Mit falschem Bankmitarbeiter-Ausweis: 29-Jähriger ergaunert 16.500 Euro

Stand: 13.10.2026, 08:00 Uhr

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Ein 29-jährigen Kasseler steht vor Kasseler Gericht wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges in fünf Fällen. Der Angeklagte soll auch an der Sparda-Bank in Vellmar sein Unwesen getrieben haben.

Auch an der Sparda-Bank in Vellmar hat der 29-Jährige sein Unwesen getrieben. 4000 Euro holte er hier vom Konto einer 78-jährigen Vellmarerin ab. © Kassandra Kreß

Ein Kasseler soll vier Seniorinnen mit einer Betrugsmasche um insgesamt 16.500 Euro gebracht haben. Das Urteil soll am kommenden Dienstag fallen.

Kassel – Mit einer dreisten Masche soll ein Betrüger-Team ältere Menschen in Nordhessen um insgesamt 16.500 Euro gebracht haben. Die Täter sollen ihren Opfern Probleme mit dem Bankkonto vorgegaukelt haben, ihnen die Geheimzahl entlockt, die EC‑Karten abgeräumt und schließlich mehrere Tausend Euro von den Konten der Senioren abgehoben haben. Einer der Hauptverantwortlichen, ein 29‑Jähriger aus Kassel, muss sich dafür nun vor dem Landgericht Kassel verantworten. Nach der gestrigen Beweisaufnahme soll am kommenden Dienstag das Urteil gesprochen werden.

Vorgeworfen wird dem Angeklagten, in der Zeit von Januar bis März dieses Jahres in Vellmar, Guxhagen, Felsberg und Melsungen ältere Frauen finanziell geschädigt zu haben. Der Kasseler soll in einer Betrügergruppe als „Abholer“ fungiert haben. Er hatte die Aufgabe, sich als Bankmitarbeiter auszugeben und EC-Karten von Senioren in ihren Wohnungen entgegenzunehmen.

Wie man vor Gericht von den vier geschädigten Frauen erfahren konnte, war die Masche der Betrüger fast immer gleich. So nahm zuerst ein Täter aus der Türkei, der sich als Bankmitarbeiter Lorenz Sternenhimmel ausgab, telefonisch Kontakt mit den älteren Leuten auf und warnte sie vor ungewöhnlichen Bewegungen auf ihren Konten. Als Nächstes wurden sie verunsichert und so sehr unter Druck gesetzt, dass sie die Zugangsdaten zu ihren Konten preisgaben. Dann kam der 29-Jährige ins Spiel: Er verschaffte sich mittels eines gefälschten Bankmitarbeiter-Ausweises Zutritt zu den Wohnungen, erschlich sich so das Vertrauen der Seniorinnen und nahm dann die EC‑Karten entgegen.

Geschädigt wurden vier ältere Damen im Alter zwischen 78 und 86 Jahren, denen Summen zwischen 2500 und 5000 Euro gestohlen wurden. Sie alle hatten nach dem Besuch des seltsamen Bankmitarbeiters noch versucht, ihre Bankkarten sperren zu lassen, doch die Betrüger waren stets schneller. Auch bei einer 82‑jährigen Felsberger hatte die Gauner-Gruppe ihr Glück versucht, doch kurz vor der Übergabe der Bankkarte wurde sie misstrauisch, fragte ihn, ob er „so was wie den Enkeltrick“ vorhabe, und schickte ihn weg.

Vor Gericht bekannte sich der 29-Jährige schuldig. Er erzählte, dass er drogenabhängig gewesen sei und Schulden von knapp 1000 Euro gehabt hatte. Deshalb sei er auf ein Angebot eines Mannes aus der Türkei eingegangen, der ihn über die Plattform Instagram kontaktiert hatte. „Er fragte mich, ob ich einen Abholdienst übernehmen und damit Geld verdienen möchte.“ Eigentlich habe er nach den ersten Taten mit der Betrugsmasche aufhören wollen, sei aber von dem Mann in der Türkei erpresst worden. „Er wollte mich an die Polizei verpfeifen.“ Für seine Dienste bekam der Abholer Summen um die 1000 Euro.

Die Senioren-Abzocke endete für den 29-Jährigen Anfang März. Bei einer Verkehrskontrolle an der Kasseler Gartenstraße fiel auf, dass gegen ihn ein Untersuchungshaftbefehl vorliegt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.