Stand: 23.08.2026, 08:00 Uhr
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Wie geht es mit dem Großmarktgelände in München weiter? Diese Frage haben sich auch sechs Studenten gestellt. Ihre Analyse zeigt spannende Ergebnisse.
Sendling – Es ist eines der bekanntesten Areale der Stadt. Von hier wird ganz Südbayern mit Lebensmitteln versorgt. Der Münchner Großmarkt: Um seine Zukunft wird seit Jahren viel diskutiert. Jetzt haben sich sechs Architekturstudenten der Hochschule München (HM) mit dem Areal befasst. Die Ergebnisse ihrer Semesterarbeit sind erstaunlich.

Großmarkt soll Standort in München verlassen – Studenten analysieren Areal in München
Die Stadt hat für das Gelände eigenen Angaben zufolge einen Zukunftsprozess gestartet. Geplant ist auf dem Sendlinger Areal ein urbanes, gemischtes Stadtquartier. Der eigentliche Großmarkt soll an einen anderen Standort ziehen. Aus internen Kreisen hieß es Anfang Juli, dass ein neues Areal entstehen soll. Es sei noch nichts endgültig beschlossen. Sicher sei aber: Die Hallen sollen nicht im Stadtgebiet gebaut werden, sondern im Landkreis. Eine Lage im Münchner Nordosten sei aufgrund des Ostkreuzes an der A99 und A94 äußerst attraktiv. Laut Händlerschaft kommen eventuell auch Standorte im südlichen Umland infrage.
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Hier setzt die Idee der Studenten an: aus dem heutigen Großmarkt ein vielfältig gemischtes Stadtquartier zu machen. „Nachdem das bisherige Vergabeverfahren aufgehoben wurde und die Stadt München eine erneute, ganzheitliche Betrachtung des Areals angekündigt hat, möchten wir mit unserer Planung exemplarisch zeigen, wie der Großmarkt anders weitergedacht werden könnte“, sagt Tobias Möndel. Der Schreinermeister und Architekturstudent hat das Gelände gemeinsam mit Antonio Rivoli, Nina Leyding, Theresa Endlinger, Johannes Kühne und Malte Kauschuss über das vergangene Sommersemester analysiert.
Aus Großmarktgelände in München soll Stadtquartier werden – Thalkirchner Straße wird wieder geöffnet
Die Semesterarbeit der sechs Studenten sieht das heutige Großmarktgelände in Sendling als produktives Stadtquartier. „Wohnen, Handwerk, Produktion, Kultur und soziale Nutzungen werden nicht voneinander getrennt, sondern miteinander verbunden“, sagt Möndel. Öffentlich zugängliche Erdgeschosszonen böten Platz für Werkstätten, Ateliers, Gewerbe und gemeinschaftliche Angebote, während darüber neuer Wohnraum entstehe. Nach Angaben des 26-Jährigen waren die Studenten für ihre Arbeit insgesamt auch 35 bis 40 Stunden vor Ort im Quartier und haben sich dort alles zeigen und erklären lassen.
Gegliedert haben die Studenten das Gebiet in vier Teilbereiche. Die denkmalgeschützte Großmarkthalle könne als Stadtbibliothek und Kulturzentrum weitergenutzt werden. Davor entstehe ein aufgelöster Blockrand mit einem Handwerkerhof. Der bestehende Großmarkt soll zunächst in zwei bestehende Hallen verlagert werden. Die frei werdende Fläche diene vorübergehend als Busbahnhof, Grün- und Retentionsfläche und könne später nachverdichtet werden, falls der Großmarkt vollständig weiterziehe.

Im Bereich der großen Produktionshallen Richtung Isar bleiben die bestehenden Hallen möglichst erhalten und werden nach außen durch neue Gebäude und Nutzungen ergänzt. Die Thalkirchner Straße wird als öffentlicher Durchgang durch das Quartier wieder geöffnet. An mehreren Orten entstünden laut Möndel Dorfplätze als Treffpunkte. Auch das Thema Schwammstadt wurde berücksichtigt. Teilbereiche des Areals werden entsiegelt und als Grün-, Versickerungs- sowie Retentionsflächen ausgebildet. Abhängig von Baumart, Größe und Entwicklungspotenzial, gehen die Studenten „von etwa 250 bis 350 neu gepflanzten Bäumen aus“.
Drei 60-Meter-Hochhäuser sollen auf Großmarktgelände entstehen
Entlang der Bahngleise bilde eine markante Wohnscheibe den räumlichen Rücken des Quartiers. Dieses Gebäude könnte laut Möndel 60 Meter hoch sein und 21 Stockwerke haben. „Nach unseren Berechnungen könnten dort rund 600 bis 800 studentische oder geförderte Wohneinheiten entstehen.“ Damit greife der Entwurf auch die Knappheit an bezahlbarem und studentischem Wohnraum in München auf.

Ein Blick auf den Entwurf zeigt zwei weitere, ähnlich hohe Gebäude. „Je nach Konfiguration, Wohnungstypologie und Wohnungsgröße wären nach unserem Entwurf im gesamten Quartier bis zu circa 2000 Wohnungen möglich“, betont Möndel. Dem 26-Jährigen ist die kritische Münchner Haltung zu Hochpunkten im Stadtgebiet bewusst. „Die Türme wurden von uns mit am meisten diskutiert“, sagt er.
Studentischer Entwurf für Großmarktgelände soll Denkanstoß sein – landet Projekt bei der Stadt?
Möndel betont aber auch: „Mit unserem studentischen Entwurf möchten wir keinen fertigen oder perfekten Masterplan für das Münchner Großmarktareal präsentieren. Er soll ein Denkanstoß sein.“ Die Studenten wollen „den öffentlichen Diskurs über die Zukunft dieses besonderen Ortes neu anregen und das große Potenzial des Areals wieder stärker in das Bewusstsein von Stadtpolitik, Stadtverwaltung und Münchner Stadtgesellschaft rücken“.

Dass das Projekt gut durchdacht ist, zeigt dessen Bewertung. Ihre Semesterarbeit erhielt die Bestnote 1,0, erklärt Möndel glücklich. Sie landet nun im Jahresbuch der Fakultät für Architektur der HM. Darin werden repräsentative Ergebnisse von Lehrveranstaltungen aus dem Winter- und Sommersemester gezeigt. Diese würden auch an die Stadt herangetragen, sagt der Student. Die Chance, dass die Münchner Stadtplaner den Entwurf sehen, steht also nicht schlecht. (Quellen: Gespräch mit Tobias Möndel, eigene Recherche) (bes)