Lutz & Guggisberg: Diese Bücher sind alle erfunden - und machen umso mehr Spass
Das Künstlerduo Lutz & Guggisberg versammelt in einem Bildband Bücher aus Holz. Ihre Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit ist täuschen und herrlich absurd.
27.09.2026, 05.30 Uhr
2 Leseminuten

Knapp neben der Realität: Die Bücher spielen gekonnt mit bestehenden Werken.
Lutz & Guggisberg
Ende der 1990er Jahre beklebte das Schweizer Künstlerduo Lutz & Guggisberg ein Holzstück mit einem selbstgestalteten, fiktiven Buchumschlag. Es war der Anfang eines Projekts von Andres Lutz und Anders Guggisberg, das zwanzig Jahre in Anspruch nahm. Heute gibt es eine imaginäre Bibliothek mit rund 450 Holzbüchern. Vom Titel über Autor, Verlag, Cover und Klappentext – alles erfunden.
Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.

2020 ist der grossformatige Band «Vergleichende Komparatistik» erschienen, der die Bücher-Attrappen versammelt. Gegliedert ist er in 22 Kapitel: «Kinder kochen» heisst eines, «Spannung und Schockreporte» ein anderes, «Tiere, die dem Kaiser gehören» ein drittes. Absonderlich? Natürlich. Aber noch viel mehr.
Mit ungeheurem Ideenreichtum und hoher Sprachkunst zitieren und persiflieren die beiden Künstler mit ihren Büchern verschiedene Genres: Romane und Sachbücher, Lyrik, Krimis, Science-Fiction, Biografien, Kinderbücher, Kunstbände. Die Abweichung von «echten» Büchern ist unterschiedlich gross, manchmal auch kaum zu erkennen; die Holzbücher lehnen sich grafisch so stark an bestehende Werke an, dass zuerst der Wiedererkennungseffekt kommt, dann die Überraschung.

Knapp neben der Realität: Die Bücher spielen gekonnt mit bestehenden Werken.
Lutz & Guggisberg
Die leichte Verschiebung der Realität ins Absurde macht die Verblüffung aus, der raffinierte Nonsens die Komik. Während manche Werke wirklich entlegen sind, etwa «Wie stampfe ich in nützlicher Frist einen Themenpark aus dem Boden?», könnte der Wälzer «Das Déjà-vu im Spiegel der abendländischen Kulturgeschichte» genauso in einem Büchergestell verstauben wie der Bildband «Katzenbaumtiere in Aussersihl» von Emil Gut im Depot-Verlag.
Über die einzelnen Bücher kann man lachen oder staunen. Aber ihre schiere Fülle entfaltet eine zusätzliche Wirkung: Es ist ein Universum, das sich auftut, ein seltsames, abgründiges, komisches. Doch Achtung: Wer sich hineinwagt, kann nicht mehr aufhören, darin zu stöbern.
Lutz & Guggisberg: Vergleichende Komparatistik. Edizioni Periferia 2020. 520 Seiten.

Knapp neben der Realität: Die Bücher spielen gekonnt mit bestehenden Werken.
Lutz & Guggisberg
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
Passend zum Artikel


