Stand: 18.07.2026, 06:00 Uhr
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Neuzugang Lars Warschewski ist der große Hoffnungsträger des Regionalligisten SV Westfalia Rhynern. Im Interview verrät der 26-Jährige, wie er seinen gefürchteten Freistoß trainiert hat und wovon er noch träumt.
Hamm – Lars Warschewski ist der große Hoffnungsträger des SV Westfalia Rhynern für die kommende Saison in der Fußball-Regionalliga. Der 26-Jährige, der vom letztjährigen Ligakonkurrenten ASC 09 Dortmund in den Hammer Süden gewechselt ist, soll im Mittelfeld das Spiel ankurbeln und gleichzeitig auch in der Offensive mit seinen Pässen und seinen Torschüssen Akzente setzen. Patrick Droste sprach mit Warschewski über seine Ziele für die kommende Saison, seine Träume für die Zukunft und warum er Marco Stiepermann, seinem Trainer aus gemeinsamen Zeiten beim ASC, nach Rhynern gefolgt ist.
Herr Warschewski, Sie gelten als ein eher zurückhaltender und ruhiger Mensch. Wie haben Sie sich in Ihrem neuen sportlichen Umfeld in Rhynern eingefunden?
Sehr gut. Ich bin in der Tat jemand, der etwas schüchtern ist. Für mich war die erste Woche auch nicht leicht, weil ich ja vorher drei Wochen in Kanada bei meinem Bruder war. Da steckte mir noch der Jetlag in den Knochen. Aber die Jungs haben mich unfassbar gut aufgenommen. Die sind so auf mich zugekommen, dass es mir ganz leicht gefallen ist, mich zu öffnen. Da war nicht einer, der nicht mit mir geredet hat. Alle haben gefragt, wo ich herkomme, wie lange ich fahre, wir haben über Fußball natürlich auch geredet. Das war einfach top. Also besser geht gar nicht. Das kann man gar nicht mit meinem ersten Jahr beim ASC vergleichen.
Aber es geht nicht nur um die Kabine. Wichtig ist auf dem Platz. Wie haben Sie sich da in Ihrer zentralen Rolle im Mittelfeld nach den ersten Testspielen eingelebt?
Auch super. Die wollen dich alle hier weiterbringen, pushen einen, das Training ist intensiv, die Qualität ist sehr hoch. Es macht alles sehr viel Spaß. Alle ziehen mit, ob es in der Kabine ist, ob es auf dem Platz ist. Unfassbar. Also das hatte ich wirklich noch nie so. Das ist echt unglaublich.
Sie waren unumstrittener Stammspieler beim ASC 09. Und Sie hatten sicherlich auch Angebote von anderen Vereinen. Was hat Sie nach Rhynern gezogen? Und wie lange mussten Sie sich über diese Entscheidung Gedanken machen?
Stiepi war schon recht früh auf mich zugekommen und hatte gefragt, ob ich Bock darauf habe. Für mich war das eigentlich klar, dass ich eine neue Herausforderung suche. Die Option, dann weiter mit Stiepi zu arbeiten, war sehr verlockend. Er kennt mich als Mensch. Und ich hatte den besten Entwicklungsschub unter ihm. Und natürlich habe ich dann auch noch mit anderen Vereinen gesprochen, auch intensiver. Aber für mich war da am Ende die Klarheit, dass ich unter Stiepi spielen will. Weil es einfach so unfassbar viel Spaß gemacht hat. Und halt natürlich auch mit der Rhyneraner Mannschaft. Und dann habe ich auch früh zugesagt – zu einem Zeitpunkt, als noch gar nicht klar war, dass es in die Regionalliga geht.
Jetzt ist neben der Regionalliga noch das DFB-Pokal-Spiel gegen den Zweitligisten Dynamo Dresden dazugekommen. Sie haben anscheinend alles richtig gemacht?
Das ist unglaublich. Ich habe auch immer mitgefiebert, da bin ich ehrlich. Natürlich hab ich mein Bestes gegeben und alles versucht, dass der ASC aufsteigt. Natürlich habe ich auch rübergeguckt nach Rhynern. Dass wir jetzt auch noch im DFB-Pokal spielen, das ist schon wirklich ein Traum. Das wollen viele erreichen. Für mich war es schon immer ein Traum, Regionalliga zu spielen. Aber jetzt auch noch DFB-Pokal, das ist halt umso schöner.
Was trauen Sie Ihrer neuen Mannschaft in der Regionalliga zu?
