Stand: 11.09.2026, 18:15 Uhr
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Die Stadt Nidda zieht die Reißleine und will die Partnerschaft mit dem Investor beenden. Über 600.000 Euro Abrisskosten hat die Stadt laut SPD bereits gezahlt.
Bad Salzhausen – Noch am Dienstagabend traf sich ein Akteneinsichtsausschuss in Nidda, um herauszufinden, wie es zu dem Vertrag mit Interspa über den Neubau der Justus-von-Liebig-Therme gekommen war. Drei Tage später stellt sich die Frage: Welche Folgen hat es, wenn die Stadt den Vertrag aufkündigt? In einer Pressemitteilung erklärte der Magistrat am Freitag, dass er für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Investor keine Perspektive mehr sieht.
Bekenntnis zu Bad Salzhausen
Dass die Absage an einen Neubau der Therme mit Interspa für Bad Salzhausen eine bittere Enttäuschung ist, wissen alle Verantwortlichen in der Stadtpolitik. Entsprechend eindeutig fallen die Zusicherungen aus, die Entwicklung des Kurorts weiter zu unterstützen. Es gelte, „Bad Salzhausen als Gesundheits-, Kur- und Erholungsstandort nachhaltig weiterzuentwickeln“, heißt es in der Pressemitteilung des Magistrats. Die bestehenden Angebote und Einrichtungen würden weiterhin unterstützt und Perspektiven für eine zukunftsfähige Entwicklung des Standorts geprüft. „Für uns steht fest: Wir bleiben der positiven Weiterentwicklung Bad Salzhausens verpflichtet“, betont die CDU. Ähnlich äußern sich auch die Grünen und die SPD.
„Die Stadt Nidda wird von ihrem vertraglich vereinbarten Rücktrittsrecht (...) Gebrauch machen“, heißt es in dem Schreiben. Die „Partnerschaft“ mit dem Investor für das Projekt werde beendet. Ein Grund für die Entscheidung sei, dass „die im Grundstückskaufvertrag vorgesehenen Voraussetzungen nicht fristgerecht eingetreten waren und sich auch mittelfristig keine tragfähige Lösung abzeichnete, die ohne eine weitere Kostenbeteiligung der Stadt umgesetzt werden könnte“.
Insbesondere wird die ausstehende Baugenehmigung genannt. Diese hätte spätestens am 5. März, neun Monate nach der Beurkundung des Vertrags mit Interspa, vorliegen müssen. Doch am 9. Dezember 2025 hatte der Investor den Bauantrag zurückgezogen. Seine Bauvoranfrage konnte nach Auskunft des Wetteraukreises bisher nicht beantwortet werden, weil trotz wiederholter Nachfragen dafür nicht alle Voraussetzungen erfüllt seien.
„Die Stadt hat das Vorhaben über einen langen Zeitraum konstruktiv begleitet und die notwendigen kommunalen Entscheidungen verantwortungsvoll vorbereitet“, betont Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU). Die Stadt müsse jedoch die Bestimmungen des Vertrags einhalten und die Interessen der Stadt, des Kurstandorts Bad Salzhausen und ihrer Bürger wahren.
Rückbau wird fortgesetzt
„Mit dem Rücktritt schafft die Stadt Rechtssicherheit hinsichtlich der betroffenen Grundstücksflächen“, erklärt Eberhard. Ein Aspekt, der mit Blick auf die Landesgartenschau an Bedeutung gewinnt. In Gesprächen mit dieser Zeitung hatte der Bürgermeister bereits deutlich gemacht, dass der Anblick der Abbruchruine am Eingang zum Unteren Kurpark nicht dem Eindruck entspreche, den Nidda beim Großereignis machen wolle.
„Der begonnene Rückbau der alten Therme wird nun von der Stadt weiterverfolgt“, heißt es in der Mitteilung. „Bis zur Landesgartenschau im nächsten Jahr wird ein entsprechender Sichtschutz dafür sorgen, dass von der Baustelle so wenig wie möglich zu sehen sein wird.“ Auf Nachfrage dieser Zeitung erläutert Eberhard, dass die Zwischenwände der ehemaligen Therme, die noch auf der Ebene der Kurstraße stehen, abgebrochen würden. Ein Aufwand, der seinen Angaben zufolge beim derzeitigen Stand auch ohne Kündigung des Vertrags entstanden wäre.
Dem Rücktritt von dem Vertrag müssen die Stadtverordneten noch zustimmen. Daher findet am Dienstag, 15. September, eine Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses statt, um einen Beschluss des Gremiums vorzubereiten.
Der Entscheidung der SPD in der Stadtverordnetenversammlung möchte Fraktionsvorsitzende Christine Jäger nicht vorgreifen. Obwohl ihre Fraktion das Projekt nie befürwortet habe, freue sie sich nicht über das Scheitern. „Ich finde es bedauerlich, dass alles, wovor wir gewarnt haben, eingetroffen ist“, sagt sie.
Jäger weist auch auf die Summe hin, die die Stadt Nidda bereits bezahlt habe. „Über 600 000 Euro haben wir schon für die Abrisskosten ausgegeben“, kritisiert sie. „Wir sind der Auffassung, dass da 100-prozentig noch Kosten auf uns zukommen.“
Auch Marcus Stadler (Grüne) hatte wiederholt auf die Risiken hingewiesen. „Die Grünen hätten diese Entscheidung schon am 6. März getroffen“, sagt er, und wundert sich, dass der Magistrat erst ein halbes Jahr nach Fristablauf den Vertrag kündige.
„Für eine Partnerschaft braucht es Augenhöhe, Transparenz und Verlässlichkeit“, sagt er. „Das Verhalten des Investors lässt daran erhebliche Zweifel aufkommen.“ Stadler hofft, dass Warnungen künftig beachtet werden. „Dann hat man aus diesem Thema wenigstens etwas gelernt.“
Alexander Walz erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme, dass die CDU in dem Thermenprojekt „eine große Chance für Bad Salzhausen und die gesamte Stadt gesehen habe“. Sie bedaure, „dass das Vorhaben unter den vereinbarten Voraussetzungen offenbar nicht umgesetzt werden kann“. Dass Magistrat und Bürgermeister jetzt die Konsequenzen ziehen, sei richtig.
Trotz Anfragen dieser Zeitung lag bei Redaktionsschluss weder von Interspa noch von der Bürgerliste eine Reaktion vor.