Seismische Messungen in Egling: Bürger fürchten Risse – Forscher können einige Ängste nehmen

Stand: 26.08.2026, 19:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Egling - Vibro Info-Veranstaltung

Kleine und große Anschauungsobjekte stellte das Forscherteam der Firma GIGA-M in Egling bereit. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Ab Ende August rollen Vibro-Trucks durch Egling, um thermalwasserführende Schichten zu finden. Anwohner sorgten sich bei einer Infoveranstaltung um ihre Häuser.

Egling – Weiße Trucks mit dicken Rädern werden ab Ende August langsam durch die Straßen Eglings rollen. Es handelt sich um sogenannte Vibro-Fahrzeuge. Sie senden Schallwellen in den Untergrund, um thermalwasserführende Schichten ausfindig zu machen. Die Vibrationen entsprechen etwa einem nahe vorbeifahrenden Zug. Die Gegend um München ist prädestiniert für die klimaneutrale Fernwärmeversorgung durch Tiefengeothermie. Vor Beginn der Messkampagne informierten Mitarbeiter der Firma GIGA-M, die das Forschungsprojekt leitet, sowie der Stadtwerke München (SWM), einem von mehreren Projektpartnern, die Bürger bei einer Veranstaltung auf dem Eglinger Sportplatz über das weitere Vorgehen. Einige Besucher äußerten Bedenken, dass ihre Häuser durch die „Rüttellaster“ Schaden nehmen könnten.

Egling - Vibro Info-Veranstaltung

Informierten sich über die bevorstehenden Vibroseismik-Messungen: Herbert Rueb (re.) sowie Birgit und Klaus Gänßbauer aus Deining. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Einige Bürger haben Bedenken

Vor 14 Jahren war das bei Seismik-Untersuchungen durch eine andere Firma nämlich schon einmal der Fall, sagt Herbert Rueb aus Deining. „Ich hab vom Rütteln Risse in der Wand gehabt“, beklagt er gegenüber Ilka Schulz von den Münchner Stadtwerken. Er habe das dem damals zuständigen Unternehmen gemeldet, aber keine Antwort bekommen. „Ich musste die Stellen dann selbst reparieren.“ Auch Birgit und Klaus Gänßbauer, ebenfalls aus Deining, machen Erschütterungen im Jahr 2012 für undichte Kellerschächte in ihrem Haus verantwortlich. „Die Gläser haben im Schrank gewackelt, der Putz ist von den Wänden gebröckelt. Fünf, sechs Monate später war nach einem starken Regen unser Keller vollgelaufen. Der Grund: Alle fünf Lichtschächte hatten Risse“, erinnert sich Birgit Gänßbauer noch genau. Gerade habe das Ehepaar das Erdgeschoss komplett renoviert: „Wir wollen so was auf keinen Fall nochmal erleben“.

Vibroseismik-Verfahren

Das Vibro-Fahrzeug sendet Schallwellen in den Untergrund. Die an den geologischen Schichten reflektierten Schallwellen werden durch vorher ausgelegte Erdmikrofone, sogenannte Geophone, aufgezeichnet. So entsteht ein dreidimensionales Bild, auf dem man den Verlauf und die Ausbildung von Gesteinsformationen, die Thermalwasser enthalten, erkennen kann. „Das ist ähnlich wie beim Ultraschall in der Medizin oder beim Echolot in der Schifffahrt“, erklärt Ilka Schulz, Geologin bei den Stadtwerken München. Sie spricht von einem „minimalinvasiven Eingriff“. Damit die Geophone platziert werden konnten, haben die Mitarbeiter des GIGA-M-Projekts die Erlaubnis der Grundstückseigentümer eingeholt. Etwa alle 25 Meter wird ein Gerät liegen. Die Trucks sollen Ende August mit der Arbeit beginnen und bis November durch die Gemeinden rollen.

Peter Frimmer aus Moosham betont gegenüber unserer Zeitung, dass der Umstieg auf regenerative Energien grundsätzlich zu begrüßen sei. Doch ein Messabschnitt in Moosham führe direkt über eine marode Wasserleitung. Frimmer weiß das, weil der Abschnitt bereits markiert wurde. Er möchte die Mitarbeiter von GIGA-M deshalb bitten, die Strecke nicht zu befahren, weil die Leitung sonst platzen könnte.

„Für Schäden kommen wir auf“

Ilka Schulz hört sich die Sorgen der Besucher an. Sie erklärt ihnen, dass jede Schallwellen-Messung von einer zusätzlichen Erschütterungsmessung begleitet werde. Die Person im Vibro-Truck senke eine Rüttelplatte ab und sende für etwa 60 Sekunden Schwingungen in den Untergrund. Eine weitere Person außerhalb des Fahrzeugs führe begleitende Messungen an unmittelbar angrenzenden Gebäuden durch. „Wir stoppen, lange bevor es in Richtung des zulässigen Grenzwerts geht“, versichert Schulz. Die Geologin sagt, dass bereits mehrere Seismik-Untersuchungen stattgefunden hätten, unter anderem mitten im Stadtgebiet von München: „Ganz vereinzelt kann einmal ein Riss an einem Gebäude auftreten. Aber das ist die absolute Ausnahme. Für eventuelle Schäden kommen wir auf.“ Einwände, wie den wegen des maroden Kanalrohrs, sollten die Betroffenen direkt an [email protected] schicken. „Wir schauen uns alles an“, verspricht Schulz‘ Kollege Michael Terkel. Selbstverständlich informiere sich die Firma IPS, die die Betretungs-Genehmigungen einhole, im Vorfeld über alle verlegten Sparten in den Untersuchungsgebieten.

Vor dem Start werden die Geophone ausgelegt. Gestartet wird in der Gemeinde Otterfing. Das Untersuchungsgebiet von GIGA-M umfasst rund 1000 Quadratkilometer und reicht bis nach Fürstenfeldbruck. Es handelt sich um eine der größten zusammenhängenden Landseismikmessungen Europas. Das Forschungsprojekt, dessen Daten allen beteiligten Kommunen zur Verfügung stehen sollen, kostet laut Schulz rund 20 Millionen Euro. Elf Millionen Euro übernimmt der Bund.

Eglings Bürgermeister Heiko Arndt schaute bei der Info-Veranstaltung vorbei. „Es gibt kein Schwarz-Weiß bei den regenerativen Energieformen, es ist immer ein bisschen Grau dabei“, meint er. Die Gemeinde wolle mit dem Thema Erdwärme offen umgehen. „Wenn man nichts probiert, gibt es auch keine Innovation“, findet der CSU-Politiker.

Bürger fühlen sich ernst genommen

Die Bürger gingen einigermaßen beruhigt nach Hause. „Wir fühlen uns schon ernst genommen“, sagen die Gänßbauers. Peter Frimmer meinte, er werde auf jeden Fall im Vorfeld Kontakt aufnehmen mit dem Unternehmen. Der Mooshamer besichtigte noch das ausgestellte Vibrofahrzeug samt Rüttelplatte und studierte die aufgestellten Infotafeln zur hydrothermalen Tiefengeothermie. „Das ist schon eine gute Sache“, sagte er. „Aber bis so ein Fernwärmenetz gebaut wäre, würde es sicher ewig dauern“. Ob er selbst davon noch profitieren könnte, bezweifelte er. Tanja Lühr