Pro und Contra: Kita-Pflicht im Saarland? Die Regierung sollte erst Plätze schaffen

Pro und Contra Kita-Pflicht im Saarland? Die Regierung sollte erst Plätze schaffen

Meinung | Saarbrücken · Die von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ins Gespräch gebrachte dreijährige Kita-Pflicht greift zu sehr in die Grundrechte von Eltern ein, findet unsere Autorin. Außerdem fehlen noch immer Tausende Plätze.

29.08.2026 , 12:32 Uhr

Laut einer IW-Studie aus dem Jahr 2025 fehlen im Saarland 4400 Kita-Plätze für unter Dreijährige. (Symbolbild)

Laut einer IW-Studie aus dem Jahr 2025 fehlen im Saarland 4400 Kita-Plätze für unter Dreijährige. (Symbolbild)

Foto: Christoph Soeder/dpa/Christoph Soeder

Eine Pflicht zum Besuch des Kindergartens greift tief in das elterliche Erziehungsrecht ein, das in Artikel 6 des Grundgesetzes verankert ist. Rehlinger hält eine Grundgesetzänderung nicht für nötig. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags kam in einer Ausarbeitung im Jahr 2010 allerdings zu einem anderen Schluss: Die Schulpflicht könne zwar vorgezogen werden, das wäre Ländersache. Aber eben nicht beliebig. Für Dreijährige käme sie nicht infrage, heißt es dort.

Noch immer zu wenig Plätze

Wo einzelne Familien Unterstützung brauchen, sind gezielte Hilfen gefragt. Die große Mehrheit der Familien schickt ihre Kinder ohnehin längst in die Kita, weil der Alltag es schlicht erfordert und der Umgang mit Gleichaltrigen wichtig ist. Doch gerade die kleinen Freiheiten, die bleiben, werden genutzt: Den günstigeren Urlaub in der Nebensaison etwa, weil die Preise zur Hauptsaison längst unerschwinglich geworden sind. Mit einer Kita-Pflicht unmöglich.

Die Chance, Defizite rechtzeitig zu erkennen und vor der Einschulung gegenzusteuern, ist nicht von der Hand zu weisen. Über ein verpflichtendes Vorschuljahr ließe sich daher durchaus diskutieren. Ein Jahr wäre ein Kompromiss, der verfassungsrechtlich eher vertretbar und praktisch umsetzbar wäre.

Aber: Obwohl bereits seit 2013 ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem ersten Lebensjahr besteht, gibt es noch immer zu wenig Plätze. Im Saarland fehlen einer IW-Studie aus 2025 zufolge 4400 Plätze für unter Dreijährige. Die Regierung sollte alte Baustellen fertigstellen, bevor sie über neue an gleicher Stelle nachdenkt. Ausreichend Plätze und Personal, eine Bezahlung, die den Erzieherberuf attraktiv macht: Solange das nicht gewährleistet ist, bleibt jede Debatte über eine Kita-Pflicht ein Luftschloss.