The Strokes feiern ihre ersten 25 Jahre: Schnoferl ziehen, Gitarre spielen!

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The Strokes feiern ihre ersten 25 Jahre: Schnoferl ziehen, Gitarre spielen!

Die Band aus New York feiert gerade das Jubiläum ihres fabelhaften Debüts "Is This It" – und sie legt mit "Reality Awaits" ein neues Album vor

Christian Schachinger

Ein Sänger mit Sonnenbrille und Lederjacke performt mit einem Mikrofon auf einer Bühne, die in grün-gelbem Licht beleuchtet ist.
Null Bock auf Arbeit, aber einer muss es ja machen: Julian Casablancas und The Strokes performen im April 2026 beim Coachella-Festival in Kalifornien.

Wer sich von den Überlebenden erinnern mag: 1979 veröffentlichte Punk-Gottvater Iggy Pop auf dem Album New Values neben seiner Kernaussage "I'm looking for one new value, but nothing comes my way" ein weiteres zentrales Statement einer heute fast vergessenen Grundhaltung des Genres der Musik böser Buben. Im Song I'm Bored brachte der heute 79-jährige Mann aus einer Kleinstadt in Michigan eine Haltung zum Ausdruck, die 22 Jahre später auch den Ansatz der aus gutem Hause stammenden und der Legende nach in einem Schweizer Internat gegründeten New Yorker Gruppe The Strokes auf den Punkt brachte. Iggy Pop grundelte: "I'm sick when I go to sleep at night/ I'm still sick in the broad daylight/ 'Cause I'm bored/ I'm bored/ I'm the chairman of the bored!"

Die Band um Sänger Julian Casablancas und Gitarrist Albert Hammond Junior veröffentlichte dazu passend wie die Faust aufs Auge Ende Juli 2001 ihr frenetisch bejubeltes Debütalbum Is This It. Mit den Songs darauf wurde ein gewisser Weltüberdruss hin zur Lethargie und Resignation abgefeiert, inklusive einer gut ausgelebten Leck-mich-am-Arsch-Attitüde.

Der gelangweilte Singsang und die minimalistisch, beziehungsweise schmucklos auf das Notwendigste beschränkte Musik in knapp über drei Minuten gehenden Songs läutete damals ein heute aktuell in der Zeitschlaufe gerade wiederkehrendes Comeback von hängeschultrigen jungen Menschen mit umgeschnallten Gitarren und runtergezogenenen Mundwinkeln ein. Die dabei zu beobachtende Ernsthaftigkeit bezüglich einer pubertären Verweigerungshaltung und eines existenziellen Widerwillens ist zeitlos schön zu beobachten.

Schwarz-weißes Albumcover. Ein Teil eines nackten menschlichen Rückens ist zu sehen, mit einer schwarzen, glänzenden Handschuh tragenden Hand, die darauf ruht. Oben steht in Großbuchstaben „THE STROKES IS THIS IT“ mit „IS THIS IT“ in Rot hervorgehoben.
Das Debütalbum "Is This It": Mit den Songs darauf wurde ein gewisser Weltüberdruss hin zur Lethargie und Resignation abgefeiert.

The Strokes spielten Lieder wie das zackige Last Nite. The Modern Age rockte schaumgebremst Richtung Lou Reed auf Autopilot. Der Katerstimmung verursachende Titelsong des Albums sorgte parallel zum Erscheinen von Alben eines gewissen Jack White mit seinen The White Stripes namens White Blood Cells und ein Jahr darauf mit Pete Dohertys Band The Libertines mit dem räudigen und geschichtsbewusst zwischen The Kinks und The Clash angesiedelten Up the Bracket für die Rückkehr der elektrischen Gitarre in der Pop-Öffentlichkeit. Das Image böser, aufsässiger und sich einen Dreck scherender Buben wurde bei den windschief rumpelnden Liedern gratis mitgeliefert.

