Niemand schreibt so bitterböse und amüsant wie Yasmina Reza

Niemand schreibt so bitterböse und amüsant wie Yasmina Reza

Die französische Autorin ist die Meisterin der Pointen. In ihrem berühmten Stück «Der Gott des Gemetzels» entfesselt Yasmina Reza eine Schlacht im Wohnzimmer.

Philipp Ramer27.09.2026, 05.30 Uhr

2 Leseminuten


Yasmina Reza gehört zu dem meistgespielten Dramatikerinnen der Gegenwart.

Yasmina Reza gehört zu dem meistgespielten Dramatikerinnen der Gegenwart.

Pascal Victor / Imago

Yasmina Reza, 1959 als Kind ungarisch-iranischer Eltern in Paris geboren, gehört mit ihren so bitterbösen wie amüsanten bürgerlichen Beziehungskomödien zu den meistgespielten Dramatikerinnen der Gegenwart. Ihr vielleicht turbulentestes, zweifellos erfolgreichstes Stück ist der abendfüllende Einakter «Der Gott des Gemetzels». 2006 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt, wurde es nicht zuletzt durch Roman Polanskis gelungene, starbesetzte Verfilmung (2011) bekannt.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Die Ausgangslage ist rasch erzählt: Zwei elfjährige Buben haben sich ge­prügelt, der eine hat dem anderen zwei Zähne ausgeschlagen. Die beiden Elternpaare treffen sich zu Kaffee und Kuchen, um ein klärendes Gespräch über den Vorfall zu führen. Man gibt sich respektvoll und versöhnlich, doch nach ersten Verstimmungen bei der Abfassung des Unfallberichts – war der Aggressor mit einem Stock «bewaffnet» oder «ausgestattet»? – läuft die Situation schon bald aus dem Ruder.

Nach und nach brechen zwischen den Anwesenden Konflikte um alle möglichen Themen in allen erdenklichen Konstellationen los, brodeln unterdrückte Frustrationen hoch, ja werden Schläge verteilt – es tobt die waschechte Wohnzimmerschlacht. Das Chaos sorgt für zahlreiche Pointen und komische Momente, etwa wenn sich die Mutter des Täters auf die im Wohnzimmer der Gegenpartei ausgelegten Kunstbände erbricht und diese dann verzweifelt versucht, dieselben mit Schwamm und Föhn zu reinigen.

Im Vordergrund freilich stehen die lebendigen, wirksam durchkomponierten, bei aller Groteskheit glaubwürdigen Dialoge, welche die «funny tragedy» (Reza) auch als Lesestück zum Vergnügen machen.

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels. Übersetzt von Frank Heibert u. Hinrich Schmidt-Henkel. Hanser 2018, 80 Seiten.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

Passend zum Artikel

Der Schriftsteller teilt kräftig aus gegen Hazel Brugger, Elfriede Jelinek und Molière. Sich selber? Lobt er.

Der Schauspieler Joachim Meyerhoff macht sein Leben zum Stoff eines wunderbaren Buches. Seine Komik ist präzis und ohne jede Schonung

Die Welt bietet derzeit wenig Anlass für Heiterkeit. Doch Literatur kann uns helfen, ihre kuriosen und absurden Seiten zu sehen. Diese 100 Bücher überraschen mit Humor, Witz und Ironie.