Hubbles Cold Case
Seltener Planet entdeckt, der aus Überresten seines toten Sterns entstand
Erstmals wurde ein Planet zweiter Generation gefunden, der um einen Weißen Zwerg kreist. Auch aus der Asche unserer Sonne könnte in ferner Zukunft eine zweite Generation an Planeten entstehen
Julia Sica
Es war eine außergewöhnliche Signatur, die dem jungen Astrophysiker Jamie Williams in alten Daten des Weltraumteleskops Hubble auffiel. Der "Cold Case" ist mehr als 25 Jahre alt. Die Daten stammen vom etwa 270 Lichtjahre entfernten Stern HS 0209+0832, der bereits am Ende seines Lebens steht. Als Weißer Zwerg ist er kein "richtiger" Stern mehr und leuchtet nur noch schwach, weil das Brennmaterial ausgegangen ist. Er hat er seine äußeren Hüllen abgestoßen und versammelt auf einer Größe ähnlich der Erde die Masse einer Sonne.
Williams analysierte die chemische Signatur des Weißen Zwergs, die damals nur teilweise identifiziert werden konnte, und stellte fest, dass sie seltsam aussah: Eine so große Menge des Elements Niob, eines auf der Erde seltenen Schwermetalls, war äußerst erstaunlich. Es handelte sich um das Tausendfache an Niob im Vergleich zu unserer Sonne.
Planetare Überraschung
Auch andere schwere Elemente wie Zink und Kupfer traten dort besonders häufig auf. Es war das erste Mal, dass Niob in einem Weißen Zwerg entdeckt wurde, heißt es in einer Aussendung der Universität Warwick in England. Dort forscht Williams als Doktorand in der Gruppe des deutschen Astronomen Boris Gänsicke, der ein hochdotiertes ERC-Projekt zu Weißen Zwergen leitet. Es liefert auch Erkenntnisse darüber, wie die Zukunft unserer Sonne aussehen dürfte.
Wie kommen die Schwermetalle nun in den mysteriösen Weißen Zwerg? Bekannt ist, dass diese Elemente unter Bedingungen entstehen, die nur kurz in sterbenden Sternen existieren – dann speit der Stern die Masse aus. Williams, Gänsicke und ihr Team beschreiben ihre Vermutung im Fachblatt Nature Astronomy: Aus diesem ausgeworfenen Material dürfte ein Planet entstanden sein, genauer gesagt, ein Gasriese. Aber weil dieser in enger Umlaufbahn um die Reste seines Sterns kreist, wandert Material vom Planeten zum toten Stern.
Leben nach dem Sternentod
Die Entstehung dieses Gasplaneten ist alles andere als gewöhnlich. Man spricht von Planeten der zweiten Generation – das sind "Welten, die sich aus dem Material bilden, das ein Stern bei seinem Tod abstößt", erklärt Jamie Williams. Normalerweise entstehen Planeten am anderen Ende der stellaren Lebenszeit, nämlich bei der Geburt eines Sterns aus der Materie, die um diesen kreist – so besagt es das übliche Modell, vereinfacht ausgedrückt.
Planeten der zweiten Generation sind "unglaublich selten", betont Williams, und er habe überhaupt nicht damit gerechnet, einen solchen um einen Weißen Zwerg zu entdecken. "Es ist ein bisschen so, als würde man einen Planeten finden, der aus der Asche genau des Sterns auferstanden ist, den er einst umkreiste."
Normalerweise wirft ein sterbender Stern seine Hülle symmetrisch ab, die allmählich in den Weiten des Alls verschwindet. Doch in diesem Fall könnte ein Begleitstern in diesem System das Material quasi auf eine Seite gezogen und in der Nähe des Weißen Sterns gehalten haben, sodass sich ein neuer Planet formen konnte.
Der Weiße Zwerg "kannibalisiert" nun also den jungen Gasriesen, der etwa so groß sein dürfte wie der Jupiter, wie Daten des Nasa-Satelliten TESS zeigen. Der tote Stern ist noch heiß genug, um die äußere Atmosphäre des Planeten gewissermaßen wegzukochen. Die verflüchtigten Materialien regnen daraufhin auf den Weißen Zwerg.
Weitere Planeten?
Obwohl der Gasriese seine Atmosphäre verliert, dürfte er nicht allzu schnell Geschichte sein, glaubt Williams. "Wenn es diesen Planeten der zweiten Generation gibt, halte ich es für wahrscheinlich, dass er überleben wird. Irgendwann wird sich der Weiße Zwerg abkühlen und dann eine konstante Temperatur beibehalten, sodass sich der Planet für Millionen von Jahren in seiner stabilen habitablen Zone befinden wird", wird der Wissenschafter in einer Aussendung der US-Weltraumbehörde Nasa zitiert.
Auch der leitende Astrophysiker Boris Gänsicke ist von der Beobachtung begeistert: "Das System hat sozusagen aus den Fundamenten der alten Welt eine neue geboren." Nun stelle sich die Frage, wie viele weitere solcher Planeten auffindbar sind. Er hält es für möglich, dass auch unser Sonnensystem eines Tages aus der Asche unserer Sonne Planeten der zweiten Generation gebiert. (Julia Sica, 6.10.2026)
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