Putins neue Waffe
Ukraine bleiben wohl nur "fünf Monate", um zu reagieren
Aktualisiert am 16.09.2026 - 06:57 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Ukraine meldet den erfolgreichen Test einer neuen Drohnenabwehrwaffe. Doch diese könnte schon in wenigen Monaten wieder überholt sein.
Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj erfolgreich eine neue, selbst entwickelte Waffe zur Abwehr von Drohnen getestet. Bei einem Einsatz in der Nacht sei ein Treffer erzielt und eine Drohne vom Typ Shahed zerstört worden, sagte Selenskyj am Dienstag in seiner abendlichen Videoansprache. "Einige technische Details müssen jedoch noch verfeinert werden", erklärte er weiter. "Wir brauchen noch etwas mehr Zeit." Die Arbeit an weiteren Entwicklungen werde fortgesetzt.
Selenskyj zufolge wurden in der Nacht 93 Prozent aller russischen Drohnen abgefangen. "Das ist beachtlich. Aber natürlich wird mehr gebraucht", sagte er. Die Ukraine entwickelt seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 verstärkt eigene Technologien zur Drohnenabwehr und konzentriert sich dabei auf Abfangraketen als effizientes und günstigeres Mittel. Größere Schwierigkeiten haben die ukrainischen Streitkräfte jedoch bei der Abwehr russischer ballistischer Raketen und schneller, mit Strahltriebwerken ausgerüsteter Drohnen. Die Regierung in Kiew hat daher die westlichen Verbündeten um die Lieferung weiterer Abfangsysteme gebeten.
Drohnen: Neues Wettrüsten auf dem Schlachtfeld
Russland entwickelt derweil seine Arsenale an Angriffswaffen kontinuierlich weiter, wie unter anderem der "Kiyv Independent" berichtet. So haben Putins Truppen die ursprünglich vom Iran hergestellten und an den Kreml gelieferten Shahed-Drohnen selbstständig aufgerüstet und weiterentwickelt. Die unter der russischen Bezeichnung "Geran-3", "Geran-4" und "Geran-5" eingesetzten Drohnen berieten der ukrainischen Flugabwehr zunehmend Schwierigkeiten. Vor allem die Hauptstadt Kiew und die umliegenden Regionen wurden mit diesen Waffen von Russland zuletzt häufig ins Visier genommen.
Die Jet-Drohnen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 600 Kilometern pro Stunde, wodurch sie schwerer abzufangen sind als die früheren, mit Kolbenmotoren angetriebene "Shahed"-Varianten. Ihr Einsatz durch die russischen Streitkräfte hat in diesem Sommer stark zugenommen und sich innerhalb eines Monats – von Juni bis Juli 2026 – in etwa verfünffacht, wie ein Sprecher der ukrainischen Luftwaffe mitteilte. Ende August waren innerhalb von vier Tagen fast 800 jetgetriebene Drohnen in Richtung Ukraine gestartet, so der ukrainische Präsident Selenskyj.
Der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara erklärte, die Ukraine habe vier potenzielle Abwehrraketen gegen diese neuen Generationen russischer Shahed-Drohnen im Feld getestet, ohne jedoch anzugeben, welche Unternehmen die Waffen entwickeln oder wie weit die Projekte schon fortgeschritten sind.
Russen legen vor, Ukraine muss nachziehen
Anatolii Chraptschynskyj, stellvertretender Direktor eines Unternehmens für elektronische Kriegsführung und Reserveoffizier der Luftwaffe, sagte dem "Kyiv Independent", dass die Entwicklung eigener, jetgetriebener Abwehrdrohnen unter Hochdruck verlaufe, da die russischen Streitkräfte nach immer neuen nach Wegen suchten, die ukrainische Luftabwehr zu überwältigen.
Einer dieser Wege liegt wohl auch in kleinen Cruise-Missiles: wendige, tieffliegende Marschflugkörper, die für die gegnerische Luftabwehr extrem schwer zu verteidigen sind. Offenbar stehen die russischen Streitkräfte kurz vor der Einführung dieser neuen Angriffswaffe. So warnte der Militärexperte und Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Serhiy "Flash" Beskrestnow, am Dienstag in einem Interview mit dem Sender Radio NV, das Putin-Regime sei vielleicht "noch fünf oder sechs Monate" vom Einsatz dieser feststoffgetriebenen Marschflugkörper entfernt. Damit könne der Aggressor ukrainische Städte und Infrastruktur wirkungsvoll angreifen, heißt es.
"Auch die Russen wissen, dass wir nun über diese jetgetriebenen Abwehrraketen verfügen. Deshalb arbeiten sie derzeit an der Entwicklung der nächsten Generation und setzen auf kleine, kostengünstige Flügelraketen", so der Experte. Die bis zu 750 Kilometer pro Stunde schnelle Waffe würde dann die gerade erst erfolgte Neuentwicklung ukrainischer Abwehrdrohnen schon wieder obsolet machen – und die Ukraine müsste auf diese neue Bedrohung ihrerseits mit einer entsprechend leistungsfähigen Abwehrdrohne reagieren.