Trotz Warnanlage: Wie gut ist die Münstgener Brücke gesichert?

Radar soll Gefahr erkennen, bevor sie entsteht

Schon vor Betreten der Brücke werden Fußgänger mit großen Schildern gewarnt. "Achtung Lebensgefahr! Betreten verboten! Dieser Bereich wird von der Polizei überwacht" steht darauf, außerdem zwei Telefonnummern der Telefonseelsorge. Wer trotzdem weitergeht, hört über Lautsprecher eine weitere Warnung. Auch die Notfallleitstelle der Deutschen Bahn wird informiert.

Darüber hinaus sollte automatisch eine Information an die Bundespolizei und Feuerwehr rausgehen. Auf WDR-Anfrage bestätigt die Bahn, dass an dieser Funktion derzeit gearbeitet wird. In Kürze solle sowohl der Fahrdienstleister in Remnscheid gewarnt werden, damit die Gleise direkt gesperrt werden können, als auch die Behörden informiert werden. Ein Bahnsprecher betont aber auch, dass die Anlage offizielle Kommunikationswege mit Polizei und Feuerwehr weder ersetzen könne noch dürfe.

Müngstener Brücke: Ort mit dringendem Bedarf an Suizidprävention

"Die bisherige Technik bietet offensichtlich keinen ausreichenden Schutz", resümiert Stefan Böhm in seinem offenen Brief an die Deutsche Bahn, sowie an die Oberbürgermeister von Solingen und Remscheid - die Städte, die durch die Müngstener Brücke miteinander verbunden werden. Er verlangt "eine öffentliche Stellungnahme und das Aufzeigen konkreter Lösungswege".

Bündnis "Suizidprävention Müngstener Brücke" fordert weitergehende Maßnahmen

In den vergangenen Jahren waren Schutzmaßnahmen rund um die Brücke immer wieder Thema. Vor einem guten Jahr hatte sich eigens das Bündnis "Suizidprävention Müngstener Brücke" gegründet.

Die Verantwortlichen wünschen sich nach wie vor weitergehende Maßnahmen, zum Beispiel Auffangnetze ähnlich derer an der Golden-Gate-Bridge in den USA. Nach den jüngsten Ereignissen sehen sie sich in ihrer Skepsis bestätigt.

Sorge auch über unbeteiligte Menschen

Stefan Böhm, ebenfalls Mitglied im Bündnis, sorgt sich außerdem, dass irgendwann auch Unbeteiligte verletzt oder sogar getötet werden könnten. "Da führt ja ein Weg unter der Brücke entlang. Auf der Wiese unter der Brücke picknicken Familien. Da muss nur mal jemand am helligten Tag springen.“

Die Deutsche Bahn betont auf WDR-Anfrage, dass solche Auffangnetze "aus Gründen der Statik, der Windlasten und der Wartung der Brücke" nicht möglich seien. Auf Remscheider Seite sei allerdings schon ein Zaun errichtet, der noch diesen Monat auch auf Solinger Seite der Brücke aufgestellt werden soll.

Die Städte Remscheid und Solingen haben am Dienstagabend (11. August) mit einer Pressemitteilung reagiert. Darin heißt es, die Städte würden den offenen Brief "sehr ernst" nehmen. Den Oberbürgermeistern Flemm und Wolf sei die gemeinsame Verbesserung der Prävention vor Ort ein "tiefes, persönliches Anlegen". Daher begrüße man ausdrücklich, dass die Bahn ihre Schutznahmen weiterentwickle.