„Madrid hat einen Mega-Magneten geschaffen“ – Österreich warnt vor dem nächsten Ansturm auf Ceuta

Nächster Migranten-Ansturm im August? Österreich warnt – Spanien hat „Mega-Magneten“ geschaffen

Stand: 06.08.2026, 18:48 Uhr

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Nach dem Massenansturm auf Ceuta wächst die Sorge vor einem neuen Versuch. Österreich sieht die Ursache auch in falschen Anreizen aus Madrid.

Wien – Mehr als 70.000 Migranten drängten vergangene Woche auf die spanische Exklave Ceuta. Viele der Menschen kamen schwimmend über das Meer. Als Hauptgrund gelten Falschinformationen in sozialen Medien. Laut EU-Kommission hatten aber auch russische Informationskanäle den Ansturm verstärkt. Zudem sollen Menschenhändler und Schlepper die Lage für ihre Zwecke genutzt haben. Zuletzt berichteten spanische Medien wie El País über neue Aufrufe in sozialen Netzwerken. Darin werden Menschen dazu aufgefordert, am 15. August erneut zu versuchen, nach Ceuta zu gelangen.

Die Lage in Ceuta hat sich immer noch nicht beruhigt.

Migranten auf Ceuta (Archivbild). © picture alliance/dpa/AP | Antonio Sempere

Die Guardia Civil bestätigte, dass es solche Aufrufe gebe. „Wir sehen uns am 15. dort“, zitierte etwa El País aus den sozialen Medien. Die österreichische Europa- und Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) forderte angesichts dessen mehr Wachsamkeit von Spanien. „Die aktuellen Aufrufe für den 15. August zeigen, dass diese gefährliche Dynamik nicht vorbei ist. Spanien muss angesichts der Berichte eines neuerlichen Sturms umgehend den Grenzschutz in seinen afrikanischen Exklaven massiv aufrüsten und garantieren, dass er dieses Mal auch hält.“ Zudem machte sie Madrid massive Vorwürfe.

Vorwürfe einer österreichischen Ministerin an Madrid

Die linksgerichtete spanische Regierung unter Pedro Sánchez hatte in diesem Jahr ein Programm gestartet, das es Ausländern ohne Papiere ermöglicht, einen Antrag auf Legalisierung zu stellen. Rund eine Million Menschen kamen bis Ende Juni dieser Möglichkeit nach. Sanchez bezeichnete dies als „gute Entscheidung für unsere Wirtschaft“, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Genau daran regt sich nun aber Kritik.

Die österreichische ÖVP-Ministerin Bauer sagte laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA: „Die Ankündigung, hunderttausende Aufenthaltstitel verschenken zu wollen, mag nicht der einzige Auslöser gewesen sein, aber es war definitiv ein Brandbeschleuniger“, so Bauer. „Denn die juristischen Fußnoten liest in Marokko niemand. Dort kam nur die Botschaft an: Wer es nach Spanien schafft, darf auf einen Aufenthaltstitel hoffen – und offensichtlich hat sich nicht viel daran geändert.“

Der Bild-Zeitung sagte Bauer, Madrid habe einen „Mega-Magneten geschaffen“. Falschmeldungen in sozialen Medien und Schlepper hätten die Anziehung noch multipliziert, so die ÖVP-Politikerin weiter. Ebenfalls kritisch äußerte sich der italienische Außenminister Antonio Tajani. Spaniens offene Migrationspolitik sei „gescheitert“, sagte er dem Corriere della Sera. Italien hatte als Reaktion auf die Krise in Ceuta sogar wieder temporäre Grenzkontrollen eingeführt.

Ansturm auf Ceuta: Mehr als 70 Menschen sterben

EU-Innenkommissar Magnus Brunner bezeichnete den Andrang auf Ceuta als einen „Test für die Sicherheit der europäischen Außengrenzen“. Seiner Meinung nach habe Europa den Test „für den Moment definitiv bestanden“. Keiner der Migranten sei von Ceuta ans spanische Festland gelangt, betonte Brunner Der Massenansturm hatte allerdings dramatische Folgen. Mehr als 70 Menschen starben.

Die Behörden errichteten Berichten von Reuters zufolge nun eine rund 500 Meter lange Barriere im Meer. Zudem erhöhte Spanien die Land- und Seepatrouillen. Ein Großteil der Menschen, die nach Ceuta gelangten, hat die Exklave bereits wieder verlassen. Mehr als 1000 Minderjährige halten sich jedoch noch immer dort auf. Die Aufnahmezentren sind um 2600 Prozent über der Kapazitätsgrenze, sagte Ceutas Präsident, Juan Jesús Vivas. (Quellen: dpa, AFP, APA, El País, Bild, Reuters) (bme)