Lindt & Sprüngli in der Krise: Macht es Ernst Tanner wie der Markenbotschafter Roger Federer – oder doch wie Simon Ammann?
Der Schokoladenkönig hätte die Möglichkeit gehabt, auf dem Höhepunkt abzutreten. Stattdessen hat der 80-Jährige die gegenwärtige Schieflage von Lindt & Sprüngli mitverschuldet.
04.10.2026, 05.30 Uhr
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Roger Federer und Ernst Tanner 2011 bei einem Marketing-Event: Die Tennislegende ist längst in Pension. Der 80-jährige Manager will noch bleiben.
Alexandra Wey / Photopress
Der Rücktritt ist der schwierigste Teil einer Karriere – eine Disziplin, mit der sich vor allem Erfolgsverwöhnte schwertun. Auch Ernst Tanner, der Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, hat den perfekten Zeitpunkt verpasst. Nach Jahrzehnten des Erfolgs ist der 80-Jährige nun mitverantwortlich dafür, dass der Schokoladenkonzern in eine unerwartete Krise geraten ist.
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Für Tanner ist das eine neue Erfahrung. Seit seinem Einstieg 1993 beim damals kriselnden Traditionsunternehmen ging es immer nur bergauf. Der Umsatz versiebenfachte sich auf fast 6 Milliarden Franken, der Börsenwert stieg noch stärker. Vor rund einem Jahr kostete die Namenaktie mehr als 130 000 Franken. An den Generalversammlungen wurde Tanner von den Aktionären deshalb lange wie ein Pop-Star verehrt.
An der kommenden GV dürfte die Stimmung im Kongresshaus Zürich weniger euphorisch sein. Die Anteilsscheine haben innert zwölf Monaten rund 40 Prozent an Wert verloren; die Namenaktie kostet nur noch 80 000 Franken.
Diese Woche musste die Konzernführung die Umsatzprognose zum zweiten Mal innert kurzer Zeit nach unten korrigieren. Das Unternehmen macht den Hitzesommer für die schwachen Zahlen verantwortlich. Doch die Probleme greifen tiefer: Lindt hat stark an der Preisspirale gedreht und viele Käufer vergrault. Nun haben Supermärkte für das Weihnachtsgeschäft weniger Schokolade bestellt als erwartet. Aus dieser Situation herauszukommen, dürfte schwierig werden.
Tanner, als exekutiver Verwaltungsratspräsident weiterhin eng ins operative Geschäft eingebunden, hat diesen Schlamassel mitverursacht. Er muss die Fehler jedoch nicht zwingend selbst ausbügeln. Vielleicht wäre er gut beraten, sich am Lindt-Markenbotschafter Roger Federer zu orientieren. Die Tennislegende schaffte den Abgang auf dem Höhepunkt zwar ebenfalls nicht – zwischen seinem letzten Grand-Slam-Titel 2018 und dem Rücktritt 2022 lagen vier Jahre voller Verletzungen und Niederlagen. Am Ende trat der Maestro dennoch in Würde ab.
Diese Möglichkeit bleibt Tanner trotz dem Dämpfer. Er muss jedoch aufpassen, nicht den Simon Ammann zu machen: Die Skisprung-Legende feierte den letzten Weltcup-Sieg vor zwölf Jahren – und hängt mit 44 Jahren trotzdem eine weitere Saison an.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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