Regel nicht mehr leisten.

Wo findet man dann Alternativen für die kleine Aula in Bönen?

Ich guck mir regelmäßig Presseberichte über Kulturveranstaltungen in anderen Städten an, ob da etwas dabei ist, das für Bönen interessant ist. Und man muss die jungen Talente beobachten. Bei Kabarett- und Kleinkunstpreisen entdeckt man oft Künstler, die mit einem tollen Programm unterwegs sind. So wie Andreas Langsch beispielsweise, der in den vergangenen Jahren alle wichtigen Kleinkunstpreise abgeräumt hat. Im Dezember 2027 wird der Senkrechtstarter mit Musicalausbildung mit seinem Klavierkabarett in Bönen zu Gast sein. Und das Beste: Ein Teil wird von der Kulturförderung übernommen.

Wie wichtig ist die Kulturförderung?

Ein wichtiger Partner ist das Kultursekretariat Gütersloh, das sich für Kreativität und kulturelle Vielfalt einsetzt und kulturelle Projekte in NRW fördert. Ohne zusätzliche Fördergelder wären einige Veranstaltungen gar nicht finanzierbar gewesen – wie das Gastspiel des Quartetts „Klaro“ im April 2025 und „Antigua“ im November 2025.

Mehr Leben in die Gemeindemitte sollen Veranstaltungen in der Fußgängerzone bringen. Da mischen Sie Open Air auch weiterhin kräftig mit?

Unter freiem Himmel ist das Stichwort. Das DJ-Picknick ist eine tolle, entspannte Veranstaltung, zu der jeder mit seiner Decke zum Teich kommen kann – wenn das Wetter mitspielt. Da hatten wir in der Vergangenheit leider auch mehrmals Pech, dass es regnete. Das nächste Picknick am Teich findet am 4. September mit Sängerin Teneja statt – diesmal hoffentlich ohne Regenschauer!

Besser lief es zum Glück bei den großen Veranstaltungen Vino Bönen im September 2025 und im Juli beim Streetfoodmarkt...

Zwei tolle Veranstaltungen, die viele Bönener anlockten. Weil das Wetter mitspielte, war es am Ende ein Erfolg. Aber das weiß man eben vorher nicht. Die Bönener trafen sich in der Fußgängerzone und feierten gemeinsam. Eine Gemeinde wie Bönen braucht solche Feste in der Mitte. Aber die sind auch mit viel Aufwand – finanziell wie organisatorisch – verbunden. Deshalb wäre es schön, abwechselnd mit Vino und Streetfoodmarkt einmal im Jahr eine große Veranstaltung auf die Beine stellen zu können. Ob das 2027 klappt, hängt von den geplanten Umbaumaßnahmen in der Fußgängerzone ab.