Tim Curry, der sympathische Exzentriker des Kinos, ist tot
Seine Rollen in «The Rocky Horror Picture Show» und «It» machten ihn weltberühmt. Nicht einmal von einem Schlaganfall liess er sich in die Knie zwingen, nun ist der Schauspieler mit 80 Jahren gestorben.
26.08.2026, 19.27 Uhr
3 Leseminuten
Aktualisiert
«A Sweet Transvestite from Transexual, Transylvania»: Tim Curry stiehlt in «The Rocky Horror Picture Show» 1975 allen die Schau.
Imago
Die meisten Schauspieler sind glücklich über eine Rolle, die so sehr mit ihnen verbunden ist, dass man sie über mehrere Generationen hinweg «kultig» nennt. Tim Curry spielte gleich zwei davon: als schriller Dr. Frank-N-Furter in «The Rocky Horror Picture Show» und als Horrorclown Pennywise in «It». Nun ist der britische Schauspieler im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Los Angeles gestorben.
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Angefangen hatte Currys Karriere beim Musical: 1968 stand der Sohn eines Militärkaplans nach dem Literaturstudium für «Hair» in London auf der Bühne, das prägende Musical über die Hippie-Zeit. Von dort aus war der Weg kurz zur ersten seiner zwei Paraderollen: 1973 wurde das provokante Musical «The Rocky Horror Show» in einem Nebenraum des Royal Court Theatre uraufgeführt, vor nicht einmal hundert Zuschauern.
Eine interaktive Party
Curry übernahm darin die Rolle des Dr. Frank-N-Furter, eines ausserirdischen Wissenschafters mit einem Hang zu Glamour und sexueller Provokation. Ein «Sweet Transvestite from Transexual, Transylvania», wie er über sich selbst singt, ehe er die Helden, das brav-biedere, doch lernfähige Paar Janet und Brad, verführt.
Zwei Jahre später, 1975, erschien die Verfilmung «The Rocky Horror Picture Show». Anfangs ein Flop, machte sie dank Mitternachtsvorstellungen nicht nur das Musical, sondern auch seinen Bösewicht weltberühmt: Der weiss geschminkte Curry im schwarzen Korsett, mit hohen Absätzen und seiner einzigartigen Mischung aus Charisma, Humor und Exzentrik wurde zu einer Galionsfigur der Pop-Kultur. Die Vorführungen des Films verwandeln sich bis heute in eine interaktive Party, bei der das Publikum mitsingt, tanzt oder Reis wirft.
In der Folge spielte der ewige, kinderlos gebliebene Junggeselle häufig Figuren, die zwischen grotesk und tragisch schwankten und sich ebenso wenig in eine Schublade stecken liessen wie Curry selbst. Am Broadway trat er Anfang der 1980er Jahre in «Amadeus» auf, im Kino war er in «Legend» (1985) oder «The Hunt for Red October» (1990) zu sehen. Selbst bei Kurzauftritten hinterliess er einen bleibenden Eindruck: etwa wenn er als misstrauischer Concierge dem wieder einmal verlorengegangenen Kevin in «Home Alone 2: Lost in New York» hinterher schnüffelt.
Ein Clown als Albtraum
Richtig unheimlich wirkte der Schauspieler in der recht schlicht produzierten Fernsehfassung von Stephen Kings «It» (1990). Als dämonischer Clown verwandelte Curry eine Figur, die leicht lächerlich hätte wirken können, in einen Albtraum. Sein brutal mordender Pennywise war ein verführerisches Monster, das nicht nur Kindern der 1990er Jahre schlaflose Nächte bereiten sollte.

Der Schauspieler Tim Curry, hier 1997 in Los Angeles, ist 80-jährig gestorben.
Getty
Seine hypnotisierende Wirkung verdankte Curry nicht zuletzt seiner markanten, facettenreichen Stimme. Vielen aus der Gaming-Szene ist seine Stimme noch im Ohr, wenn sie «Command & Conquer» spielen. Ebenso synchronisierte Curry den Erzschurken Palpatine in der animierten Serie «Star Wars: The Clone Wars».
2012 erlitt Curry einen schweren Schlaganfall, seitdem sass er im Rollstuhl. Dennoch zog er sich nicht vollständig aus der Öffentlichkeit zurück: Er arbeitete weiterhin, trat gelegentlich öffentlich auf und schrieb seine Autobiografie «Vagabond». Für seine Fans wurde sein Umgang mit dieser schwierigen Lebensphase zu einem weiteren Ausdruck seiner Persönlichkeit: selbstbewusst, kämpferisch, humorvoll.
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