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Tacos Hermanos: Ich druck' dir ein paar Tacos, Bruder!
Die genialen Taco-Standler vom Naschmarkt haben jetzt ein eigenes Lokal mit riesigem Gastgarten. Die Schlange steht aber immer noch
Severin Corti
Es gibt so Lokale, da ist der Gästedruck immer enorm, recht egal, wie viel Platz sie bieten. Bei Tacos Hermanos etwa war Schlange von elf in der Früh bis ausverkauft, solange sie ihr mexikanisches Streetfood noch aus einem Standl verkauften, ganz buchstäblich von der Grillplatte auf die Hand. Seit ein paar Wochen sind die Buben rund um Laurenz Baldecchi aber in die zentrumsnahe, sehr beschauliche Kolingasse umgezogen. Da haben sie ein Souterrainlokal mit großen Fenstern, ist richtig schön geworden, aktuell bietet aber der Gastgarten (riesig!), mit großen Schirmen unter den alten Bäumen, die attraktiveren Tische. Voll sind sie drinnen wie draußen. Und beim Eingang steht immer noch die Schlange.
Dabei kann man nicht behaupten, dass die Stadt an Taco-Unterversorgung leidet, zuletzt haben sogar die Nenis ein entsprechendes Outlet am Donaukanal lanciert. Aber die Hermanos machen halt einiges richtig, vom engagierten, charmanten, fixen Service über kompetitive Preise bis zu den ordentlichen Grundprodukten. Die Tacos werden auch in der neuen Location frisch aus dem nixtamalisierten Maisteig Masa gepresst, auch die Chorizos sind selbst gewurstet – und an den in Mexiko allgegenwärtigen Innereien haben sie auch ihre Freude. Zunge ist regelmäßig auf der Karte, Hirn wird zumindest überlegt. Was sonst noch gut kommt: Trotz Professionalisierung hat sich das Team die Freude an der Improvisation erhalten, wenn etwa der Latino-Funk aus einem kleinen, scheinbar zufällig am Gehsteig platzierten Akku-Lautsprecher pumpt.
Als Baldecchi und sein Kompagnon Luca Aschauer voriges Jahr plötzlich authentische Tacos am Naschmarkt anboten, war das Erstaunen groß. Am Ramschmarkt der Bustouristen? Einen unwahrscheinlicheren Ort konnte man sich kaum vorstellen. Mit der neuen Location ist der köstlich schmutzige Streetfood-Appeal flöten gegangen. Die Tacos kommen jetzt alle gleichzeitig, akkurat herausgarniert zu Tisch und sind immer noch verdammt gut – die Unmittelbarkeit, der Moment der Perfektion, der bei Tacos, wie bei gutem Sushi, aus dem denkbar kürzesten Moment zwischen Zubereitung und Verzehr liegt, geht mit dem Sesshaftwerden natürlich verloren.
Dafür ist das Angebot größer geworden – und es gibt, neben hausgemachten Limonaden ("aguas frescas"), durchaus bemerkenswerte Cocktails auf Mezcal- und Tequila-Basis zu zivilen Preisen. Dazu passt Guacamole con Chicharrón Norteño, wie im Norden Mexikos mit knusprig gebratenem Schweinebauch zum Dippen serviert, die Mexikaner haben's schließlich auch nicht so mit dem Dünnsein. Tostadas de Atún sind knusprige Tortillas mit kurz marinierter Ceviche aus Gelbflossenthunfisch und Avocado, sehr angenehmer Kontrast aus Knusper und kühlem Schmelz des Fischs. Flautas de Pollo läuft ebenso unter Vorspeise, da sind die gerollten, frittierten Tortillas mit Hendl, Frischkäse und Salat gefüllt und baden in einer Salsa aus geräucherten Chilis, lässt man sich auch gefallen.
Caliente warat's
Quesbirria, einst am Markt das unwiderstehliche Signature-Gericht der Taco-Brüder, fällt in der tischfeinen Version leider ab: Sie erreichen den Tisch nur noch lauwarm, auch der geile Kontrast aus knusprig gebratener Tortilla, Umami des Schmorfleischs und der cremigen Ziehigkeit des Käses funktioniert nicht mehr ideal – dabei wurde am Rezept mit Sicherheit nix geändert. Eventuell sollte man die nur direkt am Bartresen, in unmittelbarer Küchennähe ordern. Dafür sind die Tacos de Verdura mit geschichtet geschmortem Zeller, Karfiol samt Karfiolcreme und knackig marinierter Karotte ein Bringer, sehr aufmerksam gearbeitete Gemüseküche. Carnitas mit in Orange, Zucker, Zimt und Schmalz eingekochter Schweinsschulter und Jalapeño-Zwiebeln, kann es aber auch – speziell, wenn man die Fladen mit einer oder mehreren der beigestellten, allesamt hausgemachten und zum Teil durchaus pikanten Salsas aufpeppt.
(Severin Corti, 1.8.2026)
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