Poolfüllverbot und Wasser per Tankwagen: Ein Sommer, der das Waldviertel verändert

Trockenheit

Poolfüllverbot und Wasser per Tankwagen: Ein Sommer, der das Waldviertel verändert

Jahrzehntelang war Wasser im Waldviertel eine Selbstverständlichkeit. Die Trockenheit stellt das auf den Kopf – und wirft die Frage auf, wer künftig wie viel davon nutzen darf

Bernadette Redl

"Ich habe Glück gehabt. Meinen Whirlpool habe ich schon im März befüllt", sagt die Kellnerin im Restaurant Lagosol und balanciert ein Tablett mit leeren Tellern Richtung Küche. Damals habe es schon das erste heiße Wochenende gegeben. Sie lacht. Dann wird sie ernst. Freunde von ihr hätten kleine Kinder. "Die dürfen ihren Pool jetzt nicht mehr füllen." Trotzdem hätten sie Verständnis. "Es ist bitter. Aber wir haben unser Trinkwasser auch gern."

Ein rosa Gebäude mit der Aufschrift „GEMEINDEAMT“. Vor dem Gebäude steht ein Schild mit einer Illustration eines Storchs, der ein Baby im Schnabel trägt. Daneben ein gelbes Wegweiserschild mit der Aufschrift „Start Wanderwege“. Blumenkästen schmücken die Fenster des Gebäudes. Pflastersteine bedecken den Boden.
Das Gemeindeamt von Langschlag im Waldviertel, hier wurde Anfang Mai ein Poolfüllverbot beschlossen.

In Langschlag im Waldviertel sind private Poolfüllungen seit Anfang Mai verboten. Auf der Website der Gemeinde prangt die Mitteilung: "Aufgrund der aktuellen Trockenheit ist das Befüllen von Pools über die Gemeindewasserleitung strengstens untersagt." Bis heute hat sich die Lage nicht entspannt.

Wasser war im Waldviertel jahrzehntelang selbstverständlich. Die Brunnen lieferten zuverlässig, Temperaturen über 30 Grad waren die Ausnahme, die Region galt als Kältepol der Nation. Heute müssen Gemeinden plötzlich entscheiden, wer Wasser wofür verwenden darf. Pools dürfen nur noch nach Rücksprache mit der Gemeinde befüllt werden – oder gar nicht mehr.

Ein steinerner Brunnen mit Wappen verziert, das einen roten Löwen und ein gelbes Symbol mit blauem Hintergrund zeigt. Im Hintergrund ist ein rosafarbenes Gebäude mit der Aufschrift
Im Brunnen auf dem Marktplatz von Langschlag ist das Wasser längst abgedreht.

"Ich finde das Poolfüllverbot richtig", sagt eine Frau mit kurzem grauem Haar. Sie steht neben dem leeren Springbrunnen am Marktplatz von Langschlag. Wo sonst Wasser plätschert, ist die Leitung längst abgedreht. "Warum dürfen die einen so viel nehmen und die anderen müssen womöglich später aufs Gießen verzichten?", fragt sie. Es ist die Frage, die sich in diesem Sommer immer öfter stellt: Wenn ein lebenswichtiges Gut knapp wird, wer darf sich dann wie viel nehmen? Und was passiert mit einer Gesellschaft, wenn etwas plötzlich ausgeht, das immer selbstverständlich war?

Auf der Wasserscheide

Ein Tag in diesem Frühling hat in den Köpfen der Langschläger etwas verändert. Bei Bauarbeiten kam es zu einem Wasserschaden. Statt wie angekündigt für ein paar Stunden gab es den ganzen Tag kein Wasser. "Dann drückst du auf die Klospülung und es kommt nichts", sagt Petra Hemberger, die den Nah & Frisch im Ortszentrum betreibt. "Da merkst du erst, wie dringend wir das Wasser brauchen."

Zwei Frauen stehen lächelnd hinter einer Fleisch- und Wursttheke in einem Lebensmittelgeschäft. Im Vordergrund sind verschiedene Wurstsorten und Lebensmittel zu sehen. Im Hintergrund befinden sich Regale mit Brot und Aktionshinweise.
Petra Hemberger (links) und Maria Haider (rechts) im Nah & Frisch im Ortszentrum von Langschlag.

Dass Wasser hier knapp werden kann, ist nicht neu. Langschlag liegt an der mitteleuropäischen Wasserscheide. Gewässer, die nördlich dieser Linie entspringen, führen in die Nordsee, die im Süden über die Donau ins Schwarze Meer. In trockenen Jahren stößt die Gemeinde deshalb immer wieder an ihre Grenzen.

Ein Poolfüllverbot gibt es dennoch heuer zum ersten Mal, erzählt Bürgermeister Andreas Maringer. "Als wir gesehen haben, wie knapp es wird, haben wir das Verbot erlassen." Noch vor Beginn der Badesaison – damit nicht die einen ihren Pool füllen dürfen und die anderen leer ausgehen.

Hunderte Liter am Tag

Gespräche mit den Menschen im Ort zeigen: Das Poolfüllverbot trifft nicht alle gleich. Viele haben eigene Hausbrunnen und konnten ihre Pools trotzdem füllen. Doch manche haben auch Probleme. Ihre Eltern hätten schon den dritten Brunnen gegraben, dennoch werde das Wasser regelmäßig knapp, erzählt Maria Haider, die im Nah & Frisch hinter der Wursttheke arbeitet.

Vor dem Lagerhaus weiter unten im Ort stehen Tomaten-, Paprika- und Blumenpflanzen, alle um 50 Prozent reduziert. Sie lassen die Blätter hängen. In einem Sommer, in dem Wasser plötzlich kostbar geworden ist, wirken selbst sie wie ein Luxus. Doch Wasser entscheidet hier längst nicht nur darüber, ob jemand einen Pool füllt oder Blumen pflanzt. Es geht auch um Existenzen: "Die Kühe saufen Hunderte Liter Wasser am Tag", sagt eine Landwirtin, die gerade ihre Einkäufe hier erledigt.

Wasser per Tankwagen

Wie ernst die Lage werden kann, zeigt sich zwölf Kilometer weiter in Arbesbach. "Die Wassersituation eskaliert!", steht mit rotem Rufzeichen auf Flugblättern, die die Gemeinde verteilt hat. Daneben ist ein Hochbehälter abgebildet, nur noch halb gefüllt. Die bisherigen Aufrufe zum Wassersparen hätten nicht ausgereicht, heißt es darauf. Nun appelliert der Bürgermeister erneut an alle, den Verbrauch zu reduzieren.

Ein Informationsplakat mit der Überschrift
Aufruf zum Wassersparen auf der Homepage der Gemeinde Arbesbach.

Seit Oktober 2025 fiel hier kein Niederschlag mehr, der den Grundwasserstand nachhaltig regenerieren konnte. Bürgermeister Martin Frühwirth musste deshalb zur äußersten Maßnahme greifen: Wasser per Tankwagen. 25 Kubikmeter musste die Gemeinde vergangene Woche zukaufen, "damit wir zumindest übers Wochenende kommen", sagt er, "doch wir hangeln uns derzeit nur von Tag zu Tag". Weil das Wasser transportiert wurde, muss es vor dem Trinken mindestens drei Minuten lang sprudelnd abgekocht werden, als Sicherheitsmaßnahme.

Das Verständnis in der Bevölkerung ist trotz allem groß. Nachbarinnen und Nachbarn helfen sich mit Wasser aus ihren Brunnen aus, manche haben der Gemeinde sogar Wasser angeboten, erzählt Frühwirth. Am Friedhof ist der Wasserhahn seit Wochen aus. Zum Gießen der Blumen steht dort nun ein Regenwasserfass. "Manche bringen sogar Regenwasser von zu Hause mit."

Volles Freibad

In der Nachbargemeinde scheint die Wasserkrise auf den ersten Blick plötzlich weit weg. Im Freibad von Groß Gerungs ist die Hölle los. Und auch in privaten Pools wird geplanscht. Auf einem Bauernhof lebt Carina mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Vor dem Haus steht ein Pool, daneben wuselt ein Meerschweinchen durchs Gras. Die Kinder spritzen mit Wasserpistolen, bunte Spielsachen treiben an der Oberfläche. "Strudel machen", sagt Jonas, der jüngste der drei Geschwister. Das mache ihm im Pool am meisten Spaß.

Ein Außenbereich eines Naturfreibades an einem sonnigen Tag. Kinder in Badeanzügen laufen über das gepflasterte Gelände, während andere Personen im Wasser schwimmen oder auf einem Sprungturm stehen. Im Hintergrund sind Bäume, ein Gebäude und ein Wasserbrunnen im Schwimmbecken zu sehen. Im Vordergrund ragt ein Sonnenschirm ins Bild.
Das Naturfreibad von Groß Gerungs.

Ihren Pool leert die Familie im Herbst nicht. Ein Wintermittel hält das Wasser über die kalte Jahreszeit im Becken. Auch einen eigenen Brunnen gibt es. Doch Carina macht klar: "Hätten wir das Wasser letztes Jahr ausgelassen, hätten wir heuer keines mehr einfüllen können." Schließlich müsse nicht nur die Familie versorgt werden, sondern auch die Kühe.

Zwei Kinder spielen in einem Aufstellpool im Freien. Eines der Kinder hält eine Wasserpistole. Im Hintergrund sind ein Gebäude, Bäume und eine Wiese zu sehen.
Jonas und Lisa in ihrem Pool, das Wasser bleibt den Winter über im Becken.

Auch in Groß Gerungs ist Wasser knapp. Wer seinen Pool über die Gemeindewasserleitung füllen will, braucht das Okay von Wassermeister Patrick Pfeiffer. Er entscheidet, wann genug Wasser dafür da ist. "Abends, wenn der Wasserverbrauch in privaten Haushalten ansteigt, wird es eng", sagt Bürgermeister Christian Laister, als er die Tür zu einem Hochbehälter öffnet. Im Raum surren Pumpen, Lichter blinken. Ein Monitor zeigt den Füllstand. Anfang Mai wurde es heuer erstmals kritisch. "Mein Wassermeister hat mich angerufen und gesagt: 'Wir müssen etwas tun.'"

Der Rettungsanker

Doch in Groß Gerungs gibt es eine Alternative zum Pool: ein Naturschwimmbad. Der Betrieb ist, wie bei den meisten Freibädern, defizitär, rund 60.000 bis 80.000 Euro an Verlusten verursacht das Bad jährlich in der Gemeindekasse. "Noch können wir es erhalten", sagt der Bürgermeister, doch das Bad ist 25 Jahre alt. "Wenn eine große Sanierung nötig wird, glaube ich nicht, dass wir das stemmen können."

Eine Person schwimmt in einem kleinen Pool und hält einen bunten Ball. Im Vordergrund schwimmt eine gestreifte Luftmatratze, und Beine einer weiteren Person ragen aus dem Wasser. Im Hintergrund ist ein Gebäude und etwas Grün zu sehen.
Viele Haushalte im Waldviertel haben eigene Brunnen auf ihren Grundstücken und füllen damit die Pools.

Einen Rettungsanker gibt es für die Gemeinden: Wasser aus der Donau. Aktuell muss die Kleinregion sich entscheiden, ob sie in den nächsten Jahren an die Leitung angeschlossen werden will. Die EVN ist mit ihren Leitungsarbeiten bereits ins Waldviertel vorgedrungen, vergangenen Herbst wurde eine 60 Kilometer lange Transportleitung von Krems nach Zwettl eröffnet. Kosten: 50 Millionen Euro. Bis Langschlag, Arbesbach und Groß Gerungs sind es weitere 20 Kilometer.

Ein lächelnder Mann in weißem Hemd und grauer Hose steht vor einer großen blauen Industriemaschine mit Metallrohren und Armaturen.
Christian Laister, Bürgermeister von Groß Gerungs, steht neben einem Hochbehälter.

Im Gemeinderat von Groß Gerungs wurde vor kurzem ein Grundsatzbeschluss gefasst, die Gemeinde an die Leitung anzubinden, in Arbesbach ebenso. Nicht alle wollen die Anschlusskosten zahlen, manche würden lieber alles beim Alten lassen, erzählt Laister. "Doch wir müssen vorsorgen", sagt er, "wir dürfen die Augen vor der Realität nicht verschließen" – und die ist ganz klar: Die Brunnen im Waldviertel werden durch die Trockenheit immer früher an ihre Grenzen kommen. Und dann geht es nicht nur um das Füllen von Pools, sondern um Löschwasser und Trinkwasser für Menschen und Tiere. Damit wird die Frage, wer sich wie viel Wasser nehmen darf, immer drängender. (Bernadette Redl, 18.7.2026)

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