Sechs Häuser im Überschwemmungsgebiet gebaut – ohne Baugrenzen

Stand: 26.08.2026, 19:00 Uhr

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Unterstraße

Der Bebauungsplan für die Unterstraße wird erneut geändert, um dort einen Radweg und ein landwirtschaftliches Anwesen mit Gestüt schaffen zu können, aber auch um die Bäume auf dem Areal zu erhalten. © Mix

An der Unterstraße in Achim wurden Neubauten entgegen den Vorschriften errichtet. Auch die vorgeschriebenen vier Meter tiefen Vorgärten fehlen.

Achim – Das Erscheinungsbild der Unterstraße, einst Kern des sogenannten Bauernviertels in Achim, hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Besonders entlang des Kopfsteinpflasters unterhalb der St.-Laurentius-Kirche stehen jetzt eine Menge Neubauten. Und ein Teil dieser Häuser wurde entgegen der Vorschriften im Überschwemmungsgebiet der Weser errichtet. Das kam am Dienstag in der Sitzung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaschutz zur Sprache.

Das Gremium befürwortete mit insgesamt fünf Stimmen von CDU und SPD, den Bebauungs- und den Flächennutzungsplan für das Gebiet zu ändern, um dort am Rand des Landschaftsschutzgebiets einen Radweg anzulegen und an der Ecke Unterstraße / Zur Achimer Marsch ein Gestüt samt Wohnhaus zu ermöglichen. Wie die Stadtverwaltung in der Beschlussvorlage schreibt, soll damit zugleich gewährleistet werden, dass sich die zukünftige Bebauung mit einer um 50 Zentimeter auf 9,50 Meter angehobenen maximalen Firsthöhe in den vorhandenen Gebäudebestand und „in die dörfliche Ortsrandlage“ einfügt. Die Grünen stimmten dagegen, während sich Werner Wippler (SPD) und Hans Baum (FDP) der Stimme enthielten.

Der Abstimmung im Ausschuss ging eine lebhafte, kontroverse Debatte voraus. Wippler bemängelte, dass Verwaltung und Politik mit der Planung Sünden der Vergangenheit absegneten und neue begingen. Vor allem beanstandete er den vorgesehenen Bau des Radwegs „im Überschwemmungsgebiet“, der auf 350 Metern und 4,50 Meter breit, davon 3,50 Meter asphaltiert, hinter der Bebauung von Am Werder bis zur Dunkerstraße führen soll. Die Kosten für die vor allem für Schülerinnen und Schüler gewünschte „sichere Verbindung“ zwischen Bierden und dem Zentrum hat die Stadt noch nicht beziffert. Deutlich günstiger und einfacher wäre es, die Radfahrstreifen auf der Bremer Straße mit roter Farbe zu kennzeichnen, wie er vor drei Jahren vorgeschlagen habe, sagte Wippler.

Er könne dem „Vorwurf der Gefälligkeitsplanung“ nur zustimmen, hakte Sven Adamietz (parteilos) ein. Und die Stadt wolle auf 2.500 Quadratmetern einen Radweg im Landschaftsschutzgebiet bauen?

„Wir hätten auf der Unterstraße dafür eine Lösung finden können“, äußerte Baum. Dass Radfahrer auf der Holperstrecke auf den schmalen und damit für die Nutzer gefährlichen Fußweg auswichen, sei natürlich kein tragbarer Zustand. Aber von dem „musealen Pflaster“ hätte man sich aus seiner Sicht trennen können.

Die Umgestaltung der Unterstraße für den Radverkehr hätte auch viel Geld gekostet, wandte Jürgen Striedieck (CDU) ein. Und seine Fraktionskollegin Annameta Rippich machte sich dafür stark, „das historische Kopfsteinpflaster dort und an anderen Stellen in Achim auf jeden Fall zu erhalten“.

Der geplante Radweg ende an der Dunkerstraße „fast im Nichts“, kritisierte Jan Precht (Grüne). Solle die Schlagloch-Strecke den kleinen Hang hoch denn so bleiben? „Ich würde als Schüler, von Uphusen oder Bierden kommend, über diesen Weg nicht in Richtung Innenstadt fahren“, fügte er hinzu.

Werner Meinken (SPD) holte etwas weiter aus. Nach dem Abriss der alten Osmers-Hofstelle an der Unterstraße sei dort einiges in die falsche Richtung gelaufen. So habe der neue Eigentümer und Investor die Stadt umgangen und seine Bauvoranfragen gleich an den Landkreis, die Genehmigungsbehörde, gerichtet. „Wir hätten das mit scharfem Schwert verhindern können“, merkte Meinken an, ohne konkreter zu werden. Daraufhin seien sechs Häuser in das Überschwemmungsgebiet und ohne mindestens vier Meter tiefe Vorgärten, wie vorgeschrieben, in das Viertel geknallt worden. „Von der Verwaltung vorgegebene Baugrenzen wurden nicht eingehalten.“

Dass jetzt, anders als ursprünglich geplant, keine weiteren Reihenhäuser auf der freien Fläche an der Ecke zur Marsch mehr dazukommen, begrüßte Striedieck ausdrücklich. „Ich kann es nur unterstützen, dass dort wieder ein landwirtschaftliches Anwesen entsteht.“ Ein neuer Eigentümer will auf dem Gelände eine Pferdezucht in großem Stil aufziehen. Eine genaue Planung für die Gebäude und Anlagen gibt es allerdings noch nicht.

Martin Puls (parteilos) forderte die Mitglieder im Ausschuss und Rat auf, „Rückgrat zu zeigen“ und gegen das gesamte Projekt zu stimmen. Das wäre, wie er ergänzte, „im Sinne der Mehrheit der Bürger“.

Woher wolle er denn das wissen, fragte Michael Schröter (Grüne) spitz. Gut sei, dass über den geänderten Bebauungsplan immerhin die auf dem Areal noch vorhandenen Bäume geschützt werden könnten.