Scharfsinnig erfasst die Autorin aus Gran Canaria den Alltag in einer Supermarktkette.
27.09.2026, 05.30 Uhr
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Meryem El Mehdati wurde 1991 in Marokko geboren und lebt auf Gran Canaria, seit sie zwei Monate alt ist. «Supersaurio» ist ihr Romandebüt.
Cecilia Díaz Betz
«Sauriolegen!», so begrüsst das Maskottchen der Supermarktkette Supersaurio auf den Kanarischen Inseln die Mitarbeitenden in einem Schulungsvideo. Meryem ist hier die neue Praktikantin der Compliance-Abteilung. Ein Glück, das weiss sie. Zwei Masterabschlüsse in Geisteswissenschaften sind auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade gefragt. Meryem El Mehdati hat mit «Supersaurio» das Äquivalent zur bitterbösen TV-Serie «The Office» für die Generation Praktikum geschrieben.
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«Der Trott packt mich an den Schultern und schiebt mich wie einen Automaten von einem Ort zum anderen.»

Da ist die toxische Chefin. Kollegen, mit denen Meryem nichts gemein hat. Sie weint in der Abstellkammer, an ein mottenzerfressenes Kostüm von Saurito gelehnt. Bemüht sich, «eine Doerin zu sein, keine Complainerin». Verliebt sich in einen Kollegen, doch es ist kompliziert. Und lacht bitter über all die kleinen, doch zermürbenden Unzumutbarkeiten. Neben den Mikroaggressionen im Job erlebt die Protagonistin noch weitere Diskriminierung: Ihre Eltern stammen aus Marokko, ihren Namen kann die Chefin einfach nicht korrekt aussprechen: «Mary Jane? Maryam?» Auch eine Kanarierin zu sein, ist in der Firmenhierarchie weniger wert, als vom spanischen Festland zu stammen.
El Mehdati pflegt einen locker-kreativen Umgang mit Sprache: «Der Trott packt mich an den Schultern und schiebt mich wie einen Automaten von einem Ort zum anderen.» «Supersaurio» ist der scharfsinnige und schmerzhaft komische Bericht einer jungen Frau, die ihren Platz in einer Welt sucht, die ihr für ihre Masterabschlüsse nur die Abstellkammer zu bieten hat.
Meryem El Mehdati: Supersaurio. Übersetzt von Johanna Schwering. Ecco 2026. 352 Seiten.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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