Rechtschaffen egal

Jack White hat gerade mit dem Soloalbum Frozen Charlotte bewiesen, dass er das sich aus steinalten stilistischen Vorgaben speisende Image des wilden Mannes weiterhin zu bewahren vermag. Pete Doherty ist nach diversen Abstürzen auch wieder verstärkt aktiv (Wienkonzert mit seinen Babyshambles, am 15. 8. in der Open-air-Arena). Und sogar The Strokes melden sich nun nach sechs Jahren Pause nach dem Album The New Abnormal und einigen, dem Vernehmen nach mehr oder weniger lustvollen Live-Auftritten, unter anderem beim Coachella-Festival in Kalifornien, mit dem neuen Studioalbum Reality Awaits zurück.

Spätestens seit 2013 ist Julian Casablancas eigentlich lieber mit seiner anderen Band namens The Voidz aktiv. Das geschieht auch nicht gerade forciert. Es reicht, dass man alle paar Jahre mit neuer Musik in Erscheinung tritt und dabei ein bemitleidenswert gelangweiltes Schnoferl zieht, das sehr gern als Coolness gelesen werden soll. Musik scheint Julian in ihrer Mischung aus rückwärtsgerichtetem 1980er-Autoradio-Rock kombiniert mit angespeist emotionslosem Autotune-Gesang rechtschaffen egal. Alles hat ein Ende und die Wurst hat zwei.

Gitarrist und Partner in Crime Albert Hammond Junior war ebenfalls immer wieder solo unterwegs. Der Sohn des britischen Songwriters Albert Hammond Senior – Welthits wie The Air that I Breathe, The Free Electric Band und vor allem Whitney Houstons One Moment in Time gehen auf sein Konto – könnte eigentlich in aller Ruhe auf seine Erbschaft warten. Eine gewisse Tages- oder Jahresstruktur hilft allerdings, persönliche Unwägbarkeiten und Abgründe zu umschiffen.

Bewusst oder unbewusst, mit dem Coverfoto eines unscharf ins Nirgendwo reitenden Cowboys von Fotografen-Superstar Richard Prince, der derzeit in der Wiener Albertina ausstellt, ist nun das Leitmotiv des Comebacks von The Strokes vorgegeben. Allein der erste Song Psycho Shit ("Wounded child with no shame") mit seinem schleppendem Tempo und einem für Julian Casablancas' Verhältnisse emotionalen Gesang deutet darauf hin, dass hier zwar ausgerechnet eine auf der Gitarre mit nur wenigen Effekten gezupfte Midtempo-Ballade noch nach 25 Jahren Zeitgenossenschaft demonstrieren will.

Vor den Kopf stoßen

Alte Fans werden sich allerdings am von Casablancas von The Voidz übernommenen, sonst eher bei den Brudis im Rap eingesetzten, gesanglich schön eiernden Autotune-Verfremdungseffekt stoßen. Irgend etwas scheint mit zunehmender Dauer des Strokes-Albums extrem schiefzugehen. Dabei lassen nachfolgende Titel wie Dine N'Dash darauf schließen, dass mittels "moderner" Studiotechnik wie einem Schlagzeuger aus der Steckdose einfach alte Größe mit kitzekleinem Wagemut kurzgeschlossen wird. Kinderlied-Singsang und forcierteres Tempo ist schließlich auf nachfolgenden Titeln wie Lonely in the Future zu hören: "I did that yesterday when I was a kid ..."

Eine gewisse Müdigkeit und geringe Körperspannung sind trotzdem zu verzeichnen. Mit schön schläfrig schunkelnden Titeln wie Going Shopping oder dem an alte Disco-Hadern der Rolling Stones angelehnten funky Shuffle The Fruits of Conquest entsteht aber beim Hörer und der Hörerin ein tiefes Gefühl des wunschlosen Einverständnisses. Die großen Schlachten sind geschlagen. Jetzt geht es bei dieser gerade zu ertragenden Hitzewelle im Sommer darum, einfach einmal die Füße in ein Lavoir mit kaltem Wasser zu stecken. Einatmen, ausatmen. Easy! Die nicht so guten Alben erweisen sich auf Dauer oft als die beständigsten. (Christian Schachinger, 1.8.2026)

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