Ein Fonds voller Swissness – ohne die bekanntesten Schweizer Marken

Warum Linth, Swisscom oder Swatch in diesem neuen Schweizer Aktienfonds nichts verloren haben

Ein gerade lanciertes Anlageprodukt setzt auf radikale Swissness – und schliesst so ausgerechnet die bekanntesten heimischen Aushängeschilder aus.

04.10.2026, 05.30 Uhr

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Die Aktien der Rhätischen Bahn sind Teil des «Schweiz-Fonds».

Die Aktien der Rhätischen Bahn sind Teil des «Schweiz-Fonds».

NZZ

Vielleicht sind wir manchmal etwas einseitig. In dieser Kolumne schreiben wir viel über das Investieren mit ETF – also kostengünstigen, börsenkotierten Anlagevehikeln, die einen breiten Markt abbilden. Ich persönlich finde das ein ergiebiges Thema, denn so etwas wie passives Investieren gibt es gar nicht. Je nachdem, welche Indizes Investoren mit ETF abbilden, erhalten sie ein komplett anderes Portefeuille.

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Es geht dann nicht mehr darum, welche Aktie besser ist – Novartis oder Nestlé. Wichtiger ist die Frage, wie viel Gewicht Schweizer Aktien überhaupt im Depot haben sollen. Und ob man nur Grossfirmen berücksichtigen will oder auch kleinere Titel. Das sind für mich die entscheidenden Fragen, die über Risikoprofil und Performance entscheiden. Auch passives Investieren will gut überlegt sein.

Der Siegeszug der ETF hat aktive Fondsmanager stark unter Druck gesetzt. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch. Mir zumindest fallen in letzter Zeit vermehrt Produktinnovationen auf. Eine davon möchte ich hier herausheben, weil sie einen Nerv treffen könnte.

Am 1. Oktober ist der «Schweiz-Fonds» lanciert worden. Vielleicht wäre der 1. August ein passenderes Datum gewesen, denn dieses Produkt investiert in Aktien von Unternehmen, die sich bei ihrer Geschäftstätigkeit fast komplett auf die Schweiz fokussieren. Ausgewählt werden nur Unternehmen, die mindestens 90 Prozent ihrer Wertschöpfung in der Schweiz erzielen, gemessen an Produktion, Umsatz, Bilanzsumme, verwalteten Vermögen oder Liegenschaftswert.

Die meisten börsenkotierten Firmen können diese Hürde nicht nehmen. Sunrise beispielsweise ist in dem Fonds drin, Swisscom dagegen nicht, dem Namen zum Trotz. Das Unternehmen ist ja auch in Italien tätig. Schokolade oder Uhren stehen zwar für Swissness, aber ihre Hersteller qualifizieren sich wegen ihres Exportgeschäfts nicht für den Schweiz-Fonds.

Das schränkt die Auswahl möglicher Titel natürlich massiv ein, zumal «strenge» Ausschlusskriterien auch noch Unternehmen eliminieren, die sich nicht an Tier- und Naturschutzstandards halten. Wer den Schweiz-Fonds wählt, ist dafür keinen Wechselkursrisiken ausgesetzt und muss sich auch nicht mit der geopolitischen Grosswetterlage befassen. Wenn Trump aus einer Laune heraus neue Zölle beschliesst, so be it.

In dem Fonds gibt es vor allem regional tätige Banken, Immobilienfirmen und Bergbahnen und daneben ein paar wenige Unternehmen aus anderen Sektoren wie etwa die Swiss Marketplace Group (Internet-Marktplätze), Burkhalter und die Meier Tobler Group (beide Gebäudetechnik) oder das Beratungsunternehmen VZ Vermögenszentrum. Bei einer Reihe der Titel handelt es sich zudem um ausserbörslich gehandelte Aktien wie etwa die Pilatus- oder die Rigi-Bahnen oder die Weisse Arena Laax.

Diese Kombination macht den Schweiz-Fonds einzigartig. Ich persönlich würde ihn zwar nicht kaufen: Der Fokus ist mir viel zu eng, und die 1,5 Prozent Gebühren, welche Privatanleger berappen müssen, finde ich happig. Aber der Ansatz ist innovativ, und das Narrativ stösst bei manchen Anlegern bestimmt auf Interesse.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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