Missbrauch von Smart Glasses: Meta sperrt Kamerafunktion bei Tausenden Nutzern

Meta verschärft das Vorgehen gegen Nutzer, die die Smart Glasses des Herstellers missbrauchen. Der Konzern gab diese Woche bekannt, die Kamerafunktion zu deaktivieren, wenn die Brille physische Manipulationen an der Aufnahme-LED erkennt. Sie ist ein zentraler Bestandteil von Metas Datenschutzkonzept und soll Umstehenden signalisieren, dass aufgenommen wird.

Die Kamerasperre bleibt so lange bestehen, bis die LED wieder funktionsfähig ist. Für Nutzer, die die LED in irreversibler Weise beeinträchtigt oder zerstört haben, bedeutet das den dauerhaften Verlust der Kamerafunktion. Meta schätzt, dass weniger als 0,1 Prozent aller verkauften Brillen in dieser Weise manipuliert worden seien. Bei mittlerweile wohl mehreren Millionen verkauften Geräten dürften davon mehrere Tausend Brillen betroffen sein.

In den Monaten zuvor hatten US-Medien berichtet, dass im Netz dubiose Dienste entstanden seien, die die LED gegen Bezahlung dauerhaft deaktivieren. Meta hat nach eigenen Angaben Tausende Anzeigen für solche Dienste von seinen Plattformen entfernt und rechtliche Schritte gegen entsprechende Anbieter angedroht. Einige dieser Dienste sind seither offline gegangen.

Ein „Katz-und-Maus-Spiel“ um die Aufnahme-LED

Die Erkennung physischer Manipulation wurde mit einem im Juli angekündigten Software-Update eingeführt. Eine separate Schutzfunktion gegen das bloße Abdecken der LED gab es schon zuvor: Erkennt die Brille, dass die LED verdeckt ist, können Nutzer keine Aufnahme starten oder Fotos machen. Vor Kurzem kündigte Metas Wearables-Chef Alex Himel auf Threads an, ein weiteres Schlupfloch zu schließen: Künftig soll die Kamera auch dann abschalten, wenn die LED während einer laufenden Aufnahme verdeckt wird.

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Die Maßnahme zeigt, wie hartnäckig das Problem ist und wie findig jene, die die Schutzmaßnahmen zu umgehen versuchen. „Es ist ein wenig wie ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagt Himel zu Semafor. Er glaube nicht, dass Meta damit jemals ganz fertig sein werde, da es immer neue Wege gebe, die bestehenden Schutzmaßnahmen zu umgehen.

Bundesnetzagentur hält Verbot für unnötig

In sozialen Netzwerken und Medien haben sich zunehmend Begriffe wie „Pervert Glasses“ und „Spannerbrillen“ für Metas Smart Glasses etabliert. Beide Ausdrücke verharmlosen, worum es tatsächlich geht: Meist sind es Männer, die gezielt und wiederholt Frauen ansprechen, sie dabei heimlich filmen und die Aufnahmen anschließend in sozialen Netzwerken verbreiten. Ein Straftatbestand, gegen den sich Betroffene nur schwer wehren können und der traumatische Folgen für sie haben kann.

Als Reaktion darauf gibt es inzwischen Forderungen nach einem Verbot der Smart Glasses. Die dafür zuständige Bundesnetzagentur sieht derzeit jedoch keinen Handlungsbedarf: Sie hält die Aufnahme-LED als Hinweis auf aktive Aufnahmen im Sinne von § 8 TDDDG für ausreichend.

Dieser Umstand und der zunehmend schlechte Ruf der Smart Glasses erklären, warum Meta so großen Aufwand betreibt, um die Funktionsfähigkeit der LED sicherzustellen. Allerdings schützt auch eine aktive LED nicht zuverlässig vor heimlichen Aufnahmen: Viele Menschen wissen noch immer nicht, dass es ganz gewöhnlich aussehende Brillen mit Minikamera gibt oder sie sehen die LED schlicht nicht.

Meta nimmt Abstand von Gesichtserkennung

Meta geht derweil auch gegen entsprechende Videos vor: Der Konzern entfernt laut eigenen Angaben regelwidrige Beiträge auf seinen Plattformen, sperrt bei wiederholten Verstößen Konten und blockiert einschlägige Suchbegriffe und Hashtags. Die Videos dürften sich dennoch nur schwer eindämmen lassen, zumal solche Inhalte auch auf anderen Plattformen wie YouTube und TikTok kursieren.

Auf Schadensbegrenzung bedacht, rudert Meta offenbar auch beim Thema Gesichtserkennung ein Stück zurück. Hieß es früher noch, dass über eine mögliche Einführung noch keine Entscheidung gefallen sei, sagt Himel nun, Gesichtserkennung sei derzeit nichts, woran Meta arbeite. Eine Einführung zu einem späteren, günstigeren Zeitpunkt ist damit freilich nicht ausgeschlossen.

(tobe)