Katastrophe im Himalaya Hilfe für die jüngsten Opfer der Sturzflut
Stand: 31.08.2026 • 07:50 Uhr
Die verheerende Flut in Nepal und Tibet hat mehr als 900 Menschen getötet. Die Überlebenden stehen meist vor dem Nichts - darunter auch viele Kinder. Ihre Rettung verlief dramatisch. Wie geht es für sie weiter?
Von einer Sekunde auf die andere war Ajay Tamangs Leben nicht mehr dasselbe: "Die Flut kam wie eine Explosion, wie eine Bombe. Sie geschah völlig unerwartet, und die Wucht war noch gewaltiger als bei einem Erdbeben."
Es gebe kaum jemanden, dessen Familie noch komplett sei. Jeder trauere um ein Familienmitglied, das er verloren habe, sagt Ajay Tamang. Der 23-Jährige will nicht weiter über die Sturzflut sprechen, es ist zu schmerzhaft. Seine Frau und viele andere Angehörige starben. Von seinen 17 Familienmitgliedern seien nur noch sechs übrig.
Ajay Tamang ist jetzt alleinerziehend. Sein dreijähriger Sohn spielt Ball, klettert auf den Motorroller seines Vaters, umgeben von anderen Kindern, die ebenfalls einen oder sogar beide Elternteile verloren haben.
Zahl der Toten auf mehr als 900 gestiegen
Nach den Sturzfluten in der Himalaya-Region ist die Zahl der Toten nach Behördenangaben auf mehr als 900 gestiegen. Mehr als 4.200 Menschen gelten noch als vermisst, darunter knapp 600 ausländische Staatsbürger. In den Katastrophengebieten seien die Rettungseinsätze verstärkt worden, teilte der nepalesische Militärsprecher Raja Ram Basnet mit.
Fast die Hälfte der Heimbewohner sind Kinder
Mehr als 90 Menschen, 48 davon Kinder, leben in diesem improvisierten Heim, das Gautam Man Singh spontan mit anderen Dorfbewohnern in der Trishuli-Region von Nepal eingerichtet hat.
Der 58-Jährige hörte von Schulkindern, die die Katastrophe zwar überlebt hatten, aber gestrandet waren. Nach der Flut hätten sich die Kinder ihren Weg bergauf durch den Wald gebahnt. Dort gab es weder Straßen noch Pfade, erzählt Gautam Man Singh. "Sie wanderten weiter, auch mit Älteren, aber wir konnten sie dort noch nicht retten. Die Regenfälle waren zu heftig und es gab keinen Weg mehr." Schließlich hätten die Kinder ein Dorf mit einer Verwaltung erreicht. "Dorthin konnten wir mit einem Lastwagen fahren und sie hierher in Sicherheit bringen."
Ein Hauch von Normalität
Nun werden sie hier versorgt. Erst hat die Gemeinschaft das alleine gestemmt, schnell kam Unterstützung von Hilfsorganisationen dazu. So bekommen die Kinder Spielzeug, Kleidung, eine Idee von Normalität und Stabilität - das Wichtigste in Krisensituationen.
Einige der Familien und Gemeinschaften waren schon durch das Erdbeben von 2015 erschüttert worden, mussten ihre Heimat verlassen und versuchen, neu anzufangen.
"Kindern sollte stets Vorrang eingeräumt werden, doch leider stammen diese Kinder aus einigen der abgelegensten und am meisten benachteiligten Gemeinschaften. Jetzt ist ihre Zukunft noch ungewisser", befürchtet Gautam Man Singh.
Die Sturzflut kam auf dem Weg zur Schule
Viele dieser Kinder waren auf dem Weg zur Schule, als am Mittwochmorgen die Sturzflut aus dem Himalaya hinabraste. In dem Dorf, in dem Ajay Tamang mit seiner Familie lebte, hatten sich 150 Kinder auf den Weg gemacht, in zwei Bussen. Der erste Bus kam durch, der zweite wurde von der Welle davongerissen.
Ajay Tamang war Zuhause, nahm seinen Sohn und floh durch unwegsames Gelände, bis Lkw sie mitnahmen und sie schließlich in diesem Heim landeten. Sein Sohn verstehe nicht, was wirklich geschehen sei. Jeden Abend suche er seine Mutter.
"Ich möchte nicht, dass er schon die Wahrheit erfährt. Ich möchte nur, dass er eine besseres Leben hat, als das, was wir erlebt haben", sagt Ajay Tamang. Sein Sohn blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Aber immerhin nicht allein.