Ich traue der Truppe viel zu. Unsere Trainer machen einen guten Job. Die sorgen dafür, dass alle an einem Strang ziehen. Die wollen, dass wir etwas Außergewöhnliches erreichen. Und so wie ich Stiepi kennengelernt habe mit dem Ehrgeiz, und der Art, wie er uns spielen lässt: Wir wollen nicht nur bunkern oder uns nur hinten reinstellen. Wir wollen anders sein, und ich traue uns viel zu. Also die Qualität auch in der Breite ist unglaublich bei uns. Da ist nicht ein Spieler, wo ich sage, der fällt irgendwie ab. Alle ziehen mit.
Jetzt geht es in Rhynern um die Plätze
Gleich zwei Testspiele hat Fußball-Regionalligist SV Westfalia Rhynern für das anstehende Wochenende vereinbart. Am Samstag empfängt das Team von Trainer Marco Stiepermann den ambitionierten Essener Niederrhein-Oberligisten SpVg Schonnebeck (14 Uhr), am Sonntag gastieren die Rhyneraner um 16 Uhr beim letztjährigen Oberliga-Konkurrenten TuS Ennepetal. „In diesen beiden Spielen wollen wir sehen, wie weit wir sind. Was ist bereits gut? Woran müssen wir noch arbeiten?“, sagt der Coach, der allerdings gleich auf sechs Akteure verzichten muss. Georges Baya Baya, Johannes Thiemann, Connor McLeod, Rafael Miguel Lopez Zapata und Bilal Alassane sind allesamt angeschlagen, Jaron Habekost befindet sich im Urlaub. Daher werden zwei Akteure aus der A-Jugend hochgezogen. „Einige Jungs werden dann an den beiden Tagen insgesamt mehr als 90 Minuten zum Einsatz kommen. Aber ich denke, wir bekommen das schon ganz gut aufgeteilt“, erklärt Stiepermann, der für die zwei Testpartien eine ganz klare Erwartung hat. „Gewisse Jungs sollen sich einspielen“, sagt er – und fügt hinzu: „Jetzt geht es um die Plätze, jeder kann und muss sich beweisen.“
Beeindruckend bei Ihnen ist Ihre Schusstechnik – egal, ob aus dem Spiel heraus oder bei Freistößen. Wie haben Sie dies gelernt?
Mein Bruder Tobias war in der Jugend vom TSC Eintracht Dortmund eine Mannschaft über mir. Da konnte ich mir immer seine Spiele angucken – und er hat die Freistöße reingehauen wie kein anderer. Und da dachte ich mir, warum probiere ich das nicht? Und dann war ich immer früher beim Training auf dem Platz mit einem Kollegen, mit dem ich da zusammen gespielt habe. Und dann habe ich mir das halt einfach antrainiert. Natürlich muss man auch immer das Vertrauen vom Trainer und von den Mitspielern bekommen. Ich soll schießen, schießen, schießen, schießen. Und das ist dann halt so gut geworden. Bei mir ist das so, dass sich der Ball zum Schluss senkt. Viele denken dann irgendwo, der Ball geht drüber, aber der hat dann nochmal so einen Drall nach unten. So ist das dann ein Überraschungseffekt.
Haben Sie noch Träume für den weiteren Verlauf Ihrer Karriere?
Auf jeden Fall den maximalen Erfolg. Ich bin mit meinen 26 Jahren ja auch schon ein etwas älterer Spieler. Aber ich würde halt behaupten, sag niemals nie. Bei Stiepi bekomme ich das nötige Vertrauen. Er spricht mir viel Mut zu, dass ich was drauf habe. In Deutschland ist das natürlich alles ein bisschen schwieriger. Ich würde halt ganz gerne versuchen, zu meinem Bruder zu wechseln nach Kanada. Tobias spielt seit Anfang 2024 als Stürmer bei Cavalry FC in der kanadischen Canadian Premier League. Da ist Fußball noch nicht so groß. Da ist halt so von der Qualität her so zwischen zweiter Bundesliga und schlechter Regionalliga. Und ich würde halt schon ganz gerne den Step dahin probieren. Ich versuche, jedes Spiel von meinem Bruder im Fernsehen zu sehen. Jetzt konnte ich ihn zum Glück das erste Mal live sehen. Und ich könnte, das glaube ich, da mithalten. Aber jetzt ist erst einmal Rhynern angesagt. Und darauf freue ich mich auch sehr.