Proteste in Neu-Delhi: Indische Polizei geht mit Gewalt gegen junge Demonstranten vor

Die studentische »Kakerlaken«-Bewegung in Indien fordert Bildungsreformen und den Rücktritt des zuständigen Ministers. In Neu-Delhi kam es nun zu Zusammenstößen.

Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa,

kzi

  1. Juli 2026, 20:16 Uhr

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Proteste Neu Delhi Kakerlaken-Partei Polizei
Angeführt wurden die Proteste von zumeist jungen Menschen, die sich vor zwei Monaten in einer Bewegung unter dem Namen »Kakerlaken-Volkspartei« zusammengeschlossen hatten. © Ritesh Shukla/​Getty Images

Die indische Polizei geht mit Gewalt gegen Demonstrierende der regierungskritischen »Kakerlaken«-Bewegung (CJP) in Neu-Delhi vor. Einsatzkräfte hätten Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt, um Tausende Demonstrierende an einem geplanten Marsch zum Parlamentsgebäude zu hindern, berichteten der Sender NDTV und andere indische Medien. In dem Gebäude hatte demnach zuvor eine Sitzung des Unterhauses begonnen.

Den Berichten zufolge gab es sowohl bei Demonstrierenden als auch bei der Polizei Verletzte. Die Polizei bestritt, Gewalt eingesetzt zu haben. Die Regierung hatte die Kundgebung am Sonntag für illegal erklärt und zahlreiche Beamte mobilisiert und Polizeibarrieren aufgefahren. Dennoch handelte es sich um die größte Demonstration in Neu-Delhi seit fünf Jahren.

Nach Angaben der »Kakerlaken«-Bewegung CJP traf diese sich trotz der Zusammenstöße mit Gesundheitsminister Jagat Prakash Nadda als Repräsentant der indischen Regierung. »Es gab jedoch keine verbindlichen Zusagen«, schrieb der CJP-Sprecher, Saurav Das, auf X. Der Minister selbst sagte, er habe die CJP gebeten, ihre Protestaktionen zu beenden.

»Kakerlaken«-Bewegung entstand nach Herabwürdigung durch Richter

Nach Angaben eines CJP-Sprechers und Berichten indischer Medien wurde der Parteigründer Abhijeet Dipke von der Polizei abgeführt. Eine Bestätigung der Polizei gab es nicht.

Dipke hatte vor zwei Monaten die Bewegung unter dem Namen Cockroach Janta Party (»Kakerlaken-Volkspartei«) gegründet, nachdem der Oberste Richter Surya Kant laut Berichten junge arbeitslose Menschen als »Kakerlaken« und »Parasiten« bezeichnet hatte. Die CJP gewann schnell an Zulauf, zumeist Studierende schlossen sich ihr an. Die Bewegung fordert unter anderem Bildungsreformen sowie den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. Er soll die politische Verantwortung für einen Skandal um mutmaßlich vorher geleakte Aufnahmeprüfungen von Hochschulen übernehmen.

Proteste setzen Modi unter Druck

Die Protestbewegung gilt in Indien als die größte Herausforderung für den hindu-nationalistischen Premierminister Narendra Modi, seitdem er im Jahr 2024 für eine dritte Amtszeit gewählt worden war. Bei einem Auftritt im Parlament an diesem Montag erwähnte er die Proteste nicht.

Oppositionsführer Rahul Gandhi von der Kongresspartei warf Modi dagegen vor, junge Menschen zum Schweigen bringen zu wollen. »Die Kriminellen, die die Prüfungsunterlagen weitergegeben haben, laufen frei herum, während Studenten, die berechtigte Anliegen vorbringen, herumgeschubst und geschlagen werden«, schrieb er auf X.