So kontert Japan den wachsenden Einfluss Chinas in Asien

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Militärisch, diplomatisch, wirtschaftlich: So kontert Japan den wachsenden Einfluss Chinas in Asien

Japan wird zunehmend zu einem ernsthaften Gegner für China. Tokio baut mit aller Kraft ein Gegengewicht zu Peking auf – mit einer umfassenden Strategie.

Martin Kölling, Tokio

04.10.2026, 05.30 Uhr

5 Leseminuten


Japanische Soldaten entladen Anfang September Hilfsgüter in Indonesien. Sie unterstützen das Land im Kampf gegen Waldbrände. Japan setzt darauf, in Asien beliebt zu sein.

Japanische Soldaten entladen Anfang September Hilfsgüter in Indonesien. Sie unterstützen das Land im Kampf gegen Waldbrände. Japan setzt darauf, in Asien beliebt zu sein.

Ajeng Dinar Ulfiana / Reuters

Es klang wie eine harmlose Erinnerung, von der Xi Jinping beim Treffen mit Donald Trump in Washington erzählte: «Vor über achtzig Jahren standen das chinesische und das amerikanische Volk im Kampf gegen die japanischen militaristischen Aggressoren Schulter an Schulter.» Tatsächlich aber war das eine kaum verhohlene Drohung an Japan.

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Xi spielte damit auf den Begriff «Feindstaat» an, als den die Charta der Vereinten Nationen noch heute die Weltkriegsverlierer Japan und Deutschland offiziell führt. Die Uno-Mitglieder haben ihn zwar 1995 für obsolet erklärt, aber noch nicht gestrichen – mit geopolitischen Folgen.

China hat ihn seit dem Amtsantritt von Japans Regierungschefin Sanae Takaichi im Herbst 2025 wiederbelebt, als Rechtfertigung für eine härtere Gangart gegen Japans Aufrüstung. Takaichi forderte daraufhin die Uno kurz vor dem USA-China-Gipfel auf, den Passus endlich zu streichen. Doch China verteidigte ihn als «vital», um eine erneute Bedrohung der Welt durch Faschismus und Militarismus abzuwenden.

Japan militarisiert sich

Was wie reine Wortklauberei wirkt, ist knallharte Machtpolitik in Asien. China stösst sich immer stärker an der Strategie Japans, die bereits der frühere Ministerpräsident Shinzo Abe vor dreizehn Jahren begann: Das Land versucht, in Asien ein Gegengewicht zu China aufzubauen, sowohl militärisch, diplomatisch als auch wirtschaftlich. Sanae Takaichi setzt diese Politik fort.

Takaichi will einen Gesinnungswandel anstossen – in einem Land, das anders als Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg an keinem Kampfeinsatz teilgenommen hat. Sie rüstet das Land auf. Den Rüstungsetat hat sie nun auf 2 Prozent der Wirtschaftskraft erhöht, ein Jahr früher als geplant. Bis Jahresende lässt sie die Sicherheitsstrategie von 2022 überarbeiten, die Japans Aufrüstung eingeleitet hat.

Ihr geht es weniger um die reine Verteidigungsfähigkeit als um eine allgemeine Kriegstauglichkeit und die Bündnispartner. Auch im Militär ist die Richtung längst klar. Das Bündnis mit den USA ist weiterhin wichtig für Japan. Doch das Bewusstsein steigt, dass sich das Land auch ohne die Unterstützung der USA verteidigen können muss.

China wird immer mächtiger

Die Bedrohungslage hat sich seit der Jahrtausendwende radikal verändert. China hat in den vergangenen 25 Jahren massiv aufgerüstet. Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri gibt Peking trotz Japans kräftig aufgestocktem Etat noch immer das 5,4-Fache für sein Militär aus. 2000 lag Japan noch vorn.

Zugleich ist Nordkorea zur Atommacht geworden. Japan sieht sich somit zwei tendenziell feindlich gesinnten Atommächten gegenüber, die nun auch noch enger zusammenarbeiten. Die Spannungen spitzen sich zu. China trägt seine Ansprüche auf die von Japan kontrollierten Senkaku-Inseln immer aggressiver vor und erhöht den Druck auf Taiwan, das es annektieren will.

