Die Hitze macht die Produktion von Atomstrom in Frankreich teils unmöglich. Das liegt an der steigenden Temperatur umliegender Flüsse – und an Quallenangriffen.
Einer nach dem anderen: In den vergangenen Tagen musste Frankreich etliche Atomreaktoren abschalten. Der Grund dafür sind Hitzeprobleme bei der Kühlung: Die Mehrzahl der AKW, die dazu Flusswasser etwa aus der Rhone oder der Garonne verwenden, müssen aus Rücksicht auf die Biodiversität gestoppt werden. Wenn das für die Kühlung der Reaktoren abgeleitete Wasser eine bestimmte Temperatur übersteigt, meist 28 Grad Celsius, ist das ökologische Gleichgewicht und damit das Überleben der Flussfauna und -flora in Gefahr.
Bei den mit Meerwasser gekühlten Reaktoren, beispielsweise in der Anlage von Gravelines in Nordfrankreich, stellt sich ein anderes Problem. Einen Zusammenhang mit der gegenwärtigen Hitze gibt es aber ebenfalls: Ungewöhnlich große Mengen von Quallen verstopfen die Filter der Pumpen und könnten so das Funktionieren des Kühlsystems beeinträchtigen. Mit seinen 6 Reaktoren (die zunächst alle abgestellt wurden und bis auf eine derzeit außer Betrieb sind) ist Gravelines die größte AKW-Anlage in Westeuropa.
Wegen der bisher längsten Hitzeperiode in der mit Daten belegten Klimageschichte mussten in Frankreich 13 von insgesamt 57 Reaktoren abgestellt werden, was einem Ausfall von 20,4 Prozent der landesweiten Atomstromproduktion entspricht. Da die Atomenergie in Frankreich 70 Prozent der Elektrizität liefert, ist diese hitzebedingte Senkung erheblich. Die Versorgung mit Strom soll laut dem AKW-Betreiber EDF deswegen aber nicht bedroht sein. Es sei sogar auch weiterhin möglich, wie sonst Elektrizität in die Nachbarländer zu exportieren.
Die Inlandsversorgung ist bisher gewährleistet, weil der Bedarf in der Jahreszeit relativ gering ist. Die Produktion an Solarstrom steigt zudem. Und zur Beruhigung kann der Atomstromproduzent darauf verweisen, dass es Frankreich ja auch überlebt habe, als 2022 vorübergehend 32 von damals 56 Reaktoren pausieren mussten. Damals war nicht die Hitze ausschlaggebend, sondern dringende Reparaturen und Wartungsarbeiten.
Die Anti-Atom-Organisation Sortir du Nucléaire warnte, dass jedes Jahr unbeachtet von der Öffentlichkeit ein massives Fischsterben auf das Konto der Reaktoren gehe. Die französischen AKW-Gegner berufen sich auf interne Dokumente von EDF, die es erlaubten, die Zahl der Meerestiere wie Fische, Quallen, Krebse und Krabben, die in den Kühlsystemen sterben, mit annähernd 6 Milliarden zu beziffern. Dieses „unsichtbare Massensterben“ werde durch den Bau von 4 weiteren Reaktoren in Penly in der Normandie noch drastisch schlimmer. EDF bleibt dabei, dass der AKW-Betrieb keine negativen Auswirkungen auf die Biodiversität habe.
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