Polizist und Fußball-Profi Werner Mörsdorf: Er kickte in der Bundesliga – und trat danach den Frühdienst an

  1. Sport
  2. Saar-Sport
  3. Regionalsport

Polizist und Fußball-Profi Werner Mörsdorf Er kickte in der Bundesliga – und trat danach den Frühdienst an

Hoppstädten-Weiersbach · Ein Leben zwischen Schichtdienst und Stadion: Werner Mörsdorf spielte für den FC Homburg und den 1. FC Kaiserslautern – ohne seinen Job als Polizist aufzugeben. Jetzt blickt er zurück auf Europapokal, Aufstieg und eine schwere Diagnose.

20.07.2026 , 13:01 Uhr

Werner Mörsdorf auf seiner Terrasse. Foto: Zenner

Foto: Sebastian Zenner

Es riecht nach Landluft. Nebenan grasen Pferde. Irgendwo bellt ein Hund. Und über dem Tal liegt die Stille des Hunsrücks. Trotz oder wegen der würzigen Note und der mit ihr einhergehenden Fliegen sitzt es sich auf der Terrasse von Werner Mörsdorf wie im Urlaub. Der ehemalige Fußball-Spieler und Ex-Trainer, der in wenigen Wochen 70 Jahre alt wird, passt in diese Ruhe hinein. Obwohl Stress, Hektik und Aktivität an sich sein Leben über Jahrzehnte prägten.

Werner Mörsdorf: Polizist und Profi-Fußballer beim FC Homburg und 1. FC Kaiserslautern

Mörsdorf wohnt im rheinland-pfälzischen Hoppstätten-Weiersbach, das direkt ans Saarland grenzt. Er arbeitete tagsüber als Polizist in Ludwigshafen. Abends und an Wochenenden drehte sich alles um Fußball. Da ging es schon mal freitagabends mit dem FC Homburg nach Bielefeld. Samstags kickte der Mittelfeldspieler dort mit dem FCH in der Bundesliga. Sonntags wurde trainiert. Und montagmorgens stand der Frühdienst in Ludwigshafen bei der Polizei auf dem Programm – nach dem es dann wieder auf den Trainingsplatz ging. So oder so ähnlich lief es jahrelang.

„Ich habe im Schichtdienst gearbeitet. Spät, früh, Nacht – mir hat keiner was geschenkt. Und trotzdem habe ich bis zuletzt kein Spiel versäumt“, blickt der 69-Jährige zurück. Begonnen hatte alles bei seinem Heimatverein SV Weiersbach. 1976 wechselte Mörsdorf zu den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern, von wo er 1979 den Sprung in den Profi-Kader schaffte. Allerdings ohne nur ein Bundesliga-Spiel für die Roten Teufel zu bestreiten. Jedoch kam Mörsdorf zu einem Einsatz im Uefa-Cup. Trainer Karl-Heinz Feldkamp wollte ihn unbedingt in der Partie beim FC Zürich dabeihaben. Und Mörsdorfs Arbeitgeber spielte mit. Allerdings nur, weil der oberste Dienstherr nicht erreichbar war und sein direkter Vorgesetzter die Verantwortung übernahm, Mörsdorf mitfahren zu lassen.

 Werner Mörsdorf _ FC Homburg

Werner Mörsdorf _ FC Homburg

Foto: Hartung

Dienst als Polizist verhindert zweiten Europapokal-Einsatz in Ungarn

In Zürich wurde Mörsdorf in der 69. Minute für Bernd Dobiasch eingewechselt und schnupperte unter anderem an der Seite von Hans-Peter Briegel, Wolfgang Wolf, Ronnie Hellström, Reiner Geye und Hannes Bongartz Europapokal-Luft. Montags kam er um vier Uhr morgens zu Hause an – und trat um halb sieben den Dienst an. „Da wurde ich auf der Arbeit für meinen Einsatz noch geehrt“, erinnert er sich und lacht.

Werner Mörsdorf – vom Streifenwagen in die Bundesliga-Stadien und zurück: „Ich habe im Schichtdienst gearbeitet. Spät, früh, Nacht – mir hat keiner was geschenkt. Und trotzdem habe ich bis zuletzt kein Spiel versäumt.“

Werner Mörsdorf – vom Streifenwagen in die Bundesliga-Stadien und zurück: „Ich habe im Schichtdienst gearbeitet. Spät, früh, Nacht – mir hat keiner was geschenkt. Und trotzdem habe ich bis zuletzt kein Spiel versäumt.“

Foto: imago sportfotodienst

Vier Wochen später stand das nächste Europapokal-Spiel an. Diesmal in Ungarn. Diesmal war der oberste Dienstherr erreichbar. Obwohl Mörsdorfs Visum bereits erteilt war, versagte ihm der Dienstherr die Reise. Einen triftigen Grund dafür erfuhr Mörsdorf nicht. „Bei der Polizei war das damals so“, merkt er an.

Bundesliga-Aufstieg des FC Homburg 1986: Mörsdorf als Kapitän in der erfolgreichsten Ära

1980 wechselte Mörsdorf zum FC Homburg in die 2. Liga, wo er sich einen Stammplatz erkämpfte und zu einem prägenden Spieler der erfolgreichsten Ära des Clubs wurde. 1986 stiegen die Grün-Weißen als Meister erstmals in die Bundesliga auf. Mörsdorf war dabei – als erster Polizist, der jemals Kapitän des FCH war, wie er betont.

