Stand: 05.09.2026, 07:00 Uhr
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Zwei Psychiater in Neuseeland dürfen nun in streng überwachten Studien MDMA verschreiben. Grundlage sind Studienergebnisse, die in den USA umstritten sind.
Auckland – Zwei neuseeländische Psychiater haben die Genehmigung erhalten, pharmazeutisch reines MDMA an Patientinnen und Patienten mit schwerer Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) zu verschreiben. Damit ist Neuseeland erst das zweite Land der Welt – nach Australien im Jahr 2023 –, das die Partydroge für den klinischen Einsatz freigibt.
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Dieser Artikel von Simon Ormiston entstand in Kooperation mit Euronews
Die Entscheidung wird international aufmerksam verfolgt, weil sie einen möglichen Kurswechsel in der Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen andeutet. Die Arzneimittelbehörde Medsafe erteilte die Zulassung an den Wellingtoner Psychiater Gary Wynn und seinen Kollegen Tom Paterson aus Auckland.

Beide hatten mehr als ein Jahr lang das strenge Prüfverfahren durchlaufen, bei dem Sicherheitsdaten, internationale Studien und ethische Vorgaben bewertet wurden. Ihnen ist es nun erlaubt, MDMA im Rahmen klar definierter klinischer Studien zu verschreiben.
„PTBS zerstört Leben und ist schwer zu behandeln“, sagte Vizepremierminister David Seymour, der 2025 eine ähnliche Zulassung für Psilocybin unterstützt hatte – den Wirkstoff in sogenannten Magic Mushrooms – zur Behandlung schwerer Depressionen. Nach seinen Worten brauchen Menschen mit chronischen Traumafolgestörungen dringend neue Optionen, wenn herkömmliche Therapien nicht ausreichend helfen.
Neuer Ansatz bei schwerer PTBS
„MDMA kann in einer psychedelika-gestützten Therapie sehr wirksam sein“, sagte er. Neuseeland bleibe entschlossen, den Zugang zu „innovativen Behandlungen“ zu öffnen, ohne dabei Sicherheitsstandards zu vernachlässigen. Die Regierung setzt nach eigenen Angaben auf evidenzbasierte Entscheidungen und will die Ergebnisse der nun möglichen Behandlungen genau auswerten.
PTBS entsteht, wenn Menschen traumatische Ereignisse erleben oder mit ihnen bedroht werden, etwa Kriegseinsätze, sexualisierte Gewalt oder plötzliche Todesfälle. Betroffene leiden oft unter Flashbacks, Schlafstörungen, Angst und starker innerer Anspannung, was das Alltagsleben massiv beeinträchtigen kann und nicht selten zu sozialem Rückzug, Arbeitsunfähigkeit oder Suchtproblemen führt.
In den meisten Ländern stehen derzeit nur zwei Antidepressiva zur Verfügung. Sie wirken oft erst nach bis zu drei Monaten und liefern uneinheitliche Ergebnisse. Viele Patientinnen und Patienten sprechen gar nicht oder nur teilweise auf sie an. Auch Psychotherapie benötigt Zeit und ist nicht immer ausreichend, weshalb Forschende seit Jahren nach wirksameren Behandlungsansätzen suchen.
Internationale Studien zu MDMA
Die Genehmigung stützt sich auf Daten aus zwei wegweisenden internationalen Phase-3-Studien. Sie wurden von der in den USA ansässigen Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) durchgeführt und von ihrer Public-Benefit-Gesellschaft Lykos Therapeutics finanziert.
Beide Projekte gelten als Meilensteine der modernen Traumatherapieforschung, weil sie strenge Studiendesigns mit hoher Patientenzahl kombinierten. In der ersten Studie, veröffentlicht 2021, zeigten 88 % der Teilnehmenden mit schwerer PTBS unter MDMA-gestützter Therapie eine klinisch relevante Besserung.
Bei 67 % traf die Diagnose PTBS am Ende der Behandlung nicht mehr zu, was Fachleute als bemerkenswerten Effekt werten. Die Behandlung bestand aus mehreren vorbereitenden Sitzungen, gefolgt von drei MDMA-Sitzungen und begleitender Psychotherapie.
Eine zweite Studie aus dem Jahr 2023 mit Personen mit moderater bis schwerer PTBS ergab: 71,2 % der mit MDMA Behandelten erfüllten am Studienende die PTBS-Diagnosekriterien nicht mehr. Auch in dieser Untersuchung traten Nebenwirkungen überwiegend vorübergehend und gut beherrschbar auf, etwa erhöhter Blutdruck, Übelkeit oder Angst in bestimmten Phasen der Sitzung, die im klinischen Setting eng überwacht wurden.
Kritik und Ablehnung durch die US-Behörde FDA
Trotz dieser Ergebnisse lehnte die US-Arzneimittelbehörde FDA 2024 eine Zulassung ab. Sie verwies auf aus ihrer Sicht unzureichende Nachweise für Sicherheit und Wirksamkeit und forderte zusätzliche Daten, bevor MDMA in den regulären klinischen Alltag einziehen könne. Kritikerinnen und Kritiker der Entscheidung werfen der Behörde vor, zu vorsichtig zu agieren und Patientinnen und Patienten damit wirksame Hilfe vorzuenthalten.
Regulierungsbehörden äußerten zudem die Sorge, dass Teilnehmende mit früherem MDMA-Konsum einen Erwartungseffekt erzeugten. Das erschwere die Auswertung der Studiendaten, weil manche Probandinnen und Probanden mutmaßlich erkennen könnten, ob sie die aktive Substanz oder ein Placebo erhalten.
Forschende betonen jedoch, dass sie solche Effekte statistisch zu kontrollieren versucht haben, um die Aussagekraft der Ergebnisse zu sichern. Das neuseeländische Gesundheitsministerium betonte, dass die neue Behandlung streng reguliert werden soll.
Die Patientinnen und Patienten erhalten MDMA nur in Kombination mit Psychotherapie und ausschließlich in einem klinischen Setting, nicht als Vorrat für zu Hause. Kliniken müssen besondere Sicherheitsprotokolle einhalten, etwa kontinuierliche Überwachung während der Sitzung und ausführliche Aufklärung im Vorfeld.
Strenge Auflagen für die Anwendung
„Die Behandlung findet in einem kontrollierten klinischen Umfeld unter der Aufsicht einer autorisierten Psychiaterin oder eines autorisierten Psychiaters statt und ist Teil eines umfassenden Behandlungsplans“, erklärte das Ministerium.
Patientinnen und Patienten müssen mindestens 18 Jahre alt sein, strenge Einschlusskriterien erfüllen und regelmäßig zu Nachuntersuchungen erscheinen. Die Regierung kündigte an, die laufenden Ergebnisse zu prüfen und die Regeln bei Bedarf anzupassen.