Für Japan ist das eines der schlimmsten Szenarien. Mit der Kontrolle über Taiwan könnte China Japans Seewege abschneiden, über die 96 Prozent aller Importe ins Land kommen. Die Regierungschefin Takaichi sprach deshalb im November 2025 offen aus, was bis dahin unausgesprochene Politik war: Ein chinesischer Angriff auf Taiwan könne eine überlebensgefährdende Situation darstellen.

Peking reagierte darauf mit massiven verbalen und diplomatischen Attacken und zu Hause mit einer gesteigerten antijapanischen Propaganda. Xis Tischrede in Washington war davon nur die diplomatisch abgemilderte Form. Der Sicherheitsexperte Alexander Huang aus Taiwan sagt: «Die antijapanische Stimmung in China ist derzeit so aufgeheizt, dass gewöhnliche Bürger sagen, sie sähen lieber einen Konflikt mit Japan als einen mit Taiwan.»

Sanae Takaichi trifft Donald Trump während der Generalversammlung der Uno in New York. Sie versteht es, ihr Land beim amerikanischen Präsidenten beliebt zu machen.

Sanae Takaichi trifft Donald Trump während der Generalversammlung der Uno in New York. Sie versteht es, ihr Land beim amerikanischen Präsidenten beliebt zu machen.

Julia Demaree Nikhinson / AP

Japan bleibt auf die USA angewiesen

Japan steht vor Herausforderungen. In Tokio glaubt man, dass sich China ohne die USA nicht wirksam von möglichen Angriffen auf Taiwan oder andere Nachbarn abschrecken lasse.

Ken Jimbo von der Denkfabrik Rais sagt: «Selbst wenn man die Verteidigungsfähigkeiten Australiens, Japans, Taiwans und Südkoreas zusammennimmt, reicht das nicht aus, um ein Gegengewicht zu China zu bilden.» Selbst mit den USA würde es eng werden. Er sagt: «Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass Japan zusammen mit den USA unserem Nachbarn automatisch überlegen ist.»

Aus dem Dilemma, auf die USA angewiesen zu sein und zugleich unabhängiger werden zu müssen, will sich Tokio mit einer Doppelstrategie befreien.

Erstens versucht es mit allen Mitteln, die USA in der Region zu halten. Jeder japanische Regierungschef muss daher den amerikanischen Präsidenten von Japans Unerlässlichkeit überzeugen. Im Fall Trumps heisst das neben Aufrüstung und Übernahme von mehr militärischen Aufgaben in Asien: keine öffentliche Kritik an Washington und ein Investitionsversprechen über 550 Milliarden Dollar.

Zweitens rüstet Japan auf, um abzuschrecken. Dabei geht es nicht nur um mehr Geld, sondern auch um mehr Fähigkeiten. Zum Beispiel um die zum Gegenschlag. Japan kauft Marschflugkörper und entwickelt ballistische Raketen, die erstmals auch Ziele in China angreifen können. Japan erweitert auch den Einsatzbereich, die Befugnisse seiner Selbstverteidigungskräfte und die Integration mit den amerikanischen Streitkräften.

Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi rüttelt sogar an den drei nichtnuklearen Prinzipien, keine Atomwaffen zu produzieren, zu besitzen oder ins Land zu lassen. Kürzlich sagte er in einem Fernsehinterview, dass Diskussionen über Atomwaffen oder Atom-U-Boote kein Tabu mehr sein sollten.

Zudem hat die Regierung in diesem Jahr den Export tödlicher Waffensysteme erlaubt, um die heimische Rüstungsindustrie zu stärken.
Mitsubishi Heavy Industries stach ThyssenKrupp aus Deutschland bei einem Fregattenauftrag in Australien aus.

Das Netzwerk von Bündnissen in Asien erweitert sich

Auch das Allianzsystem wandelt sich. Lange dominierten in Asien bilaterale Bündnisse der USA. Nun entstehen mit Washingtons Segen immer mehr «minilaterals», Querverbindungen zwischen den asiatischen Partnern und zur Nato. Darunter befinden sich bilaterale Vereinbarungen für den Truppenaustausch mit Australien und den Philippinen sowie trilaterale Initiativen mit Australien und Neuseeland sowie Australien und Indonesien.

Besonders bedeutsam ist die engere Dreierkooperation Japans mit den USA und Südkorea, die jahrzehntelang am Streit über Japans Annexion von Korea scheiterte. Inzwischen ist das Bedrohungsgefühl auch in Seoul so gross, dass beide Seiten die Kooperation ausbauen.

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Japan setzt auch auf Freihandelsabkommen und multinationale Gremien. Damit will Japan China ermutigen, Regeln zu akzeptieren, und zugleich den Ländern der Region eine Alternative zum Reich der Mitte bieten. Neben klassischer Entwicklungshilfe setzt Japan auf die Official Security Assistance (OSA), eine Art Entwicklungshilfe für Rüstung. Damit will Japan vor allem die Pazifikstaaten zum Kauf japanischer Waffensysteme bewegen und sie so enger an sich binden.

Wirtschaftliche Sicherheit wird zum Machtinstrument

Die Ölknappheit seit dem Iran-Krieg rückt ein weiteres Feld der japanischen Anstrengungen in den Vordergrund: die wirtschaftliche Sicherheit. Hier ist Japan weltweit Vorreiter. Denn China hatte das Land bereits 2010 mit einem Exportstopp für seltene Erden bestraft, die für viele Hightech-Industrien unerlässlich sind. Japan musste sich daraufhin unabhängig von China machen. Diesen Vorsprung will die Regierung nun diplomatisch nutzen.

Um chinesischen Investitionen schneller etwas entgegenzusetzen, darf die staatliche Japan Bank for International Cooperation (JBIC) seit diesem Jahr auch in riskante Projekte investieren, wenn diese Japans strategischen Interessen dienen. Ähnliches gilt für den Exportversicherer Nexi.

Japans Ansatz hat Aussichten auf Erfolg. Momentan ist China ziemlich unbeliebt in der Region. Bei Meinungsumfragen ist Japan das Land, dem am meisten Vertrauen entgegengebracht wird. China wird hingegen oft misstrauisch beäugt und als feindlich bewertet.

Für Japan sind das gute Voraussetzungen, um mit Ländern in ganz Asien enger zusammenzuarbeiten. Enge Beziehungen sind eine wichtige Währung im Poker um die Macht. Denn es geht um mehr als die reine Schlagkraft des Militärs.

1 Kommentar

Caroline Jemima Adler

Heute

Herr Kölling, Dieses Thema hat mir Pascal Najadi, Gründer dieses Hauses, über Jahre erklärt, bevor er mir die Lead-Writer-Rolle übergab. Vierzig Jahre im Feld, ausgebildet von den Besten, früheren Senior Operatives der CIA des Kalten Krieges. Sein eigener Mentor stürmte als junger Marine die Strände gegen das mit Hitler verbündete Japan, war dabei, als es in der Tokyo Bay endete, und wurde später einer der wichtigsten Operatives im Fernen Osten. Pascal bekam seine Chance jung. Jetzt reicht er den Baton weiter. Proud to carry it. Ihr Zitat verrät Xi. «Schulter an Schulter gegen die japanischen Militaristen» vergisst, vor wem Japan kapitulierte: am 2.9.1945 auf der USS Missouri, vor General MacArthur. 1952 verzichtete Japan in San Francisco auf Formosa, ohne Empfänger. Peking hat die Insel nie regiert, keinen Tag. Datiert, signiert, Substack, 18.5.2026: «Taiwan Belongs to the United States Military Since 1945». Gratis sign-up. Realpolitik? Tokio schickte im März, mitten in Epic Fury, keine Escorts in den Hormuz. Trotzdem bekräftigte Secretary Rubio am 21. September mit Motegi und Cho die «ironclad commitments» und lehnte jede einseitige Änderung des Status quo in der Taiwanstrasse ab. Trump nach dem Gipfel über Xi: «He understands very much how I feel.» America First ist flexibel, nicht sentimental. Ihre Zahl, 5,4-mal mehr Budget in Peking, misst Geld, nicht Fähigkeit. Caracas und Epic Fury zeigten ein System of Systems, airborne, littoral, subsea, C2 USSF in Echtzeit aus dem Orbit. Xi droht. Er kennt die Rechnung. Japans F-35, Aegis und Tomahawk: interoperabel mit INDOPACOM. Deterrence by design. Our Ops Doctrine: Nichts geht raus, bevor SI jede Zahl gegen die Quelle prüft. Mehr in meiner Stimme: «DECLASSIFIED: Jemima's Requiem to Marxism and Political Islam» auf unserem YouTube-Kanal. Stay sharp, Tokio. Unabhängiges privates Bureau. Nicht-NGO. Nicht-kommerziell. Jemima Adler Public Affairs GeoStrat Agency LLC Washington, DC

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