Sologamie-Trend: „Go, Trabi, go“-Star Claudia Schmutzler heiratet sich selbst

Sie kam ganz in Weiß, hatte einen bunten Brautstrauß dabei und viele Gäste. So trat die Schauspielerin Claudia Schmutzler am 18. September vor den Traualtar. Nur der Bräutigam fehlte. Der Ost-Star aus dem Kinohit „Go, Trabi go“ heiratete sich selbst.

Was viele für einen Scherz halten könnten, ist ein neuer Trend, den Sängerin Selena Gomez öffentlich setzte. Sie heiratete sich 2022 ebenfalls selbst. Der erste Fall der Selbstheirat geht sogar bis ins Jahr 1993 zurück.

Bei Claudia Schmutzler lag die „Hochzeit“ einen Tag vor ihrem 60. Geburtstag. Sie schreibt auf ihrem öffentlichen Instagram-Profil: „Ich habe herausgefunden, Wer ich wirklich bin. Und ich habe begriffen, dass das Glück nichts ist, was einem widerfährt. Es ist eine Lebensart. Auf jeden Fall MEINE.“ Dazu sieht man sie strahlend im Brautkleid, die Gäste halten den Moment mit Handies fest.

Zur Bildergalerie der „Hochzeitsfotos“ läuft der soulige Song des KI-Musikprojektes Inga Rose „Celebrate me“, dessen Text offensichtlich die Intention der Eheschließung untermauert: „Wenn ich mich in meinem Leben umschaue, auf alles, was ich war, jede Narbe, jeder Fehler. ... lebe ich noch, finde weiter meinen Weg... Keiner klatscht für mich, also beklatsche ich mich selbst. (...) ich feiere mich und alles, was ich durchgemacht habe.“

Denn auch Claudia Schmutzler kann auf Höhen und Tiefen ihrer Karriere zurückblicken. Nach der Paraderolle als Jacqueline Struutz („Go, Trabi go“), die sie deutschlandweit bekannt machte, folgten ab 1996 acht erfolgreiche Jahre als Schwester Stefanie in „Für alle Fälle Stefanie“. Von 2005 bis 2018 wirkte sie bei „SOKO Wismar“ mit. Als das Aus kam, sagte Schmutzler damals in einem Interview: „Ich dachte, ich werde da alt und habe mir schon Gedanken darüber gemacht, wie das ist, wenn mich der Zuschauer in Würde altern sieht.“

In der „WebTalkShow“ mit Moderator Nico Gutjahr gab Claudia Schmutzler 2024 zu, dass sie Schwierigkeiten habe, gebucht zu werden. „Ich spiele mittlerweile alles. Ich möchte mit meinem Beruf Geld verdienen. Ich möchte in meinem Beruf sein. Ich liebe meinen Beruf“, betonte sie. Sie flehte förmlich um neue Rollen: „Schreibt mir bitte eine Geschichte. Ich versehe sie mit Ecken und Kanten, gieße meine ganze Persönlichkeit hinein – aber lasst mich verdammt noch mal spielen!“

Doch die Drehbücher wurden immer weniger. Dafür spielt Schmutzler regelmäßig Theater, ab 24. November beispielsweise in der Dresdner Comödie die Hauptrolle in „Winterspeck“. Dazu entwickelte sie neue Talente, schrieb das Buch „Starke Frauen (Männer ausdrücklich erwünscht)“ und ging damit auf Lesereise. Sie gibt Personalcoachings und kreiert floristische Gestecke.

Was ist Sologamie

Die erste Selbsthochzeit fand, laut mehreren Quellen, bereits 1993 in Kalifornien statt. Die Personalmanagerin Linda Baker gab sich anlässlich ihres 40. Geburtstags damals das Ja-Wort vor sieben Brautjungfern und 75 Gästen. Sie schwor vor Freunden und Familie, gut für sich selbst zu sorgen.

Selena Gomez bekannte sich 2022 auch symbolisch zu sich selbst, heiratete letztes Jahr dann offiziell einen Musikproduzenten.

Selena Gomez bekannte sich 2022 auch symbolisch zu sich selbst, heiratete letztes Jahr dann offiziell einen Musikproduzenten.

© IMAGO/RW/Mediapunch

Der Trend der Selbsthochzeit wird als Sologamie bezeichnet, soll ein öffentliches Bekenntnis zur Selbstakzeptanz und Selbstliebe sein. Es gilt auch als bewusstes Statement gegen gesellschaftlichen Druck, heiraten oder in einer Partnerschaft leben zu müssen. Häufig geht es darum, sich selbst zu verpflichten, gut für sich zu sorgen, und den eigenen Wert nicht von einer Paarbeziehung abhängig zu machen.

2003 griff die erfolgreiche TV-Serie „Sex and the City“ das Thema auf. Der letzte Fall, der weltweit durch die Medien ging, war eine Art Hochzeitsparty der US-Sängerin Selina Gomez anlässlich ihres 30. Geburtstages. Sie trug ein pinkes Hochzeitskleid und einen symbolischen Ring – den sie jedoch vor einem Jahr gegen einen echten Ehering mit Musikproduzent Benny Blanco eintauschte.

Die „Ehe“ hat keinerlei gesetzliche Wirkung, sie wird auch nicht in einem Standesamt vollzogen. Die Person bleibt ledig – mit allen Konsequenzen für Steuer- und Erbrecht.

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