Skandal-Derby: Polizei richtet Ermittlungsgruppe nach Pokal-Krawallen ein

Skandal-Derby Polizei richtet Ermittlungsgruppe nach Pokal-Krawallen ein

Mannheim · Die schlimmen Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Mannheim und Kaiserslautern sind noch lange nicht aufgearbeitet. Wie die Polizei vorgeht - und was der baden-württembergische Innenminister sagt.

03.09.2026 , 20:09 Uhr

Polizeieinsatz beim Pokalderby im Carl-Benz-Stadion. (Archivbild)

Polizeieinsatz beim Pokalderby im Carl-Benz-Stadion. (Archivbild)

Foto: Uwe Anspach/dpa

Nach den Krawallen im DFB-Pokalderby zwischen dem SV Waldhof und dem 1. FC Kaiserslautern hat die Polizei Mannheim eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Campus Ludi“ eingerichtet. Ihr gehören einer Pressemitteilung zufolge derzeit elf Beamtinnen und Beamte der Schutz- und Kriminalpolizei an.Ziel sei es, die zahlreichen Vorfälle umfassend aufzuarbeiten, vorhandene Informationen sowie Foto- und Videoaufnahmen zu sichten und auszuwerten sowie Tatverdächtige zu identifizieren und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Das Polizeipräsidium Mannheim bittet Zeugen um Foto- oder Videoaufnahmen von den Vorfällen und hat dafür ein entsprechendes Hinweisportal eingerichtet.

Zehn Aktionsfelder für sichere Stadien

Derweil stellte Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) den sieben Clubs des Landes aus den ersten drei Ligen ein Positionspapier vor. Es gehe um „zehn Aktionsfelder für sichere Stadien“, bei denen nachjustiert werden müsse. Die Vereine sollen unter anderem Einlasskontrollen verbessern, Ordnungsdienste stärken und Pyrotechnik „wirksam“ verhindern. Ziel sei, dass die Clubs Sicherheitskonzepte bei Hochrisikospielen konsequent umsetzen.

Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) will bei Hochrisikospielen für mehr Sicherheit sorgen.

Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) will bei Hochrisikospielen für mehr Sicherheit sorgen.

Foto: Tom Weller/dpa

Eine mögliche Kostenbeteiligung der Clubs an Polizeieinsätzen bei Hochrisikospielen, wie es etwa Bremen als bisher einziges Bundesland handhabt, thematisierte Hagel nicht. Stattdessen betonte er den Wert der 2017 eingeführten Stadionallianzen in Baden-Württemberg. Dabei arbeiten Polizei, Vereine, Kommunen und Fanprojekte zusammen, um vor Fußballspielen mögliche Risiken zu identifizieren. Die Stadionallianzen sorgten für „weniger Gewalt, weniger Kosten, weniger Personal, aber mehr Sicherheit“, betonte Hagel, „und das seit vielen Jahren“.

Dass die Stadionallianzen fortgesetzt werden, begrüßt auch die Deutsche Polizeigewerkschaft. Zugleich warnte der Landesvorsitzende aus Baden-Württemberg, Dirk Preiß, davor, „die Frage der Gebührenregelung auf die lange Bank zu schieben“. Gebühren für einen zusätzlichen, polizeilichen Aufwand bei Hochrisikospielen seien „auch eine Frage der Gerechtigkeit“.

35 von rund eingesetzten 1.400 Polizisten verletzt

Das Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen dem baden-württembergischen Drittligisten aus Mannheim und dem pfälzischen Zweitligisten hatte vor knapp zwei Wochen kurz vor dem Abbruch gestanden. Der 1:0-Auswärtssieg der Roten Teufel nach Verlängerung war im ausverkauften Carl-Benz-Stadion von Krawallen, Pyrotechnik und einem Platzsturm überschattet worden. 

Rund 1.400 Polizeibeamte waren im Einsatz, 35 davon wurden verletzt. Zudem mussten 85 Zuschauer medizinisch betreut werden, acht von ihnen seien zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gekommen. 

Der DFB hatte bereits unmittelbar nach Spielende auf die Ausschreitungen reagiert. „Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten“, hieß es in einer Stellungnahme auf Instagram.

© dpa-infocom, dpa:260903-930-628058/2

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