Stand: 16.08.2026, 06:00 Uhr
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Der Halsbandsittich aus Afrika und Asien wird in Frankfurt seit 2012 beobachtet. Er könnte mit anderen Baumbrütern konkurrieren – deshalb läuft ein Monitoring.
Frankfurt – Der Ökologe Fabian Schrauth (31) ist im Senckenberg-Forschungsinstitut Frankfurt Koordinator der Arbeitsgruppe Biotopkartierung. Thomas J. Schmidt hat mit ihm über invasive Arten gesprochen.

Arten breiten sich aus. Wir selbst kommen aus Afrika. Was ist neu daran?
Richtig, Arten wandern immer, das ist völlig normal und immer geschehen, wenn es möglich war, also zum Beispiel nicht Meere oder Gebirge es verhindert haben. Es war immer dynamisch in der Natur. Was sich geändert hat, ist die Geschwindigkeit, mit der es heute geschieht. Eingeschleppte Arten kommen mit Flugzeugen und Schiffen, oft als Samen oder Insektenpuppen, unbemerkt. Der Klimawandel beschleunigt es zusätzlich, denn da es weniger Frost im Winter gibt, können tropische Arten sich eher bei uns halten.
Richten diese blinden Passagiere Schaden an?
Es gibt eine Zehnerregel, pi mal Daumen. Von zehn neu ankommenden Arten kann nur eine längerfristig überleben. Von zehn Arten, die überleben können, gelingt es nur einer, stabile Bestände zu bilden. Von denen wiederum ist nur eine von zehn wirklich gefährlich für das Ökosystem.
Welche Arten untersuchen Sie selbst?
Mein Favorit ist der Halsbandsittich. Er kommt aus Afrika und Asien und ist seit den 60ern in Mitteleuropa. Er ist zahlreich in der Gegend um Köln, auch am Oberrhein, und es gibt große Gruppen in Mainz und Wiesbaden. In Frankfurt wurde er 2012 erstmals beobachtet.
Ist er gefährlich?
Der Halsbandsittich wird als potenziell invasiv eingestuft. Deswegen machen wir ein Monitoring und beobachten, ob die Gruppen größer werden. Er könnte mit anderen Baumbrütern konkurrieren, indem er ihnen die Baumhöhlen wegnimmt.
Profitiert der Halsbandsittich von unserem heißen Sommer?
Das nicht direkt. Die Exoten profitieren vor allem, weil die Winter nicht mehr streng sind. Strenger Frost lässt viele der Exoten sterben. Fehlender Frost im Winter ermöglicht, dass die Zahlen im darauffolgenden Jahr weiter ansteigen.

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Wie sieht es bei den Pflanzen aus?
Ich denke zuerst an die Robinie. Sie wurde aus Nordamerika eingeführt, weil sie als Nutzholz schnell wächst. Allerdings wird sie mittlerweile als invasiv eingestuft. Problematisch ist, dass sie die Bodenchemie ändert. Die Robinie betreibt Wurzelknöllchensymbiose und reichert Stickstoff im Boden an. Das ist eine Gefahr für karge Standorte und etwa Magerrasen-Gesellschaften, die an karge Bedingungen angepasst sind.
Was kann man da tun?
Nun, man muss sicher nicht alle Robinien fällen. Aber man muss verhindern, dass sie sich in naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume ausbreitet. Die Robinie ist ein Pionierbaum, sie wächst auch auf nährstoffarmen Böden. Somit sollte man sie z. B. als Gefahr für unsere heimischen Magerrasen auf dem Schirm haben.