Eine Buchbesprechung über fünf Runden: «The Steps» von Sylvester Stallone:

Sylvester Stallone vs. die Autobiografie: Kann der Actionheld die schwierige Form bezwingen?

Eine Buchbesprechung über fünf Runden.

04.10.2026, 05.30 Uhr

3 Leseminuten


Versucht mit seiner Prosa zu punkten: Sylvester Stallone präsentiert seine Autobiografie «Steps», 28. September 2026.

Versucht mit seiner Prosa zu punkten: Sylvester Stallone präsentiert seine Autobiografie «Steps», 28. September 2026.

Jason Mendez / Getty

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In der blauen Ecke der Herausforderer: Sylvester Stallone. Der Held des Hollywoodkinos hat mit 80 Jahren sein Leben aufgeschrieben. In der roten Ecke: die Autobiografie. Die Titelhalterin also, die alles gesehen hat, von Röbi Koller bis Winston Churchill, und an der so viele schon gescheitert sind. Und da ertönt auch bereits der Gong!

Runde eins, der Inhalt. Stallone holt weit aus, erzählt ausführlich, beginnend mit der Geburt. Damals, als er mit der Zange am Kopf falsch angefasst worden war. «Ich behielt diesen schiefen Mund und eine dauerhafte Beeinträchtigung beim Sprechen.» Er berichtet von seiner Kindheit in New York. «Mein Vater war ein sehr harter Mann. Er führte ein hartes Leben. Er arbeitete hart.» Der Autor nimmt sich viel Zeit und erzählt über 350 Seiten en détail. Noch der grösste Rambo-und-Rocky-Connaisseur dürfte in «The Steps. Die Geschichte meines Lebens» auf bisher Unbekanntes stossen. Die erste Runde geht damit an Stallone, der locker durch den Ring tänzelt und angriffslustig seine Fäuste kreisen lässt.

Runde zwei, die Spannung. Dieses Buch zieht sich hin. Weil der Verfasser sein Leben nicht in eine geschmeidige Form gebracht hat, sondern getreulich rapportiert. Noch ein Casting, das misslingt. Eine weitere Begegnung mit einem üblen Typen in einem kuriosen Nebenjob. Das ermüdet. Die Autobiografie zeigt Stallone erstmals die Grenzen auf.

Seine berühmteste Rolle: Sylvester Stallone als «Rocky» im gleichnamigen Film von 1976.

Seine berühmteste Rolle: Sylvester Stallone als «Rocky» im gleichnamigen Film von 1976.

UNITED ARTISTS / Album

Runde drei, der Stil. Über weite Strecken erzählt Stallone die Geschichte eines Losers. Bis zum 30. Lebensjahr, bis zum ersten «Rocky»-Film gelang ihm wenig, eigentlich nichts. Stallone offenbart Einsamkeit und Selbstzweifel, Geldnot und verpatzte Auftritte. Das klingt authentisch und ist durchaus eindrücklich. Doch hätten etwas mehr Leichtigkeit, ein wenig Selbstironie dem Text gutgetan. Eine ausgeglichene Runde.

Das Cover von «The Steps».

Das Cover von «The Steps».

William Morrow via AP

Runde vier, das Timing. Hat die Welt auf dieses Buch gewartet? Eher nicht. Sylvester Stallone schwelgt in der verblassten Epoche von Hollywood in seiner Blütezeit. Und wie Rocky kann oder will er nicht über sein Einzelschicksal hinausblicken, es in einem grösseren Kontext wie der heutigen oder damaligen Gesellschaft oder Politik sehen. «Rocky versucht nicht, die grosse, weite Welt zu verändern», erklärt Stallone – und verpasst es erneut, zu punkten.

Runde fünf, die Botschaft. Just do it. Never give up. Und so weiter. Man kennt es. Klar, hier wird nochmals die altbekannte, uramerikanische Geschichte erzählt, wie einer von ganz unten bis nach ganz oben durchkommt. Stallone ist Rocky, und Rocky ist Stallone. «Wenn ich in diesem harten Geschäft irgendetwas erreichen wollte, musste ich mir meine grosse Chance selbst verschaffen.» Das ist mitunter rührend, vor allem aber ist es sehr vorhersehbar.

Fazit: Sylvester Stallone unterliegt im Kampf mit der schwierigen Form der Autobiografie nach Punkten. «The Steps» ist deshalb kein schlechtes Buch. Es ist aber definitiv auch keines, das man als Nichtfan gelesen haben muss.

Sylvester Stallone: The Steps. Die Geschichte meines Lebens. Aus dem Englischen von Henning Dedekind, Heike Maillard und Maria Zettner. C. Bertelsmann, 352 Seiten.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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