Zu viele Gänse? Hamburg greift zu drastischer Maßnahme

Hamburg

Sogar dem Schwanenvater reicht's: „Viel zu viele“ Gänse – drastische Maßnahme geplant

Eine Graugans und ihr Nachwuchs beim Grasen im Eichenpark an der Alster. Viele Menschen beschweren sich über den Kot auf den Wiesen.
Florian Quandt

Besonders rund um die Alster ist gerade alles voller Graugänse. Die Wiesen sind voller Kot, die Behörden sorgen sich.

Graugänse sind derzeit an vielen Gewässern der Stadt zu beobachten: auf der Alster und ihren Wiesen, an vielen Teichen im Zentrum und an den Kanälen. Dadurch sind viele Flächen und Stege vollgekotet und Ufersäume abgefressen. Be- oder verjagen will Hamburg die Wasservögel nicht, aber andere Maßnahmen sollen jetzt greifen. Gänsefüttern, beispielsweise mit Kindern, wird dann teuer.

Schwanenvater Olaf Nieß zählte zuletzt bei einer Tour auf der Alster 1674 Graugänse. „Viel zu viele“, sind der Experte und die Umweltbehörde sich einig. Die Zahl ist gerade im Juli besonders hoch, weil die Wasservögel während der Mauser verstärkt die Hamburger Gewässer aufsuchen.

Sie kommen aus dem direkten Umland und Schleswig-Holstein für die Mauser, weil sie während der Mauser ihre Schwungfedern wechseln und vorübergehend nicht fliegen können. In Hamburg gibt es nicht so viele Füchse und Raubvögel, die sie gefährden. Aber gerade wegen der Flugunfähigkeit dürfen sie auch nicht vertrieben werden!

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Stadt Hamburg verdoppelt das Bußgeld fürs Gänsefüttern

Deshalb ist schon seit Jahren ein „Gänse-Management“ für den Alsterraum geplant. Das ist komplex und muss Artenschutz, Tierschutz und Jagdrecht berücksichtigen. Und dafür bedarf es auch zunächst einmal Zählungen der Brut- und Mausergänse und einer Erfassung der tatsächlichen Schäden an der Ufervegetation. 

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Das ist teuer und kostet Zeit, und daher ergreift die Stadt nun zunächst einmal eine andere Maßnahme: Sie hat noch mehr Schilder aufgestellt, um auf das Fütterungsverbot von Wildtieren hinzuweisen. Und jetzt verdoppelt Hamburg die Bußgelder fürs Gänsefüttern!

Denn es soll sogenannte „Extrem-Fütterer“ geben. Bislang lag der Ermessensrahmen für Kontrolleure bei 25 bis 100 Euro. Künftig können Bußgelder bis zu 200 Euro verhängt werden.

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Katharina Fegebank, Senatorin der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Bukea) sagt dazu: „Futter aus falsch verstandener Tierliebe führt nicht nur zu massiven Problemen für Tiere, sondern verschlechtert auch den Zustand der Grünanlagen für alle Hamburgerinnen und Hamburger.“ 

Die Pressestelle der Bukea ergänzt: „In gravierenden Fällen können Bußgelder weit über den Regelsatz hinaus bis in den vierstelligen Bereich verhängt werden.“ Etwa bei uneinsichtigen Wiederholungsfütterern.

Besonders viele Graugänse sammeln sich derzeit an der Alster

Besonders viele Gänse sind im Bereich rund um die Alster unterwegs. Beschwerden gibt es laut Behörden von Besuchern der Stadtparkwiese, in den Grünanlagen Hufnerstraße, am Ohlsdorfer Bahnhof und an der Kuhmühle.

Graugänse im Eichpark; eine Person geht links am Rand vorbei.
Die Graugänse im Eichenpark haben wenig Scheu vor Spaziergängern.
Florian Quandt

Nach der Mauser verlassen die meisten Gänse die Stadt wieder, gemeinsam mit den Gänsen, die bereits zum Brüten hergekommen waren. Damit sind die Wasservögel aber gerade während des Sommers, wenn viele Hamburger sich am Wasser aufhalten, besonders präsent.

Ob die Tiere eine große Konkurrenz für Schwäne, Enten, Haubentaucher und andere Wasservögel sind, darüber sind sich die Experten nicht einig. Die Umweltbehörde weist das sogar zurück und sieht ganz andere Verursacher.

„Graugänse und andere Wasservögel wie Haubentaucher, Bless- und Teichrallen sowie Stockenten haben unterschiedliche Bruthabitate und Nahrungsquellen“, so die BUKEA in der Antwort auf eine Senatsanfrage.

„Es findet jedoch eine Verdrängung aller Wasservögel durch die zunehmende Freizeitnutzung auf Alster und Kanälen statt“, heißt es weiter. Hierzu existieren keine Bestandserhebungen, jedoch wenden sich regelmäßig besorgte Bürger an die Behörde und „melden die Zerstörung der Brutstätten von Wasservögeln durch Boote“.

Für die Zukunft werden gerade akustische und optische Vergrämungsmittel geprüft. Außerdem sollen Flächen künftig so gestaltet werden, dass sie für die Gänse weniger attraktiv sind. Schon jetzt werden Neuanpflanzungen mit Drahtkörben geschützt. Bejagen steht nicht zur Debatte, wegen der zentralen Lage der Gewässer in der Stadt und weil die Behörden auch davon ausgehen, dass die „öffentliche Akzeptanz“ dafür gering ist.