Stand: 08.08.2026, 19:00 Uhr
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Der Mieterbund NRW nennt eine klare Grenze, ab wann Wohnen zu teuer wird – und zeigt, was Mieter jetzt tun können. Eine Faustregel hilft.
Hamm – Steigende Mieten, hohe Nebenkosten, kaum bezahlbare Wohnungen: Für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen ist Wohnen zu einem der größten Posten im Haushaltsbudget geworden. Der Deutsche Mieterbund NRW nennt jetzt eine klare Faustregel, an der sich jeder orientieren kann – und macht deutlich, wo die eigentlichen Kostentreiber liegen.

Als bezahlbar gilt laut Mieterbund NRW eine Warmmiete, für die maximal ein Drittel des verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens aufgebracht werden muss. Wer mehr als diesen Anteil für Miete plus Nebenkosten ausgibt, zahlt nach dieser Definition zu viel gemessen an dem, was als sozial verträglich gilt.
Die Faustregel: Nicht mehr als ein Drittel des Einkommens
Ein Rechenbeispiel für alle Mieter in NRW: Bei einem verfügbaren Haushaltsnettoeinkommen von 2.400 Euro läge die Grenze bei rund 800 Euro Warmmiete im Monat. Wer diesen Wert deutlich überschreitet, hat wenig finanziellen Spielraum für andere Ausgaben – ein Zustand, den Fachleute als „Mietbelastung“ bezeichnen. Wichtig: Es geht um die Warmmiete, also Nettokaltmiete plus Betriebs- und Heizkosten – nicht nur um die Kaltmiete allein.
Nach Beobachtung des Mieterbunds NRW ist längst nicht mehr allein die Nettokaltmiete die größte Belastung für viele Haushalte. Vor allem stark gestiegene Betriebs- und Energiekosten treiben die gesamten Wohnkosten in die Höhe. Wer seine Wohnkosten senken will, sollte deshalb nicht nur auf die Kaltmiete schauen, sondern die komplette Nebenkostenabrechnung im Blick behalten. Was Mieter konkret prüfen können:
- Betriebskostenabrechnung genau kontrollieren – Nicht jede umgelegte Position ist automatisch korrekt. Fehler bei der Verteilung nach Wohnfläche oder Personenzahl kommen häufig vor.
- Heizkosten vergleichen – Wer deutlich mehr zahlt als vergleichbare Haushalte im selben Haus, sollte nachfragen oder die Abrechnung von einer Beratungsstelle prüfen lassen.
- Fristen im Blick behalten – Einsprüche gegen Nebenkostenabrechnungen sind nur innerhalb bestimmter Fristen möglich; meist zwölf Monate nach Zugang der Abrechnung.
- Beim örtlichen Mieterverein beraten lassen – Vereine wie der Mieterbund prüfen Abrechnungen und Mieterhöhungen für Mitglieder.
Warum wird bezahlbarer Wohnraum knapper?
Ein Grund für die wachsende Belastung: Der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland schrumpft nach Angaben des Mieterbunds jährlich um rund 40.000 Wohnungen. Sozialbindungen laufen nach einer bestimmten Zeit aus, neue geförderte Wohnungen entstehen aber nicht im gleichen Tempo nach. Das Ergebnis: Immer mehr Menschen konkurrieren um immer weniger preisgebundenen Wohnraum – mit spürbaren Folgen für die Mietpreise auch außerhalb des sozialen Wohnungsbaus.
Genau hier soll künftig eine neue, vom Bund geplante Wohnungsbaugesellschaft ansetzen: Sie soll zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum schaffen, vor allem in Regionen mit Wohnungsmangel – wie sie auch in vielen NRW-Ballungsräumen zu finden sind. Bis daraus tatsächlich neue Wohnungen entstehen, dürfte aber noch Zeit vergehen. Kurzfristig ändert sich für Mieter in NRW dadurch nichts.
Wer merkt, dass die eigene Warmmiete die Ein-Drittel-Grenze deutlich übersteigt, sollte trotzdem nicht untätig bleiben. Es gibt mehrere Stellschrauben, an denen Mieter in NRW drehen können:
- Wohngeld prüfen – Haushalte mit geringem Einkommen können einen Zuschuss zur Miete beim zuständigen Wohngeldamt beantragen. Der Anspruch hängt von Einkommen, Haushaltsgröße und Mietstufe der Kommune ab.
- Mietspiegel checken – Wer eine Neuvermietung plant oder eine Mieterhöhung erhalten hat, kann im örtlichen Mietspiegel nachsehen, ob die verlangte Miete im ortsüblichen Rahmen liegt.
- Mieterhöhungen prüfen lassen – Nicht jede Erhöhung ist rechtens. Örtliche Mietervereine oder Verbraucherzentralen prüfen Schreiben auf Formfehler und unzulässige Begründungen.
- Beratungsangebote der Kommunen nutzen – Viele Städte in NRW bieten kostenlose oder günstige Mietrechtsberatung an, teils auch spezialisierte Energie- und Nebenkostenberatung.
Wer sich unsicher ist, sollte sich also in jedem Fall professionelle Hilfe suchen. Eine zu hohe Miete kann ansonsten schnell zu ernsthaften wirtschaftlichen Problemen führen – wer früher handelt, entkommt eher der Schuldenfalle.