(+) Hamburgs Nachtbeauftragter ist plötzlich weg

Hamburg

Stadt spart sich den Nachtbeauftragten - dabei gibt's ständig Ärger

Sascha Bartz ist hauptberuflich Architekt und kümmerte sich bis November 2025 als Nachtbeauftragter um das Zusammenleben auf St. Pauli.
Florian Quandt

Wenn sich auf St. Pauli oder in Altona Anwohner und Barbetreiber über Lärm streiten, ist das ein Fall für den Nachtbeauftragten. Jetzt droht das Aus.

Er vermittelt, wenn nichts mehr geht: Vor etwa zwei Jahren hat der Bezirk Hamburg-Mitte einen Nachtbeauftragten für St. Pauli eingesetzt. Das Projekt lief so erfolgreich, dass es in diesem Jahr auf Altona ausgeweitet wurde. Doch seit wenigen Wochen ist Schluss. Jetzt appellieren die Regierungsfraktionen aus beiden Bezirken gemeinsam an den Senat.

„Wenn man ihm Bescheid gibt, kümmert er sich immer“, sagt eine Anwohnerin auf St. Pauli der MOPO, die anonym bleiben möchte. „Das Projekt ist einfach sang- und klanglos verschwunden. Jetzt können die Leute wieder sehen, wie sie zurechtkommen.“ Die Rede ist vom Nachtbeauftragten.

Bisher kümmerte sich Sascha Bartz, hauptberuflich Architekt, mit seinem Team von „Dein Quartier“ in dieser Funktion um das Zusammenleben auf St. Pauli und in Altona. Noch im Sommer warnte er in der MOPO vor den Gefahren durch Autoposer in der Schanze. Doch warum ist jetzt Schluss?

Finanzierung des Nachtbeauftragten wackelt

Die Stelle war 2024 als Pilotprojekt gestartet, nachdem sich ein Streit zwischen Anwohnern und Gastronomen auf St. Pauli zugespitzt hatte. Finanziert wurde die Stelle jeweils befristet aus Mitteln der Bezirke. Im Frühjahr wurde das Projekt noch einmal verlängert und auf Altona ausgeweitet. Hamburg-Mitte zahlte rund 20.000 Euro, Altona rund 40.000 Euro. Am 30. September lief die Finanzierung aus.

Die Vorstellung der Nachtbeauftragten 2024: Stefan Sousa (SPD), Julia Staron vom BID Reeperbahn, Arne Platzbecker (SPD), Bezirksamtschef Ralf Neubauer (SPD), Nachtbeauftragter Sascha Bartz, Lars Schütze (IG St. Pauli) und Stadtteilpolizist Christian Killmaier (v.l.)
Bezirksamt Hamburg-Mitte

Die Regierungsfraktionen in beiden Bezirken – SPD, Grüne und CDU in Altona und Mitte sowie die FDP in Mitte – fordern nun den Senat zum Handeln auf. Zwar sei das Projekt beendet, der Bedarf an Ansprechpartnern bestehe jedoch weiterhin.

Der Nachtbeauftragte habe sich als „niedrigschwelliger Ansprechpartner für Anwohnende, Gastronomie und Nachtkultur bewährt“. Konflikte könnten so frühzeitig entschärft werden. Seit 2024 stellten die Bezirke insgesamt rund 180.000 Euro für das Projekt bereit. Eine Anschlussfinanzierung sei jedoch „derzeit nicht gesichert“.

Die Fraktionen fordern vom Senat deshalb eine dauerhafte Finanzierung auf Landesebene. Denkbar seien eine Beteiligung der zuständigen Fachbehörden oder Mittel aus der Kultur- und Tourismustaxe. Die Finanzierung könne langfristig nicht allein Aufgabe der Bezirke sein.