Milligan gegen Schroeter: Stichwahl entscheidet am Sonntag

Stand: 29.08.2026, 06:30 Uhr

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Wer wird Bürgermeister der 15.000-Einwohner-Gemeinde Münster? Die Entscheidung fällt am Sonntag in der Stichwahl zwischen Marcus Milligan (unabhängig) und Jörg Schroeter (FDP).

Wer wird Bürgermeister der 15.000-Einwohner-Gemeinde Münster? Die Entscheidung fällt am Sonntag in der Stichwahl zwischen Marcus Milligan (unabhängig) und Jörg Schroeter (FDP). © Axel Haesler

Die 15.000-Einwohner-Gemeinde wählt am 30. August einen neuen Rathauschef. Marcus Milligan hatte den ersten Wahlgang mit 35,5 Prozent vor Jörg Schroeter mit 26,4 Prozent gewonnen.

Münster – Bürgermeisterwahl in Münster: An diesem Sonntag, 30. August, sucht die 15.000-Einwohner-Gemeinde in einer Stichwahl einen neuen Rathauschef. Qualifiziert haben sich dafür im ersten Wahlgang vor drei Wochen Marcus Milligan (unabhängig) und Jörg Schroeter (FDP). Milligan hatte den ersten Wahlgang mit 35,5 Prozent der Stimmen vor Schroeter (26,4) gewonnen. Auf den Plätzen folgten Denise Hast (CDU, 20,9), Claudia Weber (Grüne, 10,4), Jürgen Kreher (unabhängig, 5,9) und Sven Diehl (unabhängig, 0,9). Die Wahlbeteiligung lag bei 56,6 Prozent. Wir haben Milligan und Schroeter noch einmal befragt.

Ein langer Wahlkampf geht am Sonntagabend zu Ende. Egal wie’s ausgeht: Sind Sie froh, dass es dann vorbei ist?

Milligan: Kann man schon sagen. Vier bzw. fast fünf Monate mit Stichwahl sind für einen Wahlkampf keine besonders lange Zeit, dafür eine sehr intensive Zeit. Ich glaube, dass sich neben meiner Familie auch viele Menschen in Münster, Altheim und Breitefeld wieder auf andere Themen freuen. Das Interesse in den persönlichen Gesprächen war bis zuletzt ungebrochen. Besonders dankbar bin ich meinem Team, welches mich mit unterschiedlichen Charakteren, Sichtweisen und großem Einsatz während dieser Zeit begleitet hat.

Schroeter: Der Wahlkampf war lang: Mitte Mai ging es los und dann durch den ganzen Sommer. In dieser Zeit habe ich über 4.000 Haushalte im Ort besucht und sehr viele persönliche Gespräche geführt. Das war gleichermaßen wichtig wie anstrengend, aber ich durfte unglaublich viel über Münster, seine Bürgerinnen und Bürger, seine Vereine und das erfahren, was gut läuft und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Dieses Wissen und meine vielen Eindrücke nehme ich mit – unabhängig vom Ausgang der Stichwahl. Münster und seine Menschen sind liebenswert, daran gibt es für mich keinen Zweifel. Und dafür, besonders für den großen Zuspruch, den ich erfahren durfte, bin ich sehr dankbar.

Was ist der Unterschied, gegen nur noch einen Mitbewerber zu kämpfen als gegen fünf?

Milligan: Für mich hat sich wenig verändert. Anders wäre es gewesen, wenn es von Anfang an nur einen Mitbewerber gegeben hätte. Von Beginn an war mein Grundsatz, den Bürgerinnen und Bürgern mein Programm, meine Ideen und Ziele vorzustellen. Ich habe meinen Wahlkampf deshalb nicht an den Programmen oder Positionen anderer Bewerberinnen und Bewerber ausgerichtet, sondern an meinen Vorstellungen für die Zukunft unserer Gemeinde.

Schroeter: Für mich war das eigentlich kein Unterschied. Ich bin in diesem Wahlkampf immer bei mir und meinen Themen geblieben. Herabwürdigungen oder persönliche Angriffe auf meine Mitbewerber waren und sind mir fremd. Mir ist es wichtig, mich, meine Erfahrung und meine Ideen zu präsentieren. Den Vergleich habe ich den Menschen überlassen, mit denen ich gesprochen habe, die meine Beiträge gelesen oder meine Reels gesehen haben. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, wem er sein Vertrauen schenkt.

Was nehmen Sie mit aus dem Wahlkampf mit den anderen Bewerbern und den Begegnungen mit den Wählern?

Milligan: Die vielen Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern. Diese waren sehr wertvoll und bereichernd. Dabei lernte ich weitere Sichtweisen kennen, eigene Positionen noch mal zu hinterfragen und dadurch ein umfassenderes Bild vieler Themen zu bekommen. Es sind zahlreiche Anregungen, Ideen und auch konkrete Unterstützungen zustande gekommen, die ich gerne in meine zukünftige Arbeit aufnehmen möchte. Die Begegnungen mit den Bewerberinnen und Bewerbern habe ich immer als fair und respektvoll erlebt.

Schroeter: Ich nehme vor allem eines mit: Münster ist eine Gemeinde mit engagierten und sehr unterschiedlichen Menschen, die sich für ihre Heimat interessieren und hier etwas bewegen wollen. Die vielen Gespräche haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, zuzuhören und unterschiedliche Sichtweisen ernst zu nehmen. Auch im Wettbewerb mit den anderen Bewerbern habe ich erlebt, dass man politisch unterschiedlicher Meinung sein kann und trotzdem respektvoll miteinander umgehen sollte. Das ist auch ein wichtiges Zeichen in Zeiten politisch zugespitzter Debatten. Für mich nehme ich viele Anregungen mit, die mich auch künftig begleiten und in meine politische Arbeit einfließen werden.

Noch einmal die wichtigsten Münsterer Themen mit der Bitte um eine Stellungnahme. Los geht‘s mit der Gewerbesteuer.

Milligan: Bei der Gewerbesteuer haben wir noch Potenzial. Mein Ansatz ist dabei nicht, den Hebesatz zu erhöhen, sondern die Basis zu stärken: bestehende Unternehmen bei Erweiterungen unterstützen, neue Firmen gewinnen und geeignete Flächen entwickeln. Meine Pläne wären hier, das Frankenbach-Gelände möglichst schnell zu entwickeln, ein aktives Flächenmanagement für Gewerbeflächen und in der Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein eine noch bessere Vernetzung der lokalen Anbieter zu erreichen.

Schroeter: Münster braucht mehr Gewerbesteuereinnahmen – aber nicht durch höhere Steuersätze, sondern durch die Ansiedlung neuer und die Stärkung bestehender Unternehmen. Deshalb müssen wir Gewerbeflächen entwickeln, Verfahren beschleunigen und Unternehmen aktiv begleiten. Solange wir nicht gezwungen sind, den Gewerbesteuerhebesatz zu erhöhen, lehne ich eine Erhöhung ab. Höhere Steuern machen unseren Standort nicht attraktiver. Die Entscheidung darüber liegt aber ohnehin bei der Gemeindevertretung. Mein Ziel ist, die Einnahmen durch wirtschaftliches Wachstum zu stärken und damit dauerhaft mehr finanziellen Spielraum für Münster zu schaffen.

Hallenbad?

Milligan: Hier stehe ich hinter dem Anfang 2025 vorgestellten Konzept aus Hotel, Schwimmbad und Wohnungen. Es bietet aus meiner Sicht eine gute Grundlage, insbesondere, weil dadurch wieder ein Schwimmangebot für Familien, Schulen und Vereine entstehen könnte, ohne dass die Gemeinde selbst ein solches Großprojekt finanzieren müsste. Es soll inzwischen einen weiteren Interessenten für die Fläche geben. Da mir hierzu keine belastbaren Informationen vorliegen, kann ich dazu nichts sagen.

Schroeter: Das Hallenbad ist für viele Münsterer ein wichtiges Stück Lebensqualität. Deshalb möchte ich noch einmal jeden Stein umdrehen und einen Investor suchen, der eine plausible Lösung entwickelt. Für die Kommune darf das keinen finanziellen Kraftakt bedeuten, dafür haben wir keinen Spielraum. Zuvorderst kommt es aber auf die Seriosität des Investors an. Dazu gehören eine sorgfältige Prüfung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse, Referenzobjekte und belastbare Empfehlungen. Sollte sich kein tragfähiges Konzept realisieren lassen, möchte ich stattdessen ein attraktives Wohnquartier entwickeln. Entscheidend ist eine gute und finanzierbare Zukunftslösung für das Gelände.

Frankenbach-Gelände?

Milligan: Das Frankenbach-Gelände ist für die weitere Entwicklung unseres lokalen Gewerbes essenziell. In den vergangenen Wochen habe ich mit mehreren Unternehmen gesprochen, die konkret nach Erweiterungsflächen suchen. Wir sollten hier möglichst schnell Angebote schaffen, um diese Unternehmen und damit Arbeitsplätze im Ort zu halten. Auf dem Gelände können wir aus meiner Sicht die Bedarfe der nächsten Zeit decken.

Schroeter: Das Frankenbachgelände ist eine große Chance für Münster – vor allem mit Blick auf neue Arbeitsplätze und zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen. Entscheidend ist deshalb, zunächst genau zu prüfen, welche Unternehmen und Nutzungen auf dem Gelände tatsächlich realistisch sind. Als Bürgermeister möchte ich die Entwicklung aktiv vorantreiben, Gespräche mit möglichen Unternehmen führen und gute Ansiedlungen begleiten. Wenn wir hier erfolgreich sind, kann das Gelände einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Zukunft Münsters leisten.

Keine Mehrheiten in der Gemeindevertretung?

Milligan: Das ist richtig. Allerdings gab es auch in der vergangenen Wahlperiode über längere Zeit keine feste Mehrheit in dem Gremium. Aus meiner Tätigkeit in der Gemeindevertretung und als deren Vorsitzender weiß ich, dass kommunalpolitische Zusammenarbeit trotzdem funktionieren kann. Alle Mandatsträger in Münster tragen Verantwortung für unsere Gemeinde. Daher ist mir eine sachliche Zusammenarbeit mit allen Fraktionen und den fraktionslosen Mitgliedern der Gemeindevertretung wichtig. Entscheidend sollte nicht sein, von wem ein guter Vorschlag kommt, sondern ob er Münster, Altheim und Breitefeld voranbringt.

Schroeter: Schon in der vergangenen Legislaturperiode gab es keine klaren Mehrheiten. Mit nun fünf Fraktionen und drei unabhängigen Gemeindevertretern wird es sicher nicht einfacher. Deshalb muss ein Bürgermeister noch stärker das Gespräch mit allen Gemeindevertretern suchen und für seine Vorhaben Mehrheiten gewinnen. Ich sehe darin aber auch eine Chance: Argumente müssen überzeugen, Diskussionen in den Ausschüssen und im Gemeindevorstand werden intensiver, und Entscheidungen werden breiter getragen. Ich werde dabei meine Überzeugungen nicht aufgeben, aber offen für gute Argumente sein. Denn wenn es einfach wäre, bräuchte es mich nicht.

Die Fragen stellte Ralf Enders