Sanierung statt Abriss: Bahnhof Erichshof ist gerettet

Stand: 26.09.2026, 19:00 Uhr

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Gerettet: Das historische Bahnhofsgebäude in Erichshof.

Gerettet: Das historische Bahnhofsgebäude in Erichshof. © Dierck Wittenberg

Investor Heiko Schierenbeck saniert den früheren Bahnhof in Weyhe-Erichshof. Das Gebäude galt als hoffnungsloser Fall. Jetzt wird daraus ein Wohn- und Geschäftsgebäude.

Erichshof – Jetzt, da aus der vermeintlichen Ruine ein Wohn- und Geschäftsgebäude wird, können sie es zugeben: Selbst im Weyher Rathaus hatten sie nicht recht daran geglaubt, dass jemand das verfallene Bahnhofsgebäude in Erichshof auch nur geschenkt haben will. Bürgermeister Frank Seidel spricht nun beim Pressetermin von einem Déjà-vu und vergleicht das Gebäude mit dem Sudweyher Bahnhof: Auch da hätten sich, so Seidel, Verrückte gefunden, als niemand mehr an eine Rettung geglaubt habe.

Der Verrückte im Fall des Erichshofer Bahnhofs ist Heiko Schierenbeck, Investor aus Weyhe. Er war einer von mehreren Interessenten, die sich nach einem Aufruf und Presseartikeln im Dezember 2023 das Gebäude näher angeschaut hatten. Ein Gebäude, aus dessen Dach ein Baum wuchs. Und über das Seidels Vor-vor-Gänger Frank Lemmermann 2013 gesagt hatte: „Wenn man da einen Stein rauszöge, könnte es passieren, dass das ganze Haus zusammenfällt.“ Das hätten sie ausprobiert, antwortet Schierenbeck nun. Das Haus ist stehen geblieben.

Und die von ihm beauftragten Handwerker hätten das Gebäude im Kern erhalten können. „Der Dachstuhl war nicht so schlimm wie gedacht“, sagt der Investor etwa. Die Dachkonstruktion habe ertüchtigt werden müssen, aber nicht komplett erneuert. Nicht ohne Stolz verweist Schierenbeck darauf, dass die Gestalt des Gebäudes die gleiche geblieben und der Charme erhalten worden sei. Ihm sei wichtig gewesen, ein zukunftsfähiges Gebäude zu schaffen, sagt er. Einerseits sei es ressourcenschonender, im Bestand zu sanieren als abzureißen und neu zu bauen. Andererseits müsse dann ein Hauptaugenmerk auf der energetischen Sanierung liegen.

Vorher: Der baufällige Zustand des Bahnhofsgebäudes im Dezember 2023.

Vorher: Der baufällige Zustand des Bahnhofsgebäudes im Dezember 2023. © Dierck Wittenberg

Hintergrund des Rettungsaufrufs, der nun in eine Sanierung gemündet ist, war der Ausbau der Straßenbahnlinie 8. Im Bereich des ehemaligen früheren Erichshofer Bahnhofs soll eine Haltestelle mit Bike-and-Ride-Anlage entstehen. Deshalb lautete die Alternative für das Bahnhofsgebäude: Abriss oder Sanierung. Wie viel die ihn letztlich gekostet hat, möchte Schierenbeck nicht preisgeben. Der Leester lässt aber durchblicken, dass ihn nicht allein betriebswirtschaftliche Überlegungen zu dem Projekt bewogen haben.

Nachher: Das sanierte Bahnhofsgebäude im September 2026.

Nachher: Das sanierte Bahnhofsgebäude im September 2026. © Dierck Wittenberg

Die Sanierung soll laut Schierenbeck im Dezember oder nach einer Winterpause im Februar abgeschlossen sein. Im Erdgeschoss entstehen auf 70 bis 80 Quadratmetern Büroräume, im Obergeschoss zwei kleine Wohnungen. Diese Aufteilung – unten wird gearbeitet, oben gewohnt – vergleicht der Investor mit der Nutzung, als das Gebäude noch als Bahnhof an der Kleinbahnstrecke diente.

Gut gelaunt: Investor Heiko Schierenbeck (M.) mit Weyhes Bürgermeister Frank Seidel (l.) und Stuhr Wirtschaftsförderer Peer Beyersdorff.

Gut gelaunter Baustellenbesuch: Investor Heiko Schierenbeck (M.) mit Weyhes Bürgermeister Frank Seidel (l.) und Stuhrs Wirtschaftsförderer Peer Beyersdorff. © Dierck Wittenberg

Ursprünglich war für das Erdgeschoss eine Bäckerei oder ein Café angedacht gewesen, was sich aber nicht umsetzen ließ. Zum einen wegen der vergleichsweise geringen Fläche. Zum anderen ist offenbar in der Nähe die Eröffnung eines Bäckereigeschäfts geplant. Generell kündigen die Gemeinden Stuhr und Weyhe eine Aufwertung des gesamten Bereichs im Zuge des Straßenbahnausbaus an. Der Bahnhof Erichshof und das daneben liegende Restaurant Roadhouse Route 6 gehören gerade noch zum Weyher Gebiet, direkt angrenzend beginnt Brinkum. Bei der Weyher Gemeindeverwaltung geht man davon aus, dass überwiegend Stuhrer die Haltestelle samt Stellplätzen nutzen werden. Stuhrs Wirtschaftsförderer Peer Beyersdorff spricht deshalb von einer guten Investition, die zudem etwas gegen den angespannten Wohnungsmarkt tue. „Mit eigenem Gleisanschluss“, merkt Schierenbeck an.