Stand: 15.08.2026, 06:02 Uhr
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Die Trockenheit hinterlässt Spuren in Kassel. Experten rechnen mit dem trockensten und wärmsten Sommer in Nordhessen seit Beginn der Aufzeichnungen.
Kassel – „Früher war mehr Lametta“: Der Spruch, der für die Weihnachtsdeko gilt, trifft in abgewandelter Form auf die Kasseler Vegetation zu. „Früher waren mehr Blätter“, würde der Satz dann lauten, was im Unterschied zum dezenter geschmückten, immergrünen Tannenbaum dann doch eine ernste Angelegenheit ist. Ernst, weil seit Juni nicht nur viele Menschen unter der Hitze leiden, sondern ebenso Wiesen, Äcker und Bäume. Ernst auch deshalb, weil Dürre-Sommer wie in diesem Jahr keine Ausnahme, sondern im Zuge des Klimawandels zunehmend die Regel sind.

Die Folgen lassen sich derzeit überall im Stadtgebiet beobachten: Die Grünflächen am Bugasee gleichen einer Steppenlandschaft; Mähdräscher wirbeln beim Abernten der Felder in Wolfsanger braune Staubwolken auf; selbst die hitzeresistenten Buchen in der Karlsaue lassen die Blätter hängen.
So trocken ist Kassel im Dürre-Sommer
Wie heiß, wie trocken ist der Kasseler Sommer? Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes, der an seiner Station Schauenburg-Elgershausen (zehn Kilometer vom Friedrichsplatz entfernt) schon Ende Juni 36,8 Grad gemessen hatte, war der Juli mit durchschnittlich 18,2 Grad ein halbes Grad wärmer als das langjährige Mittel. Auch der bislang heiße August dürfte darüber liegen.

Besonders drastisch fällt der Blick auf die Regenmengen aus. In Schauenburg fielen im Juli nur 13,9 Liter auf den Quadratmeter – 18 Prozent der üblichen Menge. Mit Blick auf das ganze Bundesland schreibt der Wetterdienst: „Noch nie gab es in der Messhistorie im zweiten meteorologischen Sommermonat in Hessen so wenig Niederschlag.“ Die erste Augusthälfte schließt sich daran an. An der Messstation bei Kassel fiel in diesem Monat bisher nur ein Liter Regen.

Etwas Vergleichbares hat auch der Fritzlarer Meteorologe Günter Fickenscher noch nicht erlebt. „So wie es aussieht, dürfte es der heißeste und trockenste Sommer aller Zeiten in Nordhessen werden.“ Besonders auffällig: Nie zuvor habe es so früh im Jahr so viele aufeinanderfolgende Tage mit mehr als 30 Grad gegeben, sagt Fickenscher.
Dass Kassels Grünflächen aktuell so trocken sind, liegt nach Auskunft eines Stadtsprechers daran, dass sie – mit Ausnahme des Friedrichsplatzes – „grundsätzlich und auch in Trockenphasen nicht gewässert“ werden. Wegen der Witterung hatte die Stadt bereits im Juni die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern untersagt. Deutlich grüner sieht es im Bergpark aus, wo es kühler ist und Hessen Kassel Heritage die Pflanzen nach Bedarf gießt.

Für manche hat das Wetter aber sein Gutes: Hirte Peter Safranek, der zwischen April und November mit 800 Schafen und 50 Ziegen auf Kassels Wiesen unterwegs ist, berichtet von einer alten Schäferweisheit. „Trockene Jahre bringen fette Schafe.“ Entlang der Dönche, erzählt der 72-Jährige, fänden die Tiere genug Trinkwasser. Das trockene Gras fräßen sie ebenso gern wie sattes Grün.
Wie geht‘s weiter? Laut Wetterdienst steigt ab Sonntag das Gewitterrisiko in Nordhessen, ab Mitte kommender Woche soll es deutlich unbeständiger, also kühler und regenreicher, werden. Viele Menschen dürften aufatmen – und auch die Natur.