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Regierungsbildung Berlin: Grüne und SPD für Koalitionsgespräche mit Linke
Berlin · Nach erfolgreichen Sondierungen in Berlin steuern drei Parteien Koalitionsverhandlungen an. Grüne und SPD haben am Abend entschieden. Warum die Linke sich noch Zeit lässt.
19.10.2026 , 21:25 Uhr
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Vonovia: Vergesellschaftung in geplanter Form nicht machbar
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Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Sebastian Gollnow
Die Grünen und die SPD in Berlin wollen mit der Wahlsiegerin Linke gemeinsame Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Die Grünen entschieden das auf einem kleinen Parteitag am Abend mit breiter Mehrheit, nur 2 der 45 Delegierten stimmten dagegen. Bei der SPD gab zuvor der Landesvorstand in einer digitalen Sitzung grünes Licht. 26 Teilnehmer votierten dafür und drei dagegen bei keiner Enthaltung.
Die Linke befindet darüber erst auf einem Parteitag am 31. Oktober. Grund sind die zweiwöchigen Herbstferien in Berlin. Im Falle einer Zustimmung können die Koalitionsgespräche Anfang November beginnen. Basis ist ein am vergangenen Wochenende vorgelegtes Sondierungspapier der drei Parteien.
Grüne und SPD loben Sondierungspapier
Grünen-Fraktionschef Werner Graf sagte: „Wir haben wirklich viele grüne Erfolge in das Sondierungspapier hinbekommen.“ Dort seien etwa mehr Radwege festgeschrieben, mehr Qualität im Nahverkehr, kein Weiterbau der Autobahn A100. Es werde mehr Verkehrsberuhigung geben, sogenannte Kiezblocks. „In der Verkehrspolitik wird eine neue Zeit anbrechen“, so Graf.
„Es ist uns gelungen, sehr viele SPD-Positionen erfolgreich in die Sondierungen einzubringen und das wollen wir auch in den Koalitionsverhandlungen fortsetzen“, erklärten auch die SPD-Landesvorsitzenden Bettina König und Steffen Krach. „Dafür haben wir heute einen klaren Auftrag des Landesvorstands bekommen.“
Linke will ins Rote Rathaus
Bei der Berlin-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Dahinter folgen die CDU (18,8 Prozent), die AfD (16,3 Prozent), die Grünen (14,3 Prozent) und - mit ihrem historisch schlechtesten Ergebnis - die SPD (12,1 Prozent). Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren. Nun wird versucht, eine rot-grün-rote Regierung zu bilden. Gelingt das, könnte Linke-Fraktionschefin Elif Eralp erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei in Berlin werden.
Antisemitismusdebatte überlagerte Gespräche
Ihr Sondierungspapier hatten Linke, Grüne und SPD in zeitweise mühsamen Verhandlungen erarbeitet. Die Diskussion um ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus, angefacht durch mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken, erschwerte die Gespräche.
Eine gemeinsame Erklärung zum Thema Antisemitismus, auf die sich die drei Parteien noch vor Beginn der Sondierungen verständigten, soll im Fall einer Regierungsbildung in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden. Rot-Grün-Rot bekennt sich darin zum Schutz jüdischen Lebens, zum Existenzrecht Israels und zu einer Zwei-Staaten-Lösung, die sowohl Israels Sicherheit als auch die Selbstbestimmung der Palästinenser ermöglichen soll. Angedacht sind bei Verstößen gegen die vereinbarten Grundsätze Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss.
Diese Vereinbarung wie auch eine ähnliche Übereinkunft zur organisierten Kriminalität „ist und bleibt“ die Grundvoraussetzung in der weiteren Zusammenarbeit, unterstrichen die SPD-Chefs König und Krach nach der Landesvorstandssitzung ihrer Partei.
Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr sagte: „Die Linke hat in Teilen ein Problem mit Antisemitismus.“ Die gemeinsame Erklärung sei aber gute Grundlage für eine Zusammenarbeit. Es gab bei dem Grünen-Treffen aber auch kritische Stimmen. So sagte ein Redner von der Basis, aus seiner Sicht sei die beabsichtigte Koalition mit einer nicht nur beim Thema Antisemitismus „unberechenbaren“ Linken ein „Himmelfahrtskommando“.
Debatte um Vergesellschaftung
Bundesweit umstrittenstes Vorhaben der drei Parteien dürfte die Vergesellschaftung von etwa 160.000 Wohnungen von fünf Konzernen sein. Eine solche Überführung in Gemeineigentum gegen Entschädigung wäre in Deutschland bislang einmalig. Ziel ist, durch mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt den zuletzt stetigen Anstieg der Mieten zu bremsen.
Die Entschädigungssumme für die Konzerne soll auf 16 Milliarden Euro begrenzt, mit Krediten finanziert und über Mieten refinanziert werden. Betroffen sein sollen private Firmen ab einem Bestand von 10.000 Wohnungen in Berlin. Einen Grundbestand von 10.000 Wohnungen dürften sie behalten.
Bundesweite Kritik
Am stärksten betroffen wäre der Immobilienkonzern Vonovia mit nach eigenen Angaben 130.000 Wohnungen in Berlin. „Wir sind überzeugt, dass eine Vergesellschaftung in der vorgelegten und geplanten Art und Weise verfassungswidrig ist und einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten würde“, teilte das Unternehmen mit. Um den Wohnungsmangel zu überwinden, brauche es erhebliche private Investitionen. Dafür seien Verlässlichkeit, Rechtssicherheit und ein stabiles Investitionsumfeld notwendig.
Auch Wirtschaftsverbände sowie Bundespolitiker von Union und SPD machen Front gegen die Pläne. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, sie sehe ganz klar eine „Gefahr für den Standort“, die weit über Berlin hinausgehe.
Grundlage für das Vorhaben wäre Artikel 15 des Grundgesetzes. Dort heißt es: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden.“ In der politischen Debatte ist oft von „Enteignung“ die Rede. Verfassungsrechtlich ist dies jedoch ein anderes Instrument.
Kommt ein Vergesellschaftungsverbot?
Die Bundesregierung hatte bereits im Juli beschlossen, dass sie Vergesellschaftung verhindern will. Bislang gibt es allerdings noch keinen Gesetzentwurf, sondern nur einen Beschluss des Koalitionsausschusses.
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