Nur vier Senioren nutzen Offenbacher Hitze-Telefon – Bedarf viel höher

Stand: 08.08.2026, 19:00 Uhr

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Ein Senior leidet unter der Mittagshitze im Freien. Warum er am besten ganz die Sonne meiden, erklären ihm die Mitarbeiter des Hitzetelefons.

Ein Senior leidet unter der Mittagshitze im Freien. Warum er am besten ganz die Sonne meiden sollte, erklären ihm die Mitarbeiter des Hitzetelefons. © IMAGO/Huchot-Boissier Patricia/ABACA

In Offenbach haben sich erst vier Senioren für das kostenlose Hitzetelefon des Seniorenrats angemeldet. Ehrenamtliche rufen vor Hitzewellen an und geben Tipps zu Trinkmenge, Lüften und kühlen Orten in der Stadt.

Offenbach – Es ist wohl nur ein kurzes Bauchgefühl, das den Passanten in der Bieber Straße vor wenigen Tagen beschleicht, als das Thermometer am frühen Morgen bereits 26 Grad anzeigt. Eine alte Frau steht an ein Regenrohr gelehnt, klammert sich mit einer Hand fest. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragt der Mann beherzt und mit fester Stimme nach. „Oh ja, mir ist furchtbar schwindlig“, haucht die Seniorin. Einen Arzt will sie aber nicht. „Es ist nur mein Kreislauf, würden Sie mich die zweihundert Meter bis zu meiner Haustür bringen?“ Am Ende geht der morgendliche Ausflug für die Seniorin gut aus. Dass ihr das nächste Mal jemand zur richtigen Zeit zur Hilfe eilt, ist eher unwahrscheinlich. „Es sind genau diese Fälle, die wir mit unserem Hitzetelefon erreichen wollen“, sagt Dr. Hans Rudolf Diefenbach, seines Zeichens stellvertretender Senioratsvorsitzender und Apotheker. „Und zwar bevor sie in eine solch gefährliche Situation kommen.“

Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) unterstreichen die Gefahr. In diesem Sommer wurden in Deutschland bis jetzt fast 10.000 Hitzetote registriert. Das geht aus dem letzten Wochenbericht des RKI hervor. Die Zahl ist schon jetzt höher als in jedem der letzten zehn Komplettjahre. Ältere Menschen sind laut RKI in besonderer Gefahr. Allein 7.880 der Todesopfer gehörten zur Altersgruppe ab 75 Jahren.

Dennoch haben sich in Offenbach bislang nur vier Seniorinnen für den kostenlosen Service des Seniorenrats angemeldet, der genau dieser Gefahr vorbeugen will – mit Informationen. Ob es nun daran liegt, dass der Telefonservice in der Stadt noch nicht bekannt genug ist, oder daran, dass viele Ältere aus falscher Bescheidenheit nur ungern Hilfe annehmen: Zu viele von ihnen haben sich noch nicht beim Gratis-Service angemeldet. Dieser sorgt dafür, dass betagte Bürger vor einer Hitzewelle initiativ von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Seniorenrats angerufen werden, um die persönliche Situation und das Verhalten bei Extremhitze durchzusprechen, damit erst gar keine Gefahr entsteht und sie gut durch die Hitzewellen kommen.

Das Hitzetelefon funktioniert unkompliziert: Diefenbach und sein Kollege, der Kinderarzt Dr. Matthias Gründler, sowie weitere ehrenamtliche Seniorenräte rufen vor einer großen Hitzewelle die angemeldeten Senioren initiativ an und warnen vor den hohen Temperaturen. „Bei dieser Gelegenheit prüfen wir grundsätzliche Dinge ab“, sagt Diefenbach. Etwa die richtige Lüfttechnik, um die Kühle in der Wohnung zu behalten. „Wir fragen aber auch, ob genug getrunken und luftige Kleidung getragen wird und ob Medikamente eingenommen werden.“ Im Zweifelsfall rate man zu einem Gespräch mit dem Arzt, informiere aber auch über kühle Orte, die Senioren bei allzu großer Hitze aufsuchen können, wie bestimmte Kirchen oder auch klimatisierte öffentliche Räume. Kurzum: Sie geben umsetzbare Tipps zur Hitzeprävention und vermitteln bei Bedarf weiterführende Hilfsangebote oder Ansprechpartner.

Diefenbach appelliert eindringlich an die Senioren der Stadt: „Es ist wichtig, dass man nur gut informiert in eine Hitzewelle hineingeht und weiß, wann es gefährlich wird.“ Erfahrungsgemäß würden viele Senioren ihre Gewohnheiten nicht hinterfragen. „Aber genau da lauert die Gefahr. Und außerdem ist ein solches Gespräch mit uns für den ein oder anderen auch eine nette Abwechslung.“

Einfach anmelden beim Hitzetelefon

Unter der Rufnummer 069/8065-2557 oder unter [email protected] können sich ältere Menschen ab sofort für das Hitzetelefon registrieren lassen. Für die Registrierung werden ein Anmeldeformular und eine Datenschutzerklärung verwendet. Diese Dokumente können nach Aufforderung per Post oder per E-Mail zugesendet werden. Alternativ sind sie auch direkt unter www.offenbach.de/Hitzetelefon zum Download verfügbar. Nachdem die Formulare unterschrieben an das Amt für Umwelt und Klima zurückgesendet wurden, werden Teilnehmende in eine Liste aufgenommen und dann bei Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes telefonisch von den Mitarbeitern der Hotline kontaktiert.