 Nach dem Aufstieg mit dem FC Homburg in die Bundesliga im Jahr 1986 genießt Werner Mörsdorf das Bad in der Menge. Er war der erste Polizist, der beim FCH die Kapitänsbinde trug.

Nach dem Aufstieg mit dem FC Homburg in die Bundesliga im Jahr 1986 genießt Werner Mörsdorf das Bad in der Menge. Er war der erste Polizist, der beim FCH die Kapitänsbinde trug.

Foto: Hartung

Werner Mörsdorf (Mitte) köpft den Ball, Bayern Münchens Torwart Jean Marie Pfaff fliegt ihm entgegen. Aufsteiger FC Homburg verlor 1986 das Bundesliga-Heimspiel im Waldstadion mit 1:3.

Werner Mörsdorf (Mitte) köpft den Ball, Bayern Münchens Torwart Jean Marie Pfaff fliegt ihm entgegen. Aufsteiger FC Homburg verlor 1986 das Bundesliga-Heimspiel im Waldstadion mit 1:3.

Foto: imago sportfotodienst

In der Bundesliga verlor er später seinen Stammplatz. 1988 war dann Schluss. Verletzungen hatten dazu beigetragen. Darunter ein Kahnbeinbruch. „Den habe ich mir samstags zugezogen. Montags habe ich bei der Firma Zender in Saarbrücken eine Spezial-Manschette bekommen und dienstagabends gegen den VfB Stuttgart mit Jürgen Klinsmann gespielt. Als Erster überhaupt mit einer solchen Verletzung“, sagt Mörsdorf. Trauriger Höhepunkt seiner Verletzungsgeschichte: der Achillessehnen-Abriss 198.

Trainer-Karriere im Amateurbereich: Von Borussia Neunkirchen bis FK Pirmasens

Als Trainer machte er sich nach seiner Spieler-Karriere im Amateurbereich einen Namen: VfB Theley, SC Idar-Oberstein, Borussia Neunkirchen, FK Pirmasens, SG Blaubach-Diedelkopf, FC Freisen. Die bemerkenswerteste Episode erlebte er in Neunkirchen, wo er 2005 Oberliga-Meister wurde. Obwohl der Vorstand ihn zuvor loswerden und die Mannschaft nicht aufsteigen lassen wollte. Doch ein Insolvenzverwalter hatte das letzte Wort – und der verlängerte Mörsdorfs Vertrag um ein Jahr. Den Aufstieg durfte er trotzdem nicht feiern: Die Borussia beantragte aufgrund fehlender finanzieller Mittel keine Regionalliga-Lizenz.

 Werner Mörsdorf genießt die Ruhe auf der Terrasse seines Hauses in Hoppstätten-Weiersbach. In seinem Büro bewahrt er Erinnerungsstücke von Vereinen auf, bei denen er tätig war.

Werner Mörsdorf genießt die Ruhe auf der Terrasse seines Hauses in Hoppstätten-Weiersbach. In seinem Büro bewahrt er Erinnerungsstücke von Vereinen auf, bei denen er tätig war.

Foto: Sebastian Zenner

Mit dem Fußball aufgehört hat er 2020 – nach 35 Jahren als Trainer. Auslöser war eine Diagnose, mit der er offen umgeht: Blasenkrebs. Dreimal musste er operiert werden. Die Chemotherapie schlug an. „Glück muss man im Leben haben, das gehört dazu und das hatte ich auch oft“, findet der 69-Jährige. Und Disziplin: Seit der Diagnose hat er Stress bewusst reduziert. Die Gesundheit in den Vordergrund gestellt. Die Ernährung angepasst. Und das stressige Fußball-Geschäft verlassen.

Schwerer Fahrradunfall: Sechs gebrochene Rippen bremsen den Ex-Bundesligaprofi aus

„Ich halte meine Figur, habe mich nie gehen lassen. Mir passen noch die Hosen von vor 20 Jahren“, sagt er nicht ohne Stolz. Zweimal im Monat geht er mit einer Gruppe Gleichaltriger auf Radtouren durch den Hunsrück. Auch das Wandern macht ihm körperlich wenig Probleme – und es sorgt für geistige Frische. Vor ein paar Jahren absolvierte Mörsdorf mit seiner Frau Martina einen Teil des Jakobswegs in Portugal – genauer gesagt von Porto in Richtung Norden. Täglich 25 bis 30 Kilometer.

Seit einem halben Jahr geht er seltener ins Fitness-Studio. Grund: ein heftiger Fahrrad-Unfall. „Ich muss zugeben, dass ich etwas zu schnell unterwegs war. Und beim Wechsel auf den Bordstein ist es dann passiert: Mein Vorderrad hat sich quergestellt und ich habe mich über den Lenker überschlagen“, berichtet Mörsdorf. Sechs Rippen hatte er sich damals gebrochen. Und erneut strapazierte er das ihm holde Glück, sodass nichts noch Schlimmeres passierte. Die Kräftigungsübungen hat er vom Fitness-Studio nach Hause verlegt. Irgendwas geht immer.

Und was soll noch kommen? „Glücklich und gesund alt werden“, antwortet der Ex-Polizist, der nach der Schicht in der Bundesliga kickte, wie aus der Pistole geschossen. Kurz vor seinem 70. Geburtstag auf der von Landluft umhüllten Terrasse seines Elternhauses. Dort, wo einst alles anfing. (mak/nbo)

  • Saarbrücken

  • FC 08 Homburg

  • Sport

  • Saar-Sport

  • Regionalsport

  • Zur Startseite