Long Covid: Bessere Forschung, aber immer noch viele Betroffene

Long Covid Das zähe Leiden geht für viele Patienten weiter

Hunderttausende leiden in der Schweiz noch immer an Long Covid. Die Krankheit ist inzwischen besser erforscht – doch Diagnose und Behandlung bleiben schwierig.

09.08.2026, 16:41

«Zuhause aufräumen geht nicht mehr», sagt Chantal Britt. «Ich muss Prioritäten setzen: meinen Job behalten und für den Verein Long Covid Suisse arbeiten.»

Britt leidet unter körperlichen und mentalen Einschränkungen. So wie ihr oder ähnlich geht es vielen Menschen in der Schweiz, die von Long Covid betroffen sind.

«Man hat uns vergessen», sagt Chantal Britt

Genaue Zahlen gibt es nicht. Schätzungen gehen von rund 300'000 Betroffenen aus, der Verein Long Covid Suisse spricht von bis zu 450'000.

Mittlerweile sind einige physiologische Mechanismen besser erforscht. Die Diagnose bleibt aber schwierig, weil viele Beschwerden auch bei anderen Erkrankungen vorkommen.

Das öffentliche Interesse hat allerdings deutlich abgenommen. Eine Website des BAG zum Thema wurde zum Beispiel seit 2024 nicht mehr aktualisiert. Auch wurden mehrere spezialisierte Sprechstunden geschlossen, etwa am Zürcher Kinderspital. Die Nachfrage bleibt derweil bestehen, so auch beim Gesundheitszentrum Unisanté in Lausanne. Dort zog dieses Jahr auch eine Long-Covid-Konferenz überraschend über 400 Besucher an.

Menschen bei einer Versammlung im Freien, eine Person mit einem Schild auf dem Rücken.
Legende:

Irgendwann kommt der Crash, beschreibt der Experte die Ermüdung bei Long Covid: Demo auf dem Bundesplatz (17. Mai 2025).

KEYSTONE / Anthony Anex

«Eine Studie beschreibt mehr als 200 Symptome. Unglaublich, oder? Das ist möglich, weil alles über unser Nervensystem miteinander verbunden ist», sagt Christian von Plessen, leitender Arzt bei Unisanté in Lausanne und künftiger Leiter der Long-Covid-Sprechstunde.

Spezialist von Plessen erklärt die Ermüdung bei Long Covid:

Auch bei den Behandlungsmöglichkeiten gibt es bislang keine grundlegenden Durchbrüche. Die Betreuung konzentriert sich vor allem auf die Linderung von Symptomen und die Begleitung der Betroffenen. «Es ist wichtig, eine Beziehung aufzubauen, um den Patienten bestmöglich begleiten zu können», sagt von Plessen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verweist auf seine weiterhin gültigen Empfehlungen von 2023. Dazu gehört insbesondere das sogenannte Pacing. Dabei werden Aktivitäten dem jeweils verfügbaren Energieniveau angepasst, um Überlastungen und eine Verschlechterung des Gesundheitszustands zu vermeiden.

Nicht psychosomatisch

Dass Long Covid psychosomatisch sei, sei «ganz eindeutig falsch», betont von Plessen. Inzwischen gebe es zahlreiche wissenschaftliche Hinweise auf körperliche Ursachen.

Gleichzeitig könne die Krankheit erhebliche psychische Folgen haben. Der Verlust sozialer Kontakte, finanzielle Probleme oder die Unsicherheit über die Zukunft führten bei vielen Betroffenen zu Angstzuständen oder Depressionen. Deshalb wird häufig auch psychologische Unterstützung angeboten.

Viele erholen sich irgendwann

Auf der Suche nach Besserung greifen viele Betroffene auf alternative Behandlungsmethoden zurück. Manche investieren dafür Zehntausende Franken – oft ohne nachweisbaren Erfolg.

«Da es noch keine dokumentierte Behandlung gibt, probiert man vieles aus», sagt von Plessen. Gleichzeitig macht er Hoffnung: Die meisten Patientinnen und Patienten erholten sich mit der Zeit.

Laut einer Studie der Universität Zürich sind nach zwei Jahren noch 18 Prozent der Betroffenen krank. Von ihnen erleben rund zwei Drittel entweder eine weitere Verbesserung oder eine Stabilisierung ihres Zustands.

Das BAG arbeitet derzeit an einer neuen nationalen Strategie für Menschen mit Long Covid und dem chronischen Erschöpfungssyndrom ME/CFS. Ziel sei es, Betroffenen in der ganzen Schweiz einen möglichst gleichwertigen Zugang zur medizinischen Versorgung zu ermöglichen.

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