Stand: 16.10.2026, 06:30 Uhr
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Studierende sind bei der fünften Baumklettermeisterschaft in Göttingen angetreten. Erstmals waren auch Teilnehmer einer bayerischen Hochschule dabei.
Göttingen – Zwanzig Meter Seil, eine hohe Platane und jede Menge Geschick: Bei der fünften Baumklettermeisterschaft haben sich Studierende auf den Schillerwiesen in Göttingen gemessen. In schwindelerregender Höhe ging es nicht nur um Sekunden, sondern vor allem um die richtige Technik und Sicherheit.
Zum ersten Mal waren neben Studierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen auch Teilnehmer der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) aus dem bayerischen Freising dabei.
Fünf Disziplinen für angehende Baumexperten
Die angehenden Baumexperten traten in fünf Disziplinen gegeneinander an: Arbeitsklettern, Rettung, Schnellklettern, Einwerfen einer Wurfleine und Aufstieg am Seil. Zuschauer, die auf den Schillerwiesen unterwegs waren, konnten dabei beobachten, wie die Kletterer flink durch die Baumkronen turnten und sich scheinbar mühelos von Ast zu Ast bewegten.

„Dieses Jahr haben 18 Personen teilgenommen“, sagt Paula Donath, die Arboristik studiert und bereits zum dritten Mal bei der Meisterschaft dabei ist. Die Teilnehmer starteten in vier verschiedenen Wertungsgruppen.
Im Notfall zählt jeder Handgriff
Besonders anspruchsvoll ist die Rettungsdisziplin. Dabei müssen die Teilnehmer eine verletzte Person aus einem Baum retten. Entscheidend ist nicht allein, wie schnell sie das schaffen. „Bei der Rettungsstation geht es hauptsächlich darum, dass man sich an alle Rettungsschritte hält, gut kommuniziert und sich nicht selbst in Gefahr bringt“, so Donath.
Beim sogenannten „Work Climb“ simulieren die Teilnehmer in einer großen Platane typische Aufgaben aus dem Arbeitsalltag der Baumpflege. Sie müssen verschiedene Stationen im Baum erreichen und dabei ihre Klettertechnik unter Beweis stellen. Was für die Zuschauer spektakulär aussieht, verlangt den Kletterern einiges ab.
Kraft und Technik sind besonders beim Aufstieg gefragt. An einem frei hängenden Seil müssen die Teilnehmer möglichst schnell nach oben klettern und dort eine Glocke anschlagen. Rund 20 Meter ging es in die Höhe. „Das ist schon herausfordernd“, sagt Donath.
Der richtige Wurf entscheidet
Bei der Disziplin „Einwerfen“ kommt es dagegen auf Präzision an. Mit einem dünnen Seil und einem kleinen Wurfsack versuchen die Kletterer, einen geeigneten Ast zu treffen. Gelingt das, können sie daran das eigentliche Kletterseil in den Baum ziehen. Solche Ankerpunkte sind für die Arbeit in der Baumkrone unverzichtbar.
Beim Speed Climb steht schließlich die Geschwindigkeit im Mittelpunkt. An einem Kletterbaum müssen die Teilnehmer es schaffen, möglichst schnell nach oben zu gelangen. Gegen einen Absturz sind sie dabei mit einem Seil gesichert.
So unterschiedlich die fünf Disziplinen auch sind: Sicherheit hat immer Vorrang. „Baumpflege ist ein lebensgefährlicher Beruf“, betont Donath. Die Meisterschaft sollte deshalb nicht nur sportlichen Ehrgeiz wecken, sondern auch den sicheren Umgang mit der Seilklettertechnik fördern.
Am Ende gewonnen haben Vianne Kublick mit 94,33 Punkten aus der Flinta-Gruppe sowie Matthias Dülsner und Mathis Schwengels punktgleich mit jeweils 115,33 Punkten aus der Unisex-Gruppe.
Werbung für den Studiengang
Organisiert wurde der Wettkampf von Studierenden der Fakultät Ressourcenmanagement der HAWK, die auf dem Göttinger Nordcampus angesiedelt ist. Die ersten beiden Meisterschaften fanden im Levinpark in der Göttinger Weststadt statt. Seit der dritten Auflage ist die Veranstaltung auf den Schillerwiesen zu Hause. Dort kommen mehr Spaziergänger vorbei – und damit auch mehr potenzielle Zuschauer, die auf den Studiengang aufmerksam werden können.
In der Arboristik beschäftigen sich Studierende mit Bäumen und ihren Lebensbedingungen, mit Baumbiologie, Verkehrssicherheit, Pflegekonzepten und der Entwicklung urbaner Baumbestände. Die Seilklettertechnik ist zwar kein verpflichtender Bestandteil des Studiums. Viele Studierende bringen aber bereits Erfahrungen aus der Baumpflege mit oder erwerben die entsprechende Qualifikation parallel zum Studium.
Gültiges Zertifikat in Seilklettertechnik ist Voraussetzung
Voraussetzung für die Teilnahme an der Meisterschaft ist ein gültiges Zertifikat in Seilklettertechnik. Der Wettkampf verbindet damit praktische Erfahrung mit dem fachlichen Austausch zwischen Studierenden verschiedener Hochschulen.
Arboristik kann man in Deutschland nur an zwei Hochschulstandorten studieren: an der HAWK in Göttingen und an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising. Die Baumklettermeisterschaft bringt die Studierenden beider Standorte zusammen – und zeigt, wie viel Können hinter der Arbeit in luftiger Höhe steckt.