Publiziert21. August 2026, 07:38
SchweizStudie warnt: Neues AKW könnte bis zu 43 Milliarden Fr. kosten
Ein neues AKW könnte die Schweiz laut einer Studie der Akademien der Wissenschaften im schlechtesten Szenario bis zu 43 Milliarden Franken kosten. Befürworter halten dagegen, dass Kernkraft die Versorgung absichern könnte.

Darum gehts
- Die Akademien der Wissenschaften Schweiz schätzen die Kosten für ein neues AKW auf 14 bis 43 Milliarden Franken.
- ETH und Axpo halten unter günstigen Voraussetzungen auch rund acht Milliarden Franken für möglich.
- Laut der Studie dürfte der Staat einen erheblichen Teil des finanziellen Risikos tragen – im zweistelligen Milliardenbereich.
Was würde ein neues Kernkraftwerk in der Schweiz tatsächlich kosten? Nach Axpo und ETH legen nun auch die Akademien der Wissenschaften eine Schätzung vor. Und die fällt deutlich höher aus: Je nach Szenario rechnen die Forscher mit Gesamtkosten zwischen 14 und 43 Milliarden Franken, wie SRF berichtet.
Der grosse Unterschied zu anderen Berechnungen liegt unter anderem bei der Finanzierung. Die Studie berücksichtigt neben den eigentlichen Baukosten auch die Kosten für die Beschaffung des benötigten Kapitals. Diese könnten ein neues AKW um weitere 20 bis 30 Prozent verteuern.
ETH und Axpo rechnen auch mit acht Milliarden
Das günstigste Szenario der Akademien von 14 Milliarden Franken liegt ungefähr in der Grössenordnung anderer Studien. ETH und Axpo halten allerdings unter günstigen Voraussetzungen auch Kosten von rund acht Milliarden Franken für möglich.
Dahinter steht die Annahme, dass neue Kernkraftwerke mit zunehmender Erfahrung günstiger gebaut werden können. Die Akademien beurteilen diese Hoffnung skeptischer und verweisen auf bisherige Erfahrungen.
«Die beobachteten Kosten sind von Kraftwerk zu Kraftwerk angestiegen. Die Branche hingegen erwartet, dass von Kraftwerk zu Kraftwerk die Kosten sinken», sagt Urs Neu, Leiter der Energiekommission der Akademien der Wissenschaften Schweiz.
Staat müsste erhebliches Risiko übernehmen
Entsprechend gross ist die Unsicherheit. Im schlechtesten untersuchten Szenario könnte ein neues AKW bis zu 43 Milliarden Franken kosten.
Damit stellt sich auch die Frage, wer das Risiko von Kostenüberschreitungen übernimmt. Laut der Studie beteiligten sich private Investoren in den vergangenen Jahren weltweit nur noch an solchen Grossprojekten, wenn der Staat einen erheblichen Teil der Risiken trug.
Auch bei einem Schweizer Neubau dürfte dieses Risiko damit beim Staat liegen. Allein das finanzielle Risiko möglicher Mehrkosten bewegt sich laut der Studie im zweistelligen Milliardenbereich.
Befürworter warnen vor Abhängigkeit von Importen
Befürworter neuer AKW halten den hohen Kosten andere Vorteile entgegen. ETH-Professor Horst-Michael Prasser warnt etwa davor, die Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien auszurichten, wie er gegenüber 20 Minuten sagte.
Eine solche Energiewende könnte seiner Ansicht nach an technischen, wirtschaftlichen oder Akzeptanzproblemen scheitern. Kernkraftwerke könnten dagegen über Jahrzehnte rund um die Uhr Strom liefern und seien nicht auf zusätzliche Speicher angewiesen. Gerade im Winter und für die Industrie sei eine solche verlässliche Produktion wichtig. Zudem bezweifelt Prasser, dass sich die Schweiz in einer europaweiten Strommangellage auf Importe verlassen könnte.
Wie stehst du zum Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz?
Ich bin dafür, da wir eine sichere Stromversorgung brauchen.
Ich bin dagegen, da die Kosten und Risiken viel zu hoch sind.
Ich bin zwiegespalten – einerseits brauche ich Sicherheit, andererseits schrecken mich die Kosten ab.
Ich finde, wir sollten uns ausschliesslich auf erneuerbare Energien konzentrieren.
Ich kann das nicht beurteilen.
Auch beim Klimaschutz sieht Prasser Vorteile. Kernenergie verursache im Betrieb kaum CO₂ und benötige pro produzierter Kilowattstunde vergleichsweise wenig Fläche und Material. Staatliche Unterstützung für neue AKW hält er deshalb grundsätzlich für vertretbar, insbesondere wenn gleichzeitig erneuerbare Energien gefördert werden